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„Wäre kein Schaden“: Heimleiter beziehen Stellung zur Impfpflicht

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Von: Hildegard Goor-Schotten

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Aus Verantwortung für ihr Umfeld hatte sich Petra Winkler, Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses sofort für eine Corona-Impfung entschieden. Ihr ist aber wichtig, dass man auch die Sorgen der Menschen ernst nimmt.
Aus Verantwortung für ihr Umfeld hatte sich Petra Winkler, Leiterin des Ellen-Scheuner-Hauses sofort für eine Corona-Impfung entschieden. Ihr ist aber wichtig, dass man auch die Sorgen der Menschen ernst nimmt. © Privatfoto: Winkler

Impfpflicht für Pflegekräfte und Krankenhauspersonal zum 15. März? Das hat für viele Diskussionen, großen Unmut und Ärger gesorgt. Und steht letzten Meldungen zufolge anscheinend schon wieder auf der Kippe. Das macht es nicht unbedingt besser.

Altena – „Alle Mitarbeiter sind mittlerweile genervt, weil es keine klare Struktur seitens der Politik gibt“, sagt Marc Asbeck, Fachbereichsleiter bei der Diakonie Mark-Ruhr, die auch in Altena mit einer Diakoniestation vertreten ist: „Es sollte eine Impfpflicht für alle geben, damit endlich wieder ein Stück Normalität einkehren könnte.“

Die vielen Einschränkungen über fast zwei Jahre seien mittlerweile spürbar. Die Mitarbeiter seien nicht mehr so ausgeglichen – da fehlt oft der Urlaub, die Gereiztheit auf allen Seiten nehme zu.

„Für die meisten war die Impfung gar kein Thema, weil man hofft, nicht schwer zu erkranken, man sich und andere besser schützen kann und man endlich wieder Normalität haben möchte“, so Asbeck in einer schriftlichen Stellungnahme. In Altena sind zurzeit zehn Kräfte beschäftigt – alle geimpft. Die Impfquote am Lüdenscheider Standort beträgt 95 Prozent. Von dort fahren vier Mitarbeiter auch in Altena Touren.

Kein Thema ist die Impfpflicht auch beim ambulanten Pflegedienst mit dem Namen Zu Hause. „Alle Mitarbeiterinnen sind geimpft“, berichtet Chefin Stephanie Kaleta. Ihre Einstellung zur Impfpflicht ist gespalten. Einerseits sei sie gut, andererseits verschärfe sie den Personalmangel. Sie hat schon von anderen Pflegediensten mitbekommen, dass nicht-geimpfte Beschäftigte dort sagen, dass sie aufhören wollen. „Es ist schwierig, weil es ja ohnehin wenig Bewerbungen gibt“, sagt die Geschäftsführerin.

Für die Patienten und ihre Angehörigen spielt das Thema keine so große Rolle. In der Diakoniestation gibt es sehr wenige Nachfragen, was Kaleta für ihren Pflegedienst bestätigt: „Vielleicht sechs von 300 haben grob geschätzt danach gefragt und möchten nur von Geimpften betreut werden.“ Vielen reiche es aus, dass regelmäßig getestet wird: drei mal in der Woche für alle im Team; falls jemand noch nicht geboostert ist, täglich.

Eine Impfpflicht wäre auch im Ellen-Scheuner-Haus kein großes Problem – darüber ist Einrichtungsleiterin Petra Winkler sehr froh: „Wir kennen den Impfstatus von allen. Und wir sind im Gespräch mit denen, die noch betroffen sind.“ Eine offene Tür habe es für alle, die gezögert haben, immer gegeben. Aktuell sind es noch zwei, die ungeimpft sind. „Es sind ja Mitarbeiter, Menschen, die wir sehr schätzen. Manchen ging es einfach zu schnell mit dem Impfstoff. Sie haben Sorgen und Bedenken.“

Winkler möchte das nicht einfach wegwischen, auch wenn sie selbst, wie viele aus dem Team, sich aus Verantwortung für ihr Umfeld sofort für eine Impfung entschieden hat. „Eine allgemeine Impfpflicht wäre kein Schaden“, meint sie. Daran, was passiert, wenn sie für Pflegekräfte jetzt tatsächlich kommt, mag sie noch nicht denken. Nach dem Stand der Dinge müssten die Ungeimpften ans Gesundheitsamt gemeldet werden, das dann ein Betretungsverbot für das Heim verhängen könnte.

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