Wagner weist Kritik am Umgang mit Gräbern zurück

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Ein verwitterter Gedenkstein erinnert auf dem alten Friedhof Mühlendorf an 41 ermorderte Russen.

ALTENA ▪ Uwe Moldenhauer ist nach eigenen Aussagen ein „ständiger Besucher des alten Friedhofes am Mühlendorf.“ Über die vernachlässigten Russen-Gräber kann er sich nur aufregen.

Und häufig geht der Altenaer dann auch zur Ruhestätte ehemaliger Zwangsarbeiter und Deportierter aus dem zweiten Weltkrieg, die hier in den Jahren 1941 bis 1945 ihre letzte Ruhe fanden. Jetzt schrieb er der Friedhofsverwaltung einen Brief, in dem er den seiner Meinung nach unwürdigen Zustand dieser Gedenkstätte anmahnt. Für Moldenhauer ist dieser Teil des Friedhofes „verwahrlost“. Er fordert deshalb, „(...) es wäre jetzt endlich an der Zeit, diese Opfer in adäquater Form zu würdigen. Die Toten mahnen uns: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.“

„Niemand wird von der Stadt Altena vergessen.“

Friedhelm Wolff vom Friedhofsamt der evangelischen Gemeinde ist die Kritik bekannt. Und er gibt unumwunden zu: „Die Grabstelle ist nicht so, wie es sein sollte.“ Doch sagt er auch klipp und klar, dass für diese im Volksmund Russengräber genannten Bestattungsflächen nicht die evangelische Gemeinde zuständig ist, „sondern die Stadt.“ Wolff erinnert im Gespräch an einen Termin von Stadt, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und evangelischer Kirche vom Frühjahr diesen Jahres. Da hätten Vertreter der Kommune zugesagt, es würde sich etwas tun. Jürgen Wagner, Denkmalbeauftragter der Stadt, stellt fest: „Niemand wird von der Stadt Altena vergessen. Auch nicht die Toten aus Osteuropa, die auf dem Mühlendorf-Friedhof liegen.“ Der Verwaltungsmann bestätigt das Gespräch mit dem Volksbund und sagt, es habe beim Besuch keine Beanstandungen gegeben, außer, dass ein naher Papierkorb umgesetzt werden sollte. Das sei geschehen. Die Stadt habe die Grabplatten im Nachgang neu durch eigene Kräfte mit Wurzelbürsten reinigen lassen, damit man die Namen der dort Beigesetzten besser lesen könnte. Jetzt seien sie aber wieder kaum zu entziffern.

Grabstätten Kriegsgefangener oder Deportierter

„Da war aber nie Farbe in die kyrillischen Schriftzeichen eingebracht und das kann auch als Kostengründen nicht geschehen“, dämpfte er Hoffnungen für die Zukunft. Wagner sagte weiter, die Stadt befinde sich bekanntlich in einer schwierigen finanziellen Situation. Trotzdem habe sie erst kürzlich das Ehrenmal in Dahle großzügig saniert. Von einer unwürdigen Behandlung der Grabstätten Kriegsgefangener oder Deportierter, die hier zu Tode gekommen seien, könne man deshalb auf keinen Fall sprechen.

Mit einer Wurzelbürste frei gekratzt

Uwe Moldenhauer hat sich vorgenommen, die Grabstätte weiter zu besuchen. Er kann sich vorstellen, dass wenigstens die kyrillischen Namen wieder lesbar gemacht, vielleicht erneut mit einer Wurzelbürste frei gekratzt werden. Zumindest da ist er sich einig mit Jürgen Wagner, der diesen Vorschlag noch einmal prüft. An eine Umgestaltung der Anlage, die insgesamt 41 Platten im Format 60 mal 40 Zentimeter mit den Namen der zu Tode gekommenen enthält, ist aber wohl nicht zu denken. ▪ Johannes Bonnekoh

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