Vogel fällt wie in Zeitlupe

Das Königspaar Gundi Gerstberger und Michael Bussler.

ALTENA ▪ Die Amtszeit von König Michael Bussler, Regent über die Evingser Schützen, neigt sich dem Ende entgegen. Rückblickend seien es zwei wirklich schöne Jahre gewesen, berichtet der Zugführer des 3. Zuges der Evingser Schützen.

Bereits 2002 habe er, gemeinsam vier mit guten Freunden, seine Bereitschaft auf die Königswürde erklärt. Den Vogel holte in dem Jahr allerdings Friedhelm Rahmer von der Stange. 2010, das Jahr, in dem Bussler kurz nach dem Fest seinen 50. Geburtstag feiern konnte, wagte er einen neuen Versuch. Mit zielsicher, ruhiger Hand und dem nötigen Quentchen Glück, schoss Bussler den Vogel ab. „Der hört ja gar nicht mehr auf zu fliegen“ , war damals sein Kommentar zu dem herabfallenden Vogel. Dann ging alles ganz schnell, in einer Art „Schockzustand“ sei er gewesen, als seine Schützenbrüder ihn hochleben ließen und ins Zelt trugen. Erst abends im Zelt habe er realisiert, das er nun wirklich Schützenkönig sei, „ein Traum von jedem Evingser Schützen“.

Mit dem Königsschuss begann für Busslers Frau eine hektische Zeit: Kleider aussuchen, anprobieren, ändern lassen und ab zum Friseur. In der Nacht von Samstag auf Sonntag dann der Blackout: Wo ist das Kleid für den sonntäglichen Festumzug? Nachdem sie ihrem Mann bereits angedroht hatte, dass sie nicht mitmarschieren werde dann der erlösende Gedankenblitz: Das Kleid hatte eine Freundin an sich genommen, um kleine Änderungen durchzuführen. Ende der Panik, alles wird gut!

Der Samstag bleibt Bussler als ein wirklicher Höhepunkt in guter Erinnerung. Der Festumzug durch das ganze Dorf, begleitet vom Hofstaat, den der König sich im Vorfeld aus lauter guten Freunden zusammenstellt, bot auch den Zuschauern ein prachtvolles Bild. „Die Pause im Springen war einfach großartig. Dort wurde zum Kaffeetrinken wirklich alles serviert, was das Herz begehrt. Da fühlt man sich dann absolut wie ein König!“ Ehefrau Petra erinnert sich ebenfalls nur positiv an den Stopp beim 1. Zug, zu dem die Schützen aus dem Dorf ja bekanntermaßen ein „besonderes Verhältnis“ haben: „Wir wurden dort nicht nur reichlich bewirtet, sondern auch medizinisch versorgt. Es gab Elektrolyte bei Kreislaufproblemen und mit flinken Nadeln wurden derangierte Kleider fachmännisch ausgebessert“.

Während des Dorfabends am Schützenfestsonntag wurde Bussler auch noch zum Piratenkönig gekürt: Die Damen des 3. Zuges enterten nach ihrem Auftritt als Piraten aus dem Film „Fluch der Karibik“ den Thron.

Natürlich sei auch die Zeit nach dem Fest manchmal ein wenig stressig gewesen, auf vielen anderen Schützenfesten musste der Evingser König mit seinem Hofstaat repräsentieren. „Aber das ist positiver Streß“, erklärt Bussler. Auch seine Frau habe das nicht als Belastung empfunden. Gemeinsam mit den Hofstaatpaaren habe man in den vergangenen zwei Jahren Geburtstage feiert, sich zum „Königs-Brunch“ getroffen oder eine gemeinsame Weihnachtsfeier organisiert. Das Resümee ist eindeutig: „Es ist eine tolle Sache, ich kann es nur jedem empfehlen. König zu sein ist erschwinglich, allerdings kommt es schon darauf an, was jeder daraus macht.“ ▪ Von Silvia Sauser

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