Wasserkraftanlagen an der Lenne produzieren keinen Strom mehr

Historischer Tiefstand

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Der Biggesee bei Eichhagen: Die Talsperre ist nur noch zur Hälfte gefüllt. Deshalb hat der Ruhrverband die Wasserabgabe gedrosselt. Das hat spürbare Auswirkungen auf die Wasserführung der Lenne.

Altena - „Pegel Altena, Wasserstand in Zentimetern: Zwei“ – so wenig Wasser hat die Lenne seit Jahrzehnten nicht geführt. Grund: Um die Talsperren weniger zu beanspruchen, hat der Ruhrverband reagiert und die Wasserabgabe auch aus der Bigge gedrosselt.

Voraussetzung dafür war, dass die vom Gesetzgeber vorgegebene Mindestwasserführung für Lenne und Ruhr verringert wurde. Einem entsprechenden Antrag des Ruhrverbandes hat das Umweltministerium zugestimmt. Seitdem ist die Wasserabgabe aus der Bigge deutlich redziert – zeitweise wird nur noch gut ein Kubikmeter abgeben.

Bei einem Pegel von zwei Zentimetern fließen am Pegel Altena nur noch etwas über zwei Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Bigge ist nur noch zur Hälfte gefüllt, der Füllgrad der Versetalsperre liegt bei 64,6 Prozent. Damit ist die Lage an den Talsperren im Einzugsgebiet der Lenne sogar noch vergleichsweise komfortabel: In den nördlichen Talsperren wie Möhnesee und Hennetalsperre ist die Situation weitaus dramatischer.

Dort liegen die Füllstände deutlich unter 40 Prozent. Der Ruhrverband rechnet durch die reduzierte Wasserabgabe mit einer Einsparung von bis zu 164 000 Kubikmetern Wasser pro Tag, die dazu beiträgt, „die in den Talsperren vorhandenen Wasservorräte länger bewirtschaften zu können“, wie es in einer Erklärung des Ruhrverbands heißt.

 Für ein durch das Niedrigwasser ausgelöstes Fischsterben könnte der Ruhrverband nicht haftbar gemacht werden. „Wir sind ein genossenschaftlicher Verband, dessen Hauptaufgabe darin besteht die Wassermenge in der Ruhr zu regeln und die Trinkwasserversorgung sicherzustellen“, erklärte Britta Balt, stellvertretende Pressesprecherin des Ruhrverbandes: „Es ist in den nächsten Tagen kein ergiebiger Landregen in Sicht. Wir müssen jeden Tag aufs Neue abwägen, wie viel Wasser wir aus welchen Talsperren ablassen, um die unterschiedlichen Nutzungen so gut wie möglich zu gewährleisten“, betonte sie.

Gravierende Auswirkungen hat der historische Tiefstand der Lenne auch für die Wasserkraftwerke. Am Schwarzenstein wird derzeit kein Strom mehr produziert: „Bei solchen Pegelständen schaltet sich die Anlage automatisch ab“, erklärt Walter Gäckler, der sich seit Jahrzehnten um die Wasserkraftanlage unterhalb des Buchholz kümmert.

„An einen so niedrigen Wasserstand der Lenne kann ich mich nicht erinnern“, sagt er. Von den 2000 bis 3000 Litern, die im Moment durch das Flussbett plätschern, gehen allein 1000 durch die Fischtreppe. Der Rest reicht nicht aus, um die Turbine am Ende des Obergrabens anzutreiben.

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