Bundesweite Petition läuft

Völlig überlastet: Kinderärzte schlagen Alarm

+

Altena - Die Praxen der Kinder- und Jugendmediziner im Kreis platzen aus allen Nähten. Viele Ärzte haben deshalb einen Aufnahmestopp für neue Patienten verhängt und fordern die Politik zum Handeln auf. In Altena gibt es einen Sonderweg.

Den Schritt in den Ruhestand hat der Kinderarzt Markus Bock viele Jahre lang geplant. Bereits 2014 wollte er gehen. Schließlich praktizierte er in Altena bis März 2016 – deutlich länger als geplant. Denn trotz aller persönlicher Bemühungen fand er keinen Nachfolger für seine Praxis.

Das hätte zur Folge gehabt, dass dieser Arztplatz in Altena ersatzlos weggefallen wäre. 19 Monate gab es keinen Kinderarzt in Altena, bis Bock im September 2017 seine Kollegin Dr. Maria Thannhäuser überzeugen konnte, sich in Altena niederzulassen. Die dreifache Mutter hatte zuvor in Plettenberg praktiziert. In der Praxis von Michael Achenbach hatte sie sich dort auf ihre Facharztprüfung vorbereitet.

Nun hat auch sie keine Kapazitäten mehr in ihrer 140 Quadratmeter großen Arztpraxis mit angegliedertem Labor an der Lennestraße 84. Thannhäuser hat so viele Patienten zu betreuen und zu versorgen, dass sie keine mehr aufnehmen kann.

„Von einem Aufnahmestopp neuer Patienten möchte ich zwar nicht sprechen“, sagt die 41-Jährige. „Ich nehme aber nur noch Kinder und Neugeborene auf, die aus Altena kommen. Abgewiesen werden zudem keine Kinder oder Jugendlichen, sofern ihre Geschwister bereits bei uns Patienten sind. Es macht doch keinen Sinn für Eltern, sich für mehrere Kinder auch mehrere Kinderärzte zu leisten.“

Die Situation in Altena verschärfte sich 2018 dramatisch, als sich in Werdohl der Kinderarzt Zati Altay in den Ruhestand verabschiedete und seine Praxis schloss. Ab diesem Zeitpunkt suchten vermehrt Eltern auch Thannhäusers Praxis in Altena auf. „Das habe ich bis zum Herbst des vergangenen Jahres auch kapazitätsmäßig geschafft. Aber nun geht es nicht mehr“, sagt sie.

Ihr Kollege Achenbach aus Plettenberg ist sauer. „Das Problem ist, dass sich nichts ändert“,sagt er mit Blick auf den Ärztemangel. Deshalb appelliert der Mediziner an die Bürger im Kreis, eine bundesweite Petition zu unterschreiben, um politische Hilfe einzufordern.

Die Forderung: Der Deutsche Bundestag möge zeitnah Reformen diskutieren und beschließen, die die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen in der medizinischen Versorgung beenden. Die medizinische und pflegerische Betreuung von Kindern und Jugendlichen solle den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention gerecht werden.

Die Petition

Die bundesweite Petition wurde am 2. Januar veröffentlicht und kann online auf der Homepage der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin unter www.dakj.de unterschrieben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare