Im Vollrausch junge Frau unsittlich berührt

ALTENA - Der Wunsch einer besorgten Mutter für ihre Tochter ging am Dienstagfrüh vor dem Amtsgericht in Erfüllung. Das Mädchen sollte bei einer Party Anfang März letzten Jahres von einem Bekannten sexuell missbraucht worden sein, während es schlief und sich somit nicht wehren konnte.

Schon beim ersten Anlauf des Verfahrens im November 2011 war es offenkundig eine große Belastung für die junge Frau gewesen, ihrem vermeintlichen Peiniger vor Gericht gegenübertreten zu müssen. Weinend brach sie während der Verhandlung öfters zusammen, versteckte sich auf dem Flur hinter Ohrhörern, Musik und unter ihrer Kapuze.

Die Mutter des mutmaßlichen Opfers bat das Gericht bei diesem Termin eindringlich, ihrer angeschlagenen Tochter eine Befragung zu ersparen. Doch auch der 32-jährige Angeklagte wagte es kaum aufzublicken oder das junge Mädchen überhaupt anzusehen. Damals war die Verhandlung gegen ihn unterbrochen worden, da der Verteidiger des 32-jährigen mutmaßlichen Täters für seinen Mandanten angab, dieser bestreite den Tatvorwurf zwar nicht, er könne sich aber auch nicht mehr an die fragliche Partynacht Anfang März erinnern.

Bei der privaten Party in Altena war offenbar viel Alkohol geflossen – sowohl die Geschädigte als auch der Angeklagte waren stark betrunken. Aus diesem Grund sollte ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten eingeholt werden. Der 32-Jährige soll, so der Vorwurf der Anklageschrift, das junge Mädchen im Intimbereich angefasst haben, als sie gemeinsam mit anderen in einem Bett nach der Party ihren Rausch ausschliefen.

Erst als sie aufgewacht sei, habe sie seine Berührung bemerkt und habe ihn weggestoßen.

Die Anklagebank am Amtsgericht blieb gestern Morgen jedoch leer. In Abwesenheit des 32-jährigen Angeklagten erging ein Strafbefehl in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro. Zahlt der 32-Jährige diese 2700 Euro und legt keinen Einspruch mehr gegen den Beschluss des Gerichts ein, hat der Vorfall keine weiteren gerichtlichen Konsequenzen mehr für ihn – und seinem mutmaßlichen Opfer wird ein erneuter, belastender Auftritt bei Gericht tatsächlich erspart.

von Anja Grevener

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