Gastronomische Riesenauswahl im 19. Jahrhundert

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Gaststätten hatten in früherer Zeit eine viel größere Bedeutung im täglichen Leben. Hier ein Stammtisch, der 1938 im Gasthof „Zur Uhle“ zusammengetroffen war.

Altena - „Einem Gläschen die Ehre erweisen“ wollen Ulrich Biroth und der Kulturring auf ihre Weise. Der Kreisarchivar wird sich der Geschichte der Altenaer Hotels und Gaststätten bei einem Vortrag am Donnerstag, 16. Februar, in der Burg Holtzbrinck widmen.

Was Biroth an Informationen über die Gastronomie vergangener Zeiten zusammengetragen hat, wird viele überraschen. Es geht dabei nicht nur um die schiere Fülle an Einkehrmöglichkeiten, auch um ihre Rolle im damaligen gesellschaftlichen Leben. „Es gab kein Radio und kein Fernsehen“, umreißt Biroth die Situation. Wer Unterhaltung oder Geselligkeit suchte, lenkte seine Wege in Richtung eines Gasthauses.

Doch bei Trinken und Essen endete die Rolle der Kneipen nicht. Hier war auch Anlaufstelle für die ersten Fotografen und sogar reisende Zahnärzte. Und man bot Sensationen: „Mademoiselle Baba“ etwa war eine Elefantenkuh, die man um 1840 bei Gaststättenbesuchen in der Burgstadt bestaunen konnte.

Zu besten Zeiten, im 19. Jahrhundert, wurden allein in der Altenaer Kernstadt mehr als 50 Gaststätten, Restaurants, Hotels und Cafés gezählt. Ein Beispiel: Am Eingang zur Rahmede, etwa ab dem ehemaligen KAE-Tunnel, gab es auf einer Strecke von 100 Metern sechs gastronomische Betriebe.

Kreisarchivar Ulrich Biroth hat sich in die Materie vertieft.

Und die Altenaer verstanden es, sich selbst zu versorgen, oder sich lokal versorgen zu lassen. Aus einer Steuerliste über Braumalz von 1824 geht hervor, dass es zu jener Zeit 15 Brauereien in der Burgstadt gab. Solche, die ihre Erzeugnisse verkauften, wohlgemerkt. Wer für den Eigenbedarf braute, war da nicht erfasst. „Und es gab sehr viele kleine, private Braukessel“, weiß der Archivar.

Durch eine Recherche im Brauereimuseum Dortmund hat Ulrich Biroth anhand der in der Liste genannten Mengen an Malz ermittelt, dass wohl um die 200 000 Liter Gerstensaft jährlich gebraut wurden. Rund ein Drittel der hergestellten Menge entfiel auf einen gewissen Friedrich Wilhelm Künne, über den derzeit aber laut Biroth noch nicht allzu viel bekannt ist. Die letzte dieser Brauereien, Magney, beendete ihre Tätigkeit zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Der Vortrag wird eine Dauer von gut 90 Minuten haben und um 19 Uhr beginnen. Der Eintritt ist frei; eine Spende für die Arbeit des Kulturrings wird aber sicherlich gerne gesehen.

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