Großübung im Stadtgebiet hat Nachbarn verunsichert

Wehr sorgt für Schreck und Verärgerung

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Allein zur künstlichen Rauchbildung in der Talsperrenmauer waren 100 Liter Nebelfluid eingesetzt worden. Nachbarn der Fuelbecke waren natürlich besorgt und fragten nach, was passiert sei.

Altena - Die Mitwirkendenden der groß angelegten Abschlussprüfung für Rettungskräfte waren durchweg begeistert von den anspruchsvollen Szenarien. Direkte Nachbarn und Anwohner von Nettestraße und Westiger Straße hingegen waren schwer erschrocken, als am Samstagmorgen Pyrotechniker eine Hausexplosion am Giershagener Weg simulierten und auch noch Kunststoffsteine vom Abbruchhaus der Baugesellschaft hinabfielen. Gerhard Lewandowski fühlte sich an Kriegsszenen erinnert.

„Ich habe erst mal nachgesehen, ob noch alle Scheiben heil sind!“ schildert Nettestraßen-Anlieger Gerhard Lewandowski. Der laute Knall, eine Erschütterung - die Nachbarschaft war ordentlich erschrocken, als ausgebildete Pyrotechniker eine Explosion mit der Wucht von 1,8 Kilo Sprengstoff inszenierten. „Die ganze Nachbarschaft stand aufgebracht auf der Straße. Dass das nur eine Übung war, haben wir dann am Montag in der Zeitung gelesen. Da hätten wir uns schon vorab eine Info gewünscht, schließlich hätte auch die benachbarte Kesselfabrik in die Luft geflogen sein können“, schilderte der Altenaer  im Gespräch mit dem AK.

An den Einsatzgebieten fanden die Helfer, im Bild Alexander Fischer, überall Verletzte vor, die aus beengten Platzverhältnissen gerettet worden waren.

Auch Wehrleiter Alexander Grass musste sich am Samstag noch Kritik von einer Anwohnerin des Giershagener Wegs gefallen lassen: Durch das hohe Aufkommen an Feuerwehrfahrzeugen war ihr Mann nicht zur Arbeit gekommen. Ihre Erbostheit teilte sie direkt per E-Mail an den Chef der Feuerwehr mit. Grass nimmt sich dem an: „In solchen Fällen können uns Anwohner direkt ansprechen. Im Übungsszenario kann ein Einsatzfahrzeug problemlos mal an die Seite gefahren werden, sodass Anwohner zur Arbeit kommen können. Für Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns natürlich.“ Auch Markus Pflüger, der mit Alexander Grass und dem Fachschuldozenten Ralf Papajewski die Szenarien geplant hatte, bittet um Verzeihung: „Ja, da hätten wir vorzeitig im Umfeld der Übungen informieren müssen.

Fuelbecke-Talsperre

Auch die Nachbarn der Fuelbecker Talsperre waren verschreckt, als sie den Rauch und die Rettungskräfte gesehen haben. Dass so etwas die Bevölkerung verunsichert, verstehen wir natürlich.“ Pflüger betont: „Wir haben eine Liste gemacht mit Dingen, die wir beim nächsten Mal besser machen können.“

Großübung für Rettungsfachschul-Absolventen

Das Prüfungswochenende für die Absolventen der Dortmunder Fachschule für Rettungskräfte sei sehr komplex konzipiert worden. „Das haben uns alle Mitwirkenden bescheinigt.“ An Material und Personal war nicht gespart worden: Allein zur Vernebelung der Talsperrenmauer waren 100 Liter Nebelfluid eingesetzt worden. Auch die Atemschutzträger wurden bis an die Belastungsgrenze ausgereizt: „Wir haben noch 30 Geräte aus Iserlohn angefordert“, so Pflüger.

Realeinsatz kam dazwischen

 „Trotzdem konnten wir mitten in der Übung auch noch einen Realeinsatz stemmen mit dem Dachstuhlbrand auf dem Nettenscheid. Unsere kleine Altenaer Feuerwehr, die kann schon was!“ freut sich der Mitorganisator. Viel Lob hat die Altenaer Wehr bekommen von all ihren Gästen am Wochenende für die tolle Leistung. „Wir müssen es aber auch zurückgeben. Da waren schwer einsatzbereite Leute am Werk, die sich schwierigsten Aufgaben gestellt haben. Selbst, als es am Samstagabend heftigst zu regnen angefangen hat, blieben die Leute von der realistischen Unfalldarstellung noch regungslos in der Dunkelheit auf der Wiese am Bergfeld liegen. Diese Übung hätte auch routinierte Retter ins Schleudern gebracht, aber niemand hat sich aus der Ruhe bringen lassen!“

Wiederholung

Eine Wiederholung des Großübungsszenarios wäre in Altena durchaus denkbar. „Dann mit besserer Informationspolitik!“ verspricht Pflüger allen Bürgern, die sich am Wochenende gefürchtet haben. Pflügers Dank gilt Stadtwerken und Baugesellschaft, die ihre Immobilien zur Verfügung gestellt hatten.

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