Aufarbeitung des Hochwassers läuft

Was tun gegen die nächste Flut? Erste Ideen, um Altena zu schützen 

Unwetter in Nordrhein-Westfalen
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Solche Bilder soll es nie wieder aus Altena geben. Doch wie lassen sich solche Fluten verhindern?

Wie kann man ein solches Ausmaß verhindern und Altena vor der Flut schützen? Erste konkrete Ideen werden bereits diskutiert - und das Hochwasser-Ereignis aufgearbeitet.

Altena – HQ 5, HJQ 20 oder gar HQ 100 – mit diesen Formeln bekommt man zu tun, wenn man sich mit dem Thema Hochwasser beschäftigt. Sie beschreiben zeitliche Abstände: HQ 100 steht für ein Hochwasser, wie es alle 100 Jahre vorkommt. Das am 14. Juli an der Lenne war keins, meint Stadtplaner Roland Balkenhol: „Am HQ 100 fehlten noch etliche Zentimeter.“

Tatsächlich betrug der Lennepegel am Scheitelpunkt des Hochwassers 4,50 Meter. Das ist wahrscheinlich der höchste Wert, der je am seit 100 Jahren bestehenden Pegel an der Steinernen Brücke gemessen wurde. Für das 100-jährliche Hochwasser sagen alle Modelle allerdings eine Überflutung des Stortels samt des dort stehenden Gehöftes voraus. Davon sei man auch diesmal noch weit entfernt gewesen, sagt Daniela Turk, die dort seit vielen Jahren lebt.

Kaum Pegelstände für Nebenbäche vorhanden

„Beim Hochwasserwarndienst läuft die Nachbereitung dieses Hochwasser-Ereignisses auf Hochtouren. Für eine abschließende Bewertung ist es aber noch zu früh“, sagt Christof Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung. Es müsse eine Vielzahl von Parametern beachtet werden, das brauche seine Zeit.

Und: Während die diversen Pegel an der Lenne genau festhielten, wie hoch das Wasser stieg, fehlen solche Wert für Nebenbäche wie die Brachtenbeck und die Nette, weil es dort keine Pegel gibt. Nur an der Rahmede existiert einer. Er stieg während des Unwetters auf 3,40 Meter. Ein „mittleres Hochwasser“ wird dort bereits bei 1,05 Metern erreicht.

Treibgut und Geröll: Unberechenbare Gefahren

Die Wasserstände sind das eine. Anhand der topografischen Karten können die Behörden sehr genau berechnen, was bei welchem Pegelstand passiert. Gerade bei den kleinen Nebenbächen wie der Nette und der Brachtenbeck ist das aber graue Theorie: Was sich nicht berechnen lässt, sind Geröll und Treibholz, die von den Wassermassen mitgerissen werden und Durchlässe so verstopfen, dass die Bäche sich andere Wege suchen müssen.

Dieser Effekt war in den Seitentälern schon bei früheren Hochwassern zu beobachten. Diesmal war es besonders schlimm – möglicherweise auch wegen der vielen, durch die Borkenkäferplage verursachten Kahlschläge in den Wäldern.

Regenmengen: Unterschiedliche Werte

Nicht ganz so unberechenbar wie Schutt und Treibgut ist der Regen – theoretisch jedenfalls. Praktisch fällt auf, dass es sehr unterschiedliche Angaben gibt, wie viel Wasser da eigentlich vom Himmel kam. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte Ende Juli Rechenmodelle, wonach in Altena in 72 Stunden rund 175 Liter gefallen sein sollen.

Hochwasser in Altena und Nachrodt: Die Bilder am Donnerstag

Das Hochwasser und seine Folgen in Altena und Nachrodt
Das Hochwasser und seine Folgen in Altena und Nachrodt
Das Hochwasser und seine Folgen in Altena und Nachrodt
Das Hochwasser und seine Folgen in Altena und Nachrodt
Hochwasser in Altena und Nachrodt: Die Bilder am Donnerstag

Allerdings: Die nächste Wetterstation des DWD befindet sich in Lüdenscheid. In Altena misst Dietmar Flusche mit einer privaten Station. Er kam auf rund 200 Liter in 24 Stunden. Die Station steht im Buchholz, wo sonst ganz harmlose Siepen verheerende Schäden an der Bundesstraße anrichteten.

Zählerschränke im Keller: ABG stoppt Verlegung

Man sieht: Es gibt noch jede Menge Unwägbarkeiten, die eine genaue Bewertung der Situation unmöglich machen. Und doch gibt es schon erste Überlegungen, wie die Folgen solcher verheerenden Fluten zumindest abgemildert werden können. Beispiel Baugesellschaft: Die verlegte in der Vergangenheit die Zählerschränke ihrer Miethäuser aus optischen Gründen gerne von den Treppenhäusern in die Keller.

„Damit hören wir sofort auf“, sagt Vorstand Manfred Haupt, weil das dazu führte, dass mehrere Häuser nach der Flut tagelang ohne Strom waren. Bäderchef Hendrik Voß macht sich Gedanken darüber, ob und wie der Außenbereich des Freibads so gestaltet werden kann, dass das Wasser zumindest vom Hallenbadkeller weggeführt werden kann.

Hochwasserschutz schon länger im Blick

Grundsätzlich müsse man das, was vor vier Wochen in Altena passiert ist und Schäden im dreistelligen Millionenbereich verursachte, mit Hilfe von Fachleuten analysieren, meint Voß, der auch für das Abwasserwerk zuständig ist. Bei dem steht das Thema Schutz vor Starkregen-Ereignissen schon seit einigen Jahren im Fokus.

So wurde das Unternehmen Hydrotec schon vor der Flut damit beauftragt, Grundlagen für einen verbesserten Hochwasserschutz im Nettetal zu ermitteln. Dazu wurde eine umfangreiche Bestandsaufnahme vorgenommen: 110 Einleitungen, über 200 Profile und 110 Überbauungen fanden die Ingenieure, die aktuell noch dabei sind, anhand der von ihnen erhobenen Daten Sanierungsvorschläge zu erarbeiten.

Mobiles Deichsystem als Schutz

Das gleiche Unternehmen wirkte auch an einem Hochwasseraktionsplan Lenne mit, den der Ruhrverband bereits vor 20 Jahren aufstellte und der für Altena vor allem eine Maßnahme zum Hochwasserschutz empfiehlt: Die Anschaffung eines mehrere hundert Meter langen, mobilen Deichsystems, über das Stadtverwaltung und Feuerwehr aktuell nachdenken. Damit könne insbesondere der Bereich Linscheid geschützt werden, steht in dem Aktionsplan. Aber nur vor einem Hochwasser der Lenne, nicht vor einem über die Ufer getretenen Nettebach.

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