Vorwurf der Untreue gegen 73-jährigen Altenaer in 23 Fällen

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Ein Rentner aus Altena soll mehrere tausend Euro auf sein eigenes Konto umgeleitet haben. (Symbolbild)

Altena - Untreue in 23 Fällen wirft die Staatsanwaltschaft einem 73-jährigen Altenaer vor: Der Mann soll als Verwalter einer Wohnanlage in Evingsen große Summen aus dem gemeinsamen Investitionsrücklagenkonto der Wohnungseigentümer für eigene Zwecke entnommen haben.

Laut Anklage leitete er in den Jahren 2012 und 2013 zweimal 10.000 und einmal 12.000 Euro auf sein eigenes Konto um. 

In den Jahren 2014/15 soll sich die Vorgehensweise insofern geändert haben, als der Angeklagte private Rechnungen über das ihm anvertraute Konto beglich. Insgesamt soll den Wohnungseigentümern dadurch ein Schaden von mehr als 40.000 Euro entstanden sein. Ganz so übersichtlich wie die Anklage gestaltete sich der Prozessauftakt im Amtsgericht Altena allerdings nicht. 

Der 73-Jährige gab grundsätzlich zu, dass er Beträge, die ihm als Verwalter anvertraut waren, für sich selber abgezweigt hatte. Nach dem Übergang aus einer gut bezahlten Arbeitsstelle in das Rentnerdasein habe er seinen gewohnten Lebensstandard nicht mehr finanzieren können, erklärte sein Anwalt. Relativ unstrittig waren in diesem Sinne die ersten 22.000 Euro, die umgeleitet worden waren. 

Unübersichtlicher Hergang

Bei den anderen Beträgen ergaben sich Zweifel unterschiedlicher Art: So war dem Verwalter eine Erhöhung der Vergütung seiner Verwaltungstätigkeit in Aussicht gestellt worden, die allerdings aus unbekannten Gründen nie umgesetzt wurde. Auch bei den bezahlten Rechnungen gab es Anlass zu Klärungen: Waren die aus der Umlagekasse bezahlten hohen Kosten für Informationstechnik vor allem durch die Verwaltertätigkeit des Angeklagten bedingt oder durch weitere ehrenamtliche Beschäftigungen? 

Und war jede aus der Umlage bezahlte Rechnung wirklich seine Privatsache? Dazu kamen Querüberweisungen zwischen Konten der Wohnungseigentümergemeinschaft, unter denen sich auch ein Anlagekonto in den Niederlanden befand. Das machte die Geschichte noch unübersichtlicher. Der 73-Jährige versicherte, dass keine Buchung ohne Beleg erfolgt sei, was an dem Verdacht der Untreue nagte. 

"Das kann man doch nicht machen"

Offenbar mangelte es seitens der Eigentümergemeinschaft an wirksamen Kontrollen. Richter Dirk Reckschmidt vermutete eine Mischung aus Untreuehandlungen und „schlecht gebuchten“ Beträgen – „Dinge, die sich mit dem Wissen der Eigentümergemeinschaft eingeschliffen haben“. Anlass für eine intensive Ansprache an den Angeklagten sah er gleichwohl: „Das kann man doch nicht machen.“ Der Angeklagte blieb die Antwort nicht schuldig: „Ich habe das gekonnt, und es wurde nicht bemängelt“, sagte er. 

Sein Anwalt sah daraufhin Anlass, an die Schuldhaftigkeit des Verhaltens zu erinnern: „Es war einfach, aber das macht die Sache nicht besser.“ Das Schöffengericht sah angesichts des einigermaßen komplizierten Geflechts von Überweisungen und Rechnungen noch weiteren Aufklärungsbedarf und setzte die Hauptverhandlung vorläufig aus.

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