Vortrag über die Geschichte der Kleinbahn zwischen Ihmert und Altena

Bilder aus Zeiten der Elektromobilität

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Die Kleinbahn im Jahr 1958. Sie hat eben den Gasthof "Holländer" passiert.

Altena - Gut 80 Jahre vergingen zwischen den ersten Planungen und der Stilllegung der Kleinbahnstrecken zwischen Hemer und Altena. Was zwischen dem ersten Angebot einer Baufirma 1883 und der letzten Fahrt einer Straßenbahn am 15. Dezember 1964 geschah, erzählte Friedrich-Wilhelm Klinke in der bestens gefüllten Burg Holtzbrinck.

„Altena und die Iserlohner Kreisbahn“ lautete der Titel seines sehr detaillierten Geschichtsvortrags, der mit zahlreichen historischen Fotos mitten hinein führte in die große Geschichte des Altenaer Schienenverkehrs. Er hatte sich in kleinen Etappen fortentwickelt. Die Anfänge waren holprig: Als 1885 der erste Bauentwurf konzessionsreif war, wurde noch lange nicht gebaut. Schienen wurden in den 1880er Jahren dennoch verlegt: zwischen Werdohl und Augustenthal sowie zwischen Altena und Lüdenscheid. Es entstand die Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE). Zwischen Ihmert und Altena waren die Herausforderungen des Terrains mit starken Höhenunterschieden enorm: Manche Abschnitte waren die „steilste Strecke westfälischer Kleinbahnen“, erklärte Friedrich-Wilhelm Klinke. „Bauen war in Altena schon immer etwas teurer.“

Trotz der technischen Herausforderungen betätigte sich die Drahtindustrie, die am reibungslosen Abtransport ihrer Produkte interessiert war, als treibende Kraft für die Schmalspurbahn zwischen Hemer und Altena. 1897 scheiterte der nächste Anlauf: Die königliche Staatsbahn verweigerte den Anschluss einer aus der Nette kommenden Kleinbahn an die Ruhr-Sieg-Strecke. Weiter ging es mit dem Plan für eine gleislose Bahn mit Oberleitung. Friedrich-Wilhelm Klinke zählte mit und kam schließlich auf fünf nicht realisierte Planungen.

1910 wurde die Westfälische Kleinbahn AG gegründet, und es war Kriegsbeute, die das Projekt voran brachte: Ab 1916 wurden in Belgien beschlagnahmte Eisenbahnschienen verbaut, für die man nach dem verlorenen 1. Weltkrieg 1921 Ersatz leisten musste. Dennoch begannen nun die fetten Jahre des Gütertransports mit jährlichen Wachstumsraten von 15 Prozent. Garanten für die Bewältigung der Berge waren Loks, die sich gut einlebten und ihre Kraft zum Nutzen der heimischen Bevölkerung und Industrie einsetzten. Die geballte Kraft der „dicken Berta“ stand Pate bei ihrer Taufe. Eine Herausforderung waren nicht nur die Berge , sondern auch die engen Tallagen mit schmalen Straßen, in denen der zunehmende Autoverkehr mit Straßenbahnen und Güterzügen konkurrierte.

Viele Fotos zeigten, wie abenteuerlich der Begegnungsverkehr damals war. Vor Ort blieben nur wenige Zeugnisse aus der damaligen Zeit: „Man kann an Häusern in der Nette noch die Haken sehen, an denen die Oberleitungen befestigt waren.“ Friedrich-Wilhelm Klinke berichtete von einem Projekt des Heimatvereins Evingsen, der sich um die Restaurierung eines Oberleitungsmasten bemüht.

Er soll am ursprünglichen Standort wieder aufgestellt werden. Straßenbahnen und leistungsstarke Elektroloks, die mit ihrer Fracht durch die Nette fuhren: An vielen Punkten konnte man sich fragen, ob die Vergangenheit in einigen Hinsichten nicht moderner war als die Gegenwart. Dass die Kleinbahn-Ära unvergessen sei, dokumentiere das große Interesse an dem Vortrag, hieß es am Ende.

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