Ein Blick in das Kniegelenk

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Ingeborg Becker hat sich ein Kniegelenk zur genaueren Ansicht geschnappt. ▪

ALTENA ▪ Erst konnte Patientin G. keine Treppen mehr steigen, dann kaum mehr geradeaus gehen. Urlaub war keine Erholung, sondern eine Qual. Wie viele hatte sie lange eine Operation hinausgezögert. Jetzt hat sie alles überstanden und ist froh um ihre neue Beweglichkeit. Ihre Erfahrungen schilderte sie am Dienstag beim Vortrag der Vinzenz-Chirurgen zum Thema ,,Das schmerzhafte Knie” in der Burg Holtzbrinck.

Dr. Peter Gruber und sein Kollege Dr. Mustfa Karoud entdeckten im 80-köpfigen Publikum einige Kniepatienten. Die einen hatten bereits einen Eingriff hinter sich, die anderen haderten noch mit einer Entscheidung. Thematisch hatten die Förderer des St. Vinzenz Krankenhauses mit ihrer Einladung ins Schwarze getroffen.

Mit den frischen Eindrücken der soeben behandelten Patientin, einem Kniespiegelungsvideo aus dem Altenaer Operationssaal und der Vorstellung von ,,Ersatzteilen” durch die Firma Mathys waren die Gäste fast hautnah in die Behandlungsmöglichkeiten am Vinzenz involviert.

Der erste Schritt, so erklärten es die Chirurgen im Vortrag und in der Frage- und Antwortrunde, müsse nicht immer ein neues Kniegelenk sein. Patienten, die eine Operation kategorisch ablehnen, wird am Altenaer Krankenhaus auch die Behandlung mit Hyaluronsäure angeboten. Die Substanz, die direkt ins Knie gespritzt wird, wird allerdings von Krankenkassen nicht übernommen. Selbstzahlern stellen die Ärzte ein Rezept aus und empfangen sie dann zur Medikamentengabe im Krankenhaus. ,,Eine freiwillige Leistung des Hauses”, erklärte Dr. Peter Gruber. Denn auch den Ärzten zahle die Kasse nichts für die Behandlung. Ob sie wirke, könne zudem nicht garantiert werden.

Eine Endoprothese sei ohnehin nicht das letzte Mittel, um Schmerzfreiheit zu erlangen. Dr. Mustfa Karoud kann erstmal ,,aufräumen” im Knie. Die Kniespiegelung ist minimalinvasiv und hinterlässt nur zwei kleine Punkte am Knie. Mit feinen Instrumenten rückt der Chirurg Ablagerungen zu Leibe, die den Fluss des Kniegelenks blockieren und beim Gehen Schmerzen auslösen. Zudem wird viel Ringerlösung während des Eingriffs durch das Knie gespült. Dabei können Bänder und Meniskus erhalten bleiben. Ein Ziel, das die Ärzte auch beim Einsatz einer Knieprothese verfolgen, wie Dr. Peter Gruber erläuterte.

Diese Operation allerdings ist natürlich aufwändiger. Im OP stellen die Ärzte eine gerade Achse her, auf die das Unterschenkelplateau aufgesetzt wird. Für Ober- und Unterschenkel wird ein Oberflächenersatz des natürlichen Knochens eingesetzt. In der Mitte wird Hartplastik verwendet. Jede Prothese werde individuell auf die Druckbelastung angepasst. Das vordere Kreuzband wird geopfert, die Kniescheibe bleibt erhalten.

Auch Patienten mit Nickelallergie könnten ein oberflächenbehandeltes Ersatzteil erhalten. Nach jeder OP starte eine umfangreiche Mobilisierung. Einzuplanen sei ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt mit anschließender Reha.

Patientin G., die ihre Erfahrungen live vor Publikum schilderte, kam mit konsequenter Kühlung der Wunde sogar ohne Schmerzmittel aus. Sie kann ihr Knie bereits nach wenigen Wochen wieder zu 100 Prozent belasten. ▪ Ina Hornemann

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