Wegfall der „Zivis“ reißt große Löcher

+
Resul Kavakli ist aktuell der letzte Zivildienstleistende im Ellen-Scheuner-Haus. Er kümmert sich auch um Hausbewohner Thomas Bonacker, der seit sieben Wochen in der Einrichtung lebt.

ALTENA - Mit dem Wegfall des Wehrdienstes verschwindet auch der Zivildienst. Das wird an vielen Stellen in Altena zu spüren sein. Einrichtungen wie das Ellen-Scheuner-Haus, das St. Vinzenz-Krankenhaus oder die Jugendzentren müssen ab dem 1. Juli auf jene jungen Männer verzichten, die in den vergangenen Jahrzehnten nicht in der Kaserne, sondern in ihren Einrichtungen Dienst leisteten.

„Da bricht uns einiges weg. Ich sage mal, wir werden richtig unter dieser Neuregelung leiden“, sagt Christa Kisser als Einrichtungsleiterin des Ellen-Scheuner-Hauses. „Die jungen Männer, die bei uns Dienst gemacht haben, waren einfach immer voll in Ordnung, sie haben tolle Arbeit geleistet. Ich weiß noch nicht, wie es weitergehen soll.“ In ihrer Einrichtung haben regelmäßig junge Zivis in der Haustechnik und Betreuung sowie im Verwaltungsbereich gearbeitet. „Auch wenn sie zuletzt nur sechs Monate da waren, unser Dachverband, das Evangelische Perthes-Werk, hat schon an höchster Stelle alle Alarmglocken geläutet“, so Kisser. „Das reißt große Löcher.“

Große Löcher

Ähnlich sieht es im St. Vinzenz-Krankenhaus und dem angegliederten Pflegeheimaus. Elisabeth Degener, Vertreterin der Pflegedienstleitung: „Uns fehlen sie auf jeden Fall.“ Zwar habe das Krankenhaus bekanntlich zur Zeit andere Sorgen. „Doch“, so fügt sie an: „Jedes Mal, wenn die Dauer des Wehrdienstes und damit auch die des Zivildienstes in der Vergangenheit verkürzt worden ist, hat das ein Loch gerissen.“ Über die Jahre waren in St. Vinzenz in der Regel bis zu acht Zivis tätig. Vier in der so genannten Haustechnik, zwei in der Pflege und zwei im Pflegeheim. Zu den Aufgaben der jungen Männer gehörte das Fahren der Patienten im Haus von A nach B, etwa zum EKG-Schreiben, das Blut abholen, dass Betten organisieren oder auch die Begleitung von Frauen und Männern. Aufgaben, die die Fachteams in beiden Häusern aus zeitlichen und Personalschlüssel-Gründen nicht leisten konnten. „Wie soll es weitergehen?“ – Fast zu sich selbst, stellt sich Elisabeth Degener diese Frage. Es gebe Überlegungen, die wohl kaum zu schließenden Lücken vielleicht mit 400-Euro-Kräften aufzufüllen. „Doch das kostet natürlich viel Geld.“

Freiwilliges Soziales Jahr

In wie weit das von der Bundesregierung als Ersatz propagierte „Freiwillige Soziale Jahr“ eine Alternative zum Zivildienst sein wird, wollten beide Gesprächspartnerinnen nicht abschätzen.

Harald Thöne, Leiter und Koordinator der städtischen Jugendzentren und -Einrichtungen, war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Doch sowohl im JuZ 29 an der Lüdenscheider Straße als auch im Bürgerzentrum Nettenscheid waren über die Jahre stets Zivildienstleistende tätig. Vermutlich wird die Stadt fehlende Zivis über die Einstellung von Honorarkräften kompensieren müssen.

Einen Lichtblick sehen alle AK-Gesprächspartner: Absolventen eines sozialen Jahres machten das in der Regel freiwillig und dann über volle 12 Monate.

von Johannes Bonnekoh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare