Tätowierer Hahne ärgert sich

Altena –Dass die Tattoostudios viel später als die Friseursalons öffnen dürfen, bringt Max Hahne auf die Palme. Ab Dienstag, 26. Mai, werden in seinem Hillside-Studio an der Lennestraße wieder Kunden empfangen – nach langer Pause und einer Ungleichbehandlung seiner Branche im Vergleich zu anderen, wie der Tätowierer findet. „Da hat sich die Landesregierung nicht mit Ruhm bekleckert.“

 Max Hahnes Bilder gehen unter die Haut. Er ist spezialisiert auf schwarz/ graue Tätowierungen im Bereich „Realistic und Porträt“. Die Wiedereröffnung ist aufgrund der Corona-Vorschriften organisatorisch überhaupt kein Problem. Denn ohnehin, so sagt er, „haben wir auch schon vor dem Lockdown alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen.“ Keine Bergleitpersonen beim Besuch des Tätowierers mehr, Absage des Termins bei Grippesymptomen, Beratung nur online, nicht mehr direkt im Studio: „Unser Berufsstand hat sofort alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen – und ich spreche von Wochen vor den Schließungen“, erzählt Max Hahne. Und die Hygienestandards waren bereits vor der Coronas-Krise in Tattoostudios sehr hoch.

 Die Enttäuschung, dass die Tätowierer von der Landesregierung ignoriert wurden, hat Max Hahne, in der Szene eher als Max Cameo bekannt, in einer Mail an die politisch Verantwortlichen deutlich gemacht. „An junge Leute hat niemand gedacht. Die Ungleichbehandlung ist allen aufgefallen. Nur den regierenden Parteien nicht, die auch ein Augenmerk auf junge Wähler haben sollten. In Deutschland gibt es nämlich auch einen Rechtsdruck, den ich nicht gut finde. Das war taktisch unklug von der Landesregierung“, sagt Max Hahne. Eine Antwort auf seine Mail gab es nicht.

 Ein Lob gibt es von Max Hahne dagegen für die Bezirksregierung Arnsberg: „Sie hat die Soforthilfe für unseren Bereich schnell ausgeschüttet. Ich weiß von anderen Studios, die bis heute nichts bekommen haben“, so der Tätowierer. 

Knapp acht Wochen nach Beginn der „Soforthilfe NRW 2020“ hat die Bezirksregierung Arnsberg eine Zwischenbilanz gezogen. Demnach seien bisher 72526 Anträge in einem Gesamtvolumen von 708.829.000 Euro genehmigt worden.

 Dass Leute, die sich gern tätowieren lassen möchte, jetzt aufgrund von Corona eine Infektion fürchten, glaubt Max Hahne nicht. Coronaviren sind respiratorische Viren. Sie müssen über die Atemwege aufgenommen werden, damit es zu einer Infektion kommt. Es ist keine Infektion bekannt, wo Coronaviren über eine Wunde in den Körper gelangt sind. Aber da auch eine Ansteckung über die Atemwege im Tattoostudio wie allerorts möglich ist, gelten wie überall klare Regeln und Vorsichtsmaßnahmen.

 „Die erste Devise überhaupt ist, dass man sich nur tätowieren lassen sollte, wenn man sich gut fühlt. Also keine Grippesymptome hat. Das gilt aber immer, nicht nur in Corona-Zeiten“, sagt Max Hahne, der vor Wiedereröffnung noch eine Acrylglasscheibe am Tresen seines Studios aufbaut. Ohne Mundschutz dürfen die Kunden den Laden nicht betreten – und auch beim Tätowieren selbst bleibt der Mund-Nasen-Schutz für Kunden und Künstler gleichermaßen selbstverständlich.

 Die größte Herausforderung für den Altenaer Tätowierer ist jetzt die Organisation aller Tattoo-Pläne. „Ich werde alle Leute kontaktieren und mit neuen Terminen versorgen“, verspricht Max Hahne. Bei Großprojekten auf der Haut muss man sowieso immer viel Geduld mitbringen: „Da vergebe ich nur einmal im Monat Termine, sonst ist das für das Immunsystem und die Haut zu viel.“ Die Beratung – immer nur eine Person – ist jetzt wieder auch vor Ort möglich. „Händchenhalten“ beim Freund oder Freundin, die gestochen werden, allerdings nicht mehr. 

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