Autonomes Fahren: Wenn das Auto mitdenkt

+
Nur teilweise hörten die Mitglieder und Gäste des Motorsportclubs am Donnerstagabend Zukunftsmusik. Viele Systeme, die Teilnahme am Verkehr automatisieren sind bereits im Einsatz.

Altena - Fahrer moderner Lastkraftwagen kennen das schon: Auf der Autobahn schert noch rasch ein Pkw an der Auffahrt ein, der Abstandsmesser reagiert und das schwere Gefährt steigt voll in die Eisen.

,,Der Lkw selbst weiß ja nicht, dass der kleine Pkw diesen geringen Abstand auch ganz flott wieder ausgleichen kann”, sagt Heinz-Dieter Hochmanski. Ein Problem, das im Zuge zunehmender Fahrzeugautomatisierung auch immer mehr Nichtberufsfahrer treffen kann.

Der pensionierte Polizist, bis 2002 auch gelegentlich in Altena tätig, beschäftigt sich heute als freier Referent im ADAC intensiv mit Fahrzeugautomatisierung und war am Donnerstag auf Einladung von Heinz Wagener, Verkehrsreferent beim Motorsportclub (MSC) Altena ins Clubheim am Hünengraben gekommen.

Technik hat ihre Tücken

Generell lässt sich das geschilderte Problem mit dem Abstandsmesser vermeiden: Mit einem System, das auch die Autobahnauffahrten und die umliegenden Fahrzeugtypen erfasst. ,,So etwas gibt es bereits, aber die Technik hat ihre Tücken: Ein folgendes Fahrzeug mit defektem Abblendlicht wird von manchen Sensoren als Motorrad wahrgenommen. Beim Überholen dieses Fahrzeugs verhält sich der Autopilot auch entsprechend und hält weniger Seitenabstand ein.”

Heinz-Dieter Hochmanski ist als freier Referent für die ADAC tätig.

Verteufeln will Heinz-Dieter Hochmanski die Fahrzeugautomatisierung ganz bestimmt nicht. Einparkhilfen und Rückfahrkamera haben schon manchen Parkplatzrempler verhindert. ,,Man kann sein Auto ja auch heute verlassen und es per Smartphone in die engste Parklücke hineinsteuern. Aber wenn der Nebenmann so eine Technik nicht besitzt, kommt der nicht mehr in sein Auto rein…”

Im fließenden Verkehr liege die Hauptproblematik der Technisierung an der Schnittstelle Mensch/Maschine. Meint der Fahrer in eine Situation zu geraten, in der er von Autopilot auf manuellen Fahrzeugbetrieb umsteigen muss, findet er oft nicht schnell genug die richtigen Knöpfe und es kommt zum Unfall. ,,Wer ein hochtechnisiertes Auto kauft, müsste eigentlich vom Hersteller noch ein paar Fahrstunden oben drauf bekommen, um sich mit den Systemen vertraut zu machen.”

Teuer und wartungsintensiv

Die sind natürlich nicht nur teuer, sondern auch wartungsintensiv, insbesondere im Schadensfall: ,,Hersteller werden sich bei Unfällen darauf berufen, dass der Fahrzeughalter sein System entweder nicht gepflegt oder falsch bedient hat. Eine Versicherung wird sich dort kein Geld zurückholen können, wenn die Technik versagt hat.”

Dies zu beweisen sei ein zusätzliches Problem, denn das Auslesen einer Blackbox ist bislang Herstellern vorbehalten.

Finanziell günstiger ist in jedem Fall, so viel Eigenverantwortung wie möglich zu behalten. Wer selbst lenkt, schaltet, schaut, hört und reagiert, spart Anschaffungskosten und behält Fähigkeiten, die Fahrer automatisierter Pkw oft verlieren. ,,Man darf nicht der trügerischen Sicherheit erliegen, dass das Auto alles von selbst regelt”, betonte Heinz-Dieter Hochmanski. ,,Aber es gibt natürlich auch viele angenehme Seiten an den Innovationen, zum Beispiel den Stau-Chauffeur: Da kümmert sich das Auto um das Anfahren und Anhalten bei Stop and Go im Niedriggeschwindigkeitsbereich. Sehr komfortabel!” lobte der Referent begeistert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare