Traditionsunternehmen Wilhelm vom Hofe feiert 150. Geburtstag

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Geschäftsführer Torsten Schneider vor „Köpfen“ - sie stehen jeweils für einen unterschiedlichen Firmen-Standort.

Altena - „Draht hat bei uns eine lange Geschichte“, sagt Torsten Schneider an seinem Schreibtisch an der Nettestraße 93. Seit einem Jahr ist der Neuenrader Geschäftsführer der Gesamt-Unternehmensgruppe Wilhelm vom Hofe. „Hier“, fügt er an und weist mit der Hand aus dem Fenster, „hier, in der Nette, nahm alles vor genau 150 Jahren seinen Anfang.“

Wann genau die Geburtsstunde der Firma schlug, die heute knapp 60 Mitarbeiter vor Ort in Altena beschäftigt, ist nicht mehr auf den Tag zu bezeichnen. „Es war im Frühjahr des Jahres 1868“, da ist sich der Diplom-WirtschaftsIngenieur sicher. Er hat historische Firmenunterlagen gesichtet, soweit vorhanden Chroniken und Aufzeichnungen gewälzt und manches vergilbte Stück Papier oder Foto in die Hand genommen.

Erfolgreiche Geschäftsabschlüsse wurden anno 1946 auch schon mal mit Geschäftsfreunden begossen. Bildmitte: Erwin Reinecke.

Fakt ist und bleibt: Jener Wilhelm vom Hofe, der der heutigen Firmengruppe weiter ihren Namen gibt, gründete sie einst als Sprungfedernfabrik und stieg 1892 nach einem Brand in den Drahtzug ein. 1927 ging das Unternehmen an die Kaufleute Dietrich und Erwin Reinecke (Vater und Sohn) über. Weil beide keine Nachkommen hatten, wurde auf den Wunsch der Familie hin die gesamte Firmengruppe im Jahre 1997 in eine gemeinnützige Stiftung überführt. „Draht ist unser Kerngeschäft“, sagt heute Torsten Schneider und ergänzt: „Was wäre ein Leben ohne Draht? Aus Draht entstehen Nägel, Schrauben, Niete, Bolzen, Muttern und viele Teile, die in einem Auto Verwendung finden. Er formt zum Beispiel Scheren, Fahrradspeichen und Bürsten; Aus Draht schlagen wir Seile, die Seilbahnen transportieren, in einem Kran Lasten heben oder Teile einer Brücke stabilisieren.“ Die Liste – und da bricht der Geschäftsführer ab – ließe sich unendlich weiterführen. „Uns ist es wichtig, möglichst diversifiziert aufgestellt zu sein. Die Automobilindustrie ist gut und schön, aber auch der Möbel- oder Fensterbau sind unsere Zielgruppen, um hier nur einige Beispiele zu nennen.“ „Draht ist und bleibt ein sehr vielseitiges und interessantes Produkt, wir entwickeln es und uns selbst ganz eng mit unseren Kunden weiter. Die Kunden stehen im absoluten Fokus unseres täglichen Handelns“, fügt Schneider weiter an. Und weil das so ist und das Unternehmen Vom Hofe weiß, was es an Altena hat, mündet das im 150. Jubiläumsjahr der Firma in zukunftsträchtige Investitionen vor Ort.

Draht ist im Alltag fest verankert: Blick in einen Musterschrank mit Schrauben und Produkten von 4 bis 38 Millimeter Durchmesser.

 So plant die Gruppe, der heute in Summe sieben Firmen an sechs Standorten in Deutschland mit knapp 180 Mitarbeitern im Verbund angehören, kräftig in das Unternehmen Kalt- stauchdraht GmbH in Altena zu investieren. Einen mittleren einstelligen Millionenbetrag will der traditionsreiche Drahtproduzent, dessen Werk in Altena Jahr für Jahr rund circa 14 000 Tonnen Kaltstauchdraht verlassen, über einen Zeitraum von mehreren Jahren investieren. „Wer die Nette kennt, der weiß, hier haben wir wenig Platz. Das soll sich ändern, denn Wachstum braucht Platz“, sagt Schneider. Und deshalb kaufte die Firma ein Grundstück am Kaltstauchdraht-Werk an der Westiger Straße. Auf diesen zusätzlichen knapp 2 000 Quadratmetern, die aktuell noch mit Garagen und Häusern bebaut sind, soll eine neue Halle inklusive Walzdrahtlagerplatz entstehen. „Moderat und Schritt für Schritt. Wir sind bodenständig.“ Auch in neue Beizkapazität sowie in die Wärmebehandlung will man investieren. Die Personalentwicklung darf man dabei nicht außer Acht lassen. Schneider: „Wir bilden regelmäßig aus – auch für den Eigenbedarf, denn das macht viel Sinn.“ Die Altenaer Mitarbeiter – die anderen Standorte regeln das für sich autonom – sollen am Ende des Jahres eine kleine, aber besondere Feier erleben dürfen, denn, so Schneider: „Die Mitarbeiter sind unser höchstes Gut. Sie machen unseren Erfolg aus.“

Blick in die alte Halle in Altena, in der Kaltstauchdraht produziert wurde. Das Firmenarchiv ist voll von historischen Aufnahmen, auch wenn nicht alle zugeordnet werden können.

Kunden und Geschäftspartner möchte der Geschäftsführer auf der kommenden Fachmesse wire in Düsseldorf überraschen. „Da gibt es ein spezielles Event.“ Altena - und das unterstreicht der Geschäftsführer noch einmal, „ist und bleibt unser Hauptstandort.“ Auch wenn es einen hohen Wettbewerbsdruck in der Branche gebe, „mit unserem Team stellen wir uns diesem Druck. Ich sage noch einmal: Draht ist unser Kerngeschäft, daran arbeiten wir alle täglich hart und mit Herzblut.“

Stichwort: Gruppe

Vielfalt statt Einfalt: Alle Tochterunternehmen der Vom Hofe Group gehören zu 100 Prozent der Wilhelm vom Hofe Drahtwerke GmbH, das sind im Einzelnen: Vom Hofe Kaltstauchdraht GmbH, Altena; Fröndenberger Drahtwerk GmbH, Fröndenberg; Drahtseilwerk GmbH, Bremerhaven; Engelmann Drahtseilfabrik GmbH, Hannover; RSM Heitfeld GmbH, Troisdorf; Wadra GmbH, Dortmund. Torsten Schneider: „So bündeln wir an insgesamt sechs Standorten Kompetenzen und Know-how für anspruchsvolle Anwendungen und individuelle Lösungen.“

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