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Italienische Sehnsucht im Lennetal

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Von: Lars Schäfer

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EM 2021 Italien im Endspiel
Auch die Familie Collura fiebert mit den Azzuri © Schäfer, Lars

„Siiiiiiiii!“ Als Jorginho am Dienstagabend bei der Fußball-Europameisterschaft mit einem äußerst lässig verwandelten Elfmeter im Halbfinal-Krimi gegen Spanien die Italiener ins Finale schoss, da bebte weit weg von Wembley auch das Wohnzimmer von Antonio Deleo und seiner Familie. „Wir sind uns in die Arme gefallen, haben uns minutenlang gedrückt und gesungen. Italien im Endspiel. Fantastico“, sagt Deleos älterer Bruder Cesare, der nun dem großen Finale am Sonntag in Wembley entgegenfiebert und natürlich überzeugt davon ist, dass die Azzurri gegen England auch den begehrten Pott holen werden. „Forza Italia“.

Altena/Neuenrade – Als die Squadra Azzura um Trainer Roberto Manchini ihren Sieg gegen Spanien noch auf dem Rasen von Wembley bejubelte und über die TV-Bildschirme ein Plakat eines italienischen Fans mit der Aufschrift „Pasta la vista, baby“ flackerte, da machten sich die in Neuenrade lebenden Deleo-Brüder in ihren Italien-Trikots schon auf zum Auto, wie so einige andere Landsmänner auch. „Es waren bestimmt 60 bis 70 Italiener, die den Sieg mitten in Neuenrade auf der Straße gefeiert haben“, berichtet Cesare Deleo. Unter anderem Gianna Nanninis und Edoardo Bennatos Song „Un’estate italiana“ („ein italienischer Sommer“), der 1990 Hymne der Weltmeisterschaft in Italien gewesen war, dröhnte aus den Lautsprecherboxen, dazu wehten italienische Fahnen im Neuenrader Sommerwind. Emotionen pur.

Ich habe das Elferschießen knieend hinter der Couch geguckt.

Cesare Deleo

Die magische Nacht der Azzurri war für die Deleos aber auch eine nervenaufreibende gewesen. „Ich habe die meisten EM-Spiele der Italiener zuhause geguckt, weil ich sehr emotional sein kann. Vor allem beim Fußball“, lacht Cesare Deleo. Das Halbfinale aber verfolgte der 44-Jährige bei der Familie seines jüngeren Bruders. „Es gab Pizza und Focaccia“, erzählt der neue Trainer des SV Affeln. Vor allem aber gab es das große Zittern über 120 Minuten und schließlich auch im Elfmeterschießen. „Mein Puls war irgendwo zwischen 120 und 130. Ich habe das Elferschießen knieend hinter der Couch geguckt“, lacht Deleo, der vor allem am späten Sonntagabend wieder lachen möchte. „Italien präsentiert sich bei der EM als Mannschaft, als Einheit. Das Problem ist, dass wir in Wembley gegen England spielen. Das ist ein Nachteil“, meint der 44-Jährige, der dennoch fest an den Titelgewinn glaubt. Wo und mit wem er das Finale schauen wird, das wird Cesare Deleo kurzfristig entscheiden. Aber auf jeden Fall wieder im italienischen Glückstrikot...

Sandro Collura beim Publing Viewing in Sizilien

In der Planung des Sonntagabends ist der Altenaer Sandro Collura, dessen Familie in der Burgstadt das Eiscafé San Remo betreibt, einen Schritt weiter. Am Freitag flog er aus privaten Gründen nach Palermo, wird das EM-Finale also in der Hauptstadt Siziliens verfolgen. „Sehr wahrscheinlich beim Public Viewing“, sagt der 32-Jährige, der das Halbfinale am Dienstagabend noch in der Burgstadt zusammen mit seinen Eltern verfolgte und den Sieg der Azzuri natürlich bejubelte. „Wir haben echt gezittert und uns nach dem letzten Elfer abgeklatscht. Die Freude war riesengroß“, betont der sportliche Leiter des VfB Altena, der in der Vorrunde und im Achtelfinale der deutschen Nationalmannschaft auch die Daumen gedrückt hatte. „Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Italiener. Wir hätten uns natürlich ein Finale Italien gegen Deutschland gewünscht. Aber Deutschland war bei der EM einfach zu harmlos.“ Im Gegensatz zu Antonio und Cesare Deleo in Neuenrade trug Sandro Collura am Dienstag vor dem Fernseher kein italienisches Trikot. „Die Trikots passen nicht mehr“, lacht Collura, der sich in Palermo ja noch ausstatten könnte mit dem Dress der Squadra Azzura. Möglicherweise ist es ja das Trikot des neuen Europameisters. Wembley wird’s zeigen...

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