Stress pur bis 14 Uhr

Hans Langenbach (rechts) freute sich über das pünktliche Ankommen seiner Päckchen...

ALTENA - Es schreit im realen Leben niemand vor Glück, auch wenn Aaron Brocksieper die Pakete von Zalando zustellt. Aber Freude kommt schon auf, wenn der Postmann zweimal klingelt und die für’s Weihnachtsfest bestellten Päckchen abliefert.

Seit neun Jahren arbeitet Brocksieper bei der Post, zuvor war er als Straßenwärter tätig. „Da konnte es schon sein, dass ich Heiligabend raus musste zum Streuen“, erzählt er. Heute hofft er, dass er gegen 14 Uhr das allerletzte Paket zugestellt hat. Danach beginnt das Weihnachtsfest auch bei Brocksiepers, die selber auch einige Geschenke per Post bestellt haben.

Der Internethandel hat der Post in den letzten Jahren einen deutlichen Zuwachs beschert. Und kurz vor der Bescherung nimmt das Paketaufkommen nochmal gewaltig zu. Seit sieben Wochen schon fährt Brocksieper eine „Entlastungstour“, da seine Kollegen sonst bis in den späten Abend hinein unterwegs wären. Er nimmt ihnen Bezirke in der Rahmede, auf dem Nettenscheid und in Dahle und Evingsen ab. 16 Zustellbezirke werden von Altena aus „bedient“, in der Vorweihnachtszeit kommen zwei Entlastungsbezirke und zwei zusätzliche Fahrzeuge dazu.

Normalerweise nimmt er 30 bis 40 Päckchen mit auf die Tour in seinen Zustellbezirk, der nicht festgelegt ist, sondern öfter wechselt. „Ich mag die Abwechslung und fahre gerne mal eine andere Route“, sagt Brocksieper. Ist er froh, dass das Wetter zurzeit trocken ist? „Das macht mir nichts aus, mit Schneeketten komme ich überall hin“, da lässt er sich nicht ausbremsen.

In der Woche vor Weihnachten muss Brocksieper am Mittwochmorgen 159 Pakete einscannen und so in den Sprinter stapeln, dass er das richtige Paket an der richtigen Hausnummer schnell zur Hand hat. „Man muss sich schon gut organisieren können“, erklärt er, der den Durchblick behält in dem Paketewirrwarr in seinem Fahrzeug. „Und man muss gut rückwärts fahren können“, schmunzelt er, als er langsam im Rückwärtsgang in den Ardeyweg fährt. Handbremse ziehen, Motor aus, Schlüssel abziehen, Handscanner greifen und Pakete ausladen, Treppen rauf oder runter, klingeln und warten. Mal darf das Päckchen bei Nachbarn abgegeben werden, wenn niemand öffnet, dann hinterlässt Brocksieper eine Nachricht. „Manche wollen das aber nicht, dann nehm´ ich das Päckchen wieder mit zurück“, er kennt seine Kundschaft. Und muss auch nicht mehr schmunzeln, wenn mal der Hausherr im Schlafanzug die Tür öffnet. Und schon geht es weiter, zum Bergheim und auch zur Hauptschule.

Und wie sieht es mit einer Mittagspause aus? Schließlich ist der Postmann bis 15 oder 16 Uhr unterwegs. „Ich schau nicht auf die Uhr und dann ist auf einmal der Wagen leer“, nur selten fährt er in der Mittagszeit zurück in die Post. Denn er liebt seinen Beruf, freut sich, wenn „die Leute sich freuen“. Wie der junge Mann, der ein Paket entgegen nimmt und strahlt. „Das ist mein Weihnachtsgeschenk. Hab ich mir selber bestellt!“.

Oft öffnen besonders in der Vorweihnachtszeit Kinder die Tür, und „die müssen dann schnell von den Eltern abgelenkt werden.“

Schließlich sollen sie ja nicht mitbekommen, das der Postbote dem Weihnachtsmann so tatkräftig unter die Arme greift…

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