Vortrag über traditionsreiche Gaststätten

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Kreisarchivar Ulrich Biroth bebilderte seinen Vortrag am Donnerstag in der Burg Holtzbrinck umfangreich.

Altena - „Einem Gläschen die Ehre erweisen“ – das war der Titel eines Vortrags von Kreisarchivar Ulrich Biroth am Donnerstag in der Burg Holtzbrinck. Den zahlreichen Zuschauern wurde dabei schnell deutlich, dass die Gasthäuser in früherer Zeit eine noch viel größere Rolle spielten als heute.

„Das gesamte gesellschaftliche Leben spielte sich damals in der Gaststätte ab“, erklärte Biroth: Händler boten ihre Waren oder Dienstleistungen an, es fanden sogar Zwangsversteigerungen statt. Und natürlich spielte auch die Geselligkeit bei einem – durchaus alkoholischen – Getränk eine gewichtige Rolle.

Zum Vortrag am Donnerstagabend gehörten nicht nur nüchterne Worte: Auf der Leinwand zeigte der Archivar etwa alte Postkarten. „Diese waren damals eine der wenigen Möglichkeiten, Werbung zu machen“, erläuterte Biroth. Dass es die Künstler dabei mit der Wahrheit nicht immer ganz genau genommen haben, zeigte eine Karte, auf der ein reger Schiffsverkehr die Fuelbecke-Talsperre bevölkerte – ein historisch eher fragwürdiger Sachverhalt.

Ansichtskarten wecken Erinnerungen

Abgesehen davon bildeten die Ansichtskarten auch die Landschaften und Sehenswürdigkeiten der Burgstadt ab. Bei den vielen Altenaern, die dem gut besuchten Vortrag in der Burg Holtzbrinck folgten, wurden dann auch immer wieder Erinnerungen wach.

Bei vielen der zahlreichen Zuschauer weckte der Vortrag lebhafte Erinnerungen.

Auch auf das Bierbrauen ging Biroth ein: Bereits für das Jahr 1559 gibt es erste Hinweise dafür, dass in Altena Bier gebraut wurde, bereits 1740 gingen 24 Menschen in der Stadt dieser Tätigkeit nach. Rund 80 Jahre später war die Zahl der Brauereien zwar auf 15 gesunken, bei 3700 Einwohnern wurden in der Stadt aber immerhin 150.000 Liter Bier im Jahr gebraut.

Einen großen Raum in dem Vortrag nahmen dann die einzelnen Gasthäuser ein. Beginnend am Knerling und der Brachtenbeck, führte der kurzweilige Rundgang durch die damalige Kneipenszene bis in die Nette.

Einige Gasthäuser haben bis heute überlebt

Während die meisten dieser Gastronomiebetriebe mittlerweile Geschichte sind, haben einige bis heute überlebt – und können auf eine entsprechend lange Tradition zurückblicken.

Dazu gehört vor allem das Haus Pilling an der Nettestraße, das seit 1724 seine Gäste empfängt. Bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1982 führte Anneliese Pilling in siebter Generation die Gaststätte – und wehrte sich vehement gegen Neuerungen wie Musikboxen oder Spielautomaten.

Auch der Lennestein, der Lennekeller oder der „Holländer“, in dem heute das Servicekino Apollo residiert, dürften vielen noch ein Begriff sein.

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