Der Wald leidet massiv unter dem Coronavirus  - aus zwei Gründen

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Borkenkäfer-Holz per Container nach Asien: Das funktioniert nun nicht mehr.

Altena – Den Wald trifft das Coronavirus gleich doppelt hart. Es geht unter anderem um Container.

Auch der Wald leidet unter dem Coronavirus – und das gleich doppelt. Es wird schwieriger, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen. Bei deren Vermarktung ist ein bewährter Vertriebsweg praktisch weggefallen. Das bestätigt Michael Blaschke, Pressesprecher des Landesbetriebes Wald und Holz NRW. 

Die deutsche Holzindustrie kann die Riesenmengen Fichtenholz, die seit 2018 in den Wäldern geschlagen werden mussten, schon lange nicht mehr verarbeiten. Deswegen wurden die Stämme auf exakt zwölf Meter Länge gesägt, in Container verpackt und nach Asien – insbesondere nach China – geschickt. 

Container fallen weg

Die deutsche Holzwirtschaft profitierte dabei von einem Ungleichgewicht bei den Warenströmen: Bisher ging viel mehr Ware von China nach Europa als umgekehrt. In Häfen wie Hamburg stapelten sich deshalb die Container. Statt sie leer zurückzuschippern, wurden viele mit Holz gefüllt, für das es in China Abnehmer gibt. „Verdient haben die Waldbesitzer damit nichts“, erklärt Blaschke. 

Der Erlös des Holzes habe damals gerade mal die Fällkosten gedeckt. Jetzt sieht das alles anders aus: In den deutschen Häfen kommen deutlich weniger Schiffe aus China an als früher, dementsprechend sinkt die Zahl der Container. 

Die, die zurückgehen, werden für wertvollere Güter benötigt. Blaschke schildert, was für Folgen das hat: „Die Frachtraten steigen, die Verschiffung von Holz nach Asien ist damit nicht mehr rentabel. Da schließt sich gerade ein Ventil, das für uns sehr wichtig war.“ 

Arbeitskräfte kurzfristig abgereist

Das zweite große Problem sind die Waldarbeiter. Im Forst arbeiten viele Osteuropäer. Viele von ihnen seien angesichts der Grenzschließungen von Knall auf Fall in ihre Heimatländer zurückgekehrt. „Diese Arbeitskräfte fehlen uns jetzt“, sagt der Sprecher von Wald und Holz, der in Sachen Borkenkäfer keinerlei Entwarnung geben kann. 

Ab 16,5 Grad fliege der Schädling wieder, weiterer Befall drohe: „Wir gehen von Schäden mindestens in der Größenordnung des vergangenen Jahres aus.“ Wenn die befallenen Bäume dann weder gefällt noch verkauft werden könnten, entstehe eine sehr dramatische Situation. Blaschke: „Corona verschärft die ohnehin schon großen Probleme im Wald gleich an zwei Fronten.

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