St. Vinzenz: Vorvertrag liegt auf dem Tisch

Wilfried Ramsbott und Franz-Jörg Rentemeister.

ALTENA ▪ „Verschiedenes“ war gestern Nachmittag der wichtigste Tagesordnungspunkt beim Krankenhaus-Förderverein – St. Vinzenz-Geschäftsführer Franz-Jörg Rentemeister war gekommen und verbreitete Optimismus: „Wir sind schon zwei Mal totgesagt worden, und wir leben immer noch“.

Tatsächlich liegt seit Montagabend der Entwurf eines Vorvertrages über die Übernahme des Krankenhauses durch einen anderen Träger vor. Das ist die wichtigste Neuigkeit, die Rentemeister den etwa 25 Mitgliedern mitzuteilen hatte. Ob dieser Vorvertrag abgeschlossen werde, liege jetzt an den Gremien der Krankenhaus-GmbH und der Kirche, die aber „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ zustimmen würden. Nach Rentemeisters Einschätzung kann der Übergang zum 1. Juli erfolgen.

Gespräche mit potenziellem

Baumeister-Nachfolger

Und: Neben dem Interessenten, der diesen Vorvertrag vorgelegt habe, seien noch zwei weitere vorhanden. Namen nennt Rentemeister weiterhin nicht. Er nehme seine Verpflichtung zur Verschwiegenheit ernst, erklärte er und verwies auf Schäden, die Indiskretionen bei Übernahmeverhandlungen zum Beispiel bei Karstadt und bei der WestLB angerichtet hätten.

Auf Rückfrage von Rainer Kemmerling versicherte Rentemeister, dass das St. Vinzenz als Akutkrankenhaus weiterbetrieben werde und nannte auch einen Beleg dafür: Er sei mit einem Chirurgen im Gespräch, der die nach der Kündigung Dr. Baumeisters frei werdende Chefarztstelle in der Chirurgie als Teilzeitkraft übernehmen und gleichzeitig die Praxis von Dr. Michael Strauß weiterbetreiben wolle. Er sei nicht nur Unfallchirurg, sondern auch ausgebildeter Notfallmediziner.

Rentemeister berichtete auch von Verhandlungen mit weiteren Ärzten – es gebe Gespräche sowohl mit potenziellen Krankenhaus-Angestellten als auch mit Medizinern, die sich im Ärztehaus niederlassen wollten. All diese Gespräche seien mit den Übernahmeinteressen abgestimmt. „Ich bin überzeugt davon, dass wir etwas Besseres für die Bürger von Altena nicht tun können“, gab Rentemeister sich überzeugt.

Der Großteil der Mitglieder des Fördervereins ließ sich von Vortrag des Geschäftsführers überzeugen – vor allem Vereinsvorsitzender Wilfried Ramsbott zolle ihm höchsten Respekt: „Das ist sehr, sehr positiv“. Es würden jetzt neue und positive Wege beschritten, um das Haus zu halten.

Beendigung des Vertrags mit Vinzenz-Vital weiter rätselhaft

Andere waren weniger euphorisch – zum Beispiel Günter Topmann, der kritisch nach der Beendigung des Vertrags mit Vinzenz Vital-Pächterin Sigrun Blauth erkundigte. In der vergangenen Woche hatte Rentemeister von einem ganz normalen Vorgang gesprochen und davon, dass unter neuer Führung so weitergehe wie bisher – doch das sieht inzwischen ganz anders aus. Weiter geht lediglich die physiotherapeutische Betreuung von Krankenhaus-Patienten und Pflegeheim-Bewohnern – das übernimmt eine andere, in Altena ansässige Praxis. Medi-Sport im Ärztehaus hingegen wird es nicht mehr geben. Auch mit der ambulanten Reha, die dort angeboten wurde, sei es nun vorbei, erklärte Blauth am Rande der Sitzung – dazu bedürfe es einer Zulassung der Krankenkassen, die an sie gebunden sei. Diese Angebote gehörten nicht zu den originären Aufgaben eines Krankenhauses, erklärte Rentemeister dazu.

Interessant war auch der Kassenbericht, den Schatzmeister Joachim Broer vortrug: Wegen der Diskussion um den Fortbestand des Kranenhauses gingen die Spendeneinnahmen drastisch zurück. Weil gleichzeitig noch bereits zugesagte Investitionen wie zum Beispiel der Einbau einer Markise am Pflegeheim bezahlt wurden, verringerte sich das Vereinsvermögen deutlich. Dazu kommt, dass er 2010 auch die Protestmaßnahmen gegen die geplante Krankenhausschließung finanzierte – die Schafherde, die damals durch die Stadt getrieben wurde, kostete 1900 Euro.

Von Thomas Bender

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare