Vinzenz-Mitarbeiter stimmen Kürzungen zu

Dr. Dietmar Stephan (links) und Dr. Armin Wurth sind neue Inhaber des Krankenhauses

ALTENA ▪ Notarverträge müssen von der ersten bis zur letzten Seite verlesen werden – deshalb haben Dr. Dietmar Stephan und Dr. Armin Wurth vor zwei Wochen acht Stunden beim Notar gesessen. Danach waren sie neue Eigentümer des St. Vinzenz-Krankenhauses und des ihm angeschlossenen Gesundheitszentrums.

Die beiden Akademiker – der eine ist Arzt, der andere Kaufmann – sind geschäftsführende Gesellschafter der Deutschen Klinik-Union, die das Altenaer Krankenhaus übernommen hat und es als eigenständige Gesellschaft weiterführen wird – ihre Deutsche Klinikunion wird in der Außendarstellung des Hauses allenfalls ganz am Rande in Erscheinung treten.

Stillschweigen über

den Kaufpreis

Über den Kaufpreis wurde zwischen den neuen Eigentümern und der katholischen Kirchengemeinde Stillschweigen vereinbart. Eines allerdings verriet Wurth gestern: Die neuen Eigentümer übernahmen Verbindlichkeiten im siebenstelligen Bereich, von denen die Kirchengemeinde als bisheriger Eigentümer entlastet wird.

Und noch ein weiteres Detail gaben die neuen Eigentümer preis: Sie haben sich vertraglich verpflichtet, im St. Vinzenz nichts zu tun, was gegen das Wertesystem der katholischen Kirche verstößt. Abtreibungen und aktive Sterbehilfe wird es also im Altenaer Krankenhaus auch weiterhin nicht geben.

Das Krankenhaus sei auf einem guten Weg – das betonten die Neueigentümer gestern immer wieder und verwiesen aus steigende Patientenzahlen. Andererseits: „Wir sind noch lange nicht über den Berg“. Deshalb seien sie froh über das Entgegenkommen der Mitarbeiter – sie verzichten auf 3,5 Prozent ihres Gehaltes und arbeiten eine bis 1,5 Stunden mehr. Das ist die Vereinbarung, die mit dem pflegerischen Personal, Technikern und Verwaltungsmitarbeitern getroffen wurde. Mit den Ärzten wurden andere Vereinbarungen getroffen – auch sie trügen zur Konsolidierung des Krankenhauses bei.

Formal fiel die Entscheidung gestern, abgezeichnet hat sie sich schon länger: Franz Jörg Rentemeister bleibt auch nach dem Eigentümerwechsel Geschäftsführer – „er hat eine Mammutaufgabe geleistet“, würdigte Wurth Rentemeisters Engagement in den vergangenen Monaten. Jetzt will er – der eigentlich längst in Rente ist – endlich etwas kürzer treten. Möglichst zum 1. Januar werde ihm deshalb ein zweiter Geschäftsführer zur Seite gestellt, kündigten Wurth und Stephan an. Die Entscheidung pro Rentemeister sei bei einer Belegschaftsversammlung gestern Morgen mit großem Applaus bedacht worden, verrieten die neuen Eigentümer

Eine der zukünftigen Aufgaben der Geschäftsführung ist es, einen Expansionskurs zu fahren. Das gilt vor allem für das Gesundheitszentrum: Dort stehen Praxen leer und sollen schnellstmöglich gefüllt werden – mit Ärzten, die Angestellte dieser GmbH sind. Es sei durchaus denkbar, dass Praxisnetze von Ärzten, die in den Ruhestand gehen, aufgekauft würden, sagte Wurth gestern. Dabei komme es aber auch darauf an, dass die Belegung der Praxen zu den Schwerpunkten des Krankenhauses passen: Einen Urologen hätten die beiden gerne und einen Neurologen. Auch eine weitere Stärkung im Bereich der Orthopädie halten sie für sinnvoll.

Auslastung jetzt gut

Die Art und Weise, in der sie in Altena empfangen wurden, bezeichneten die beiden gestern als beeindruckend. Das gelte nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Öffentlichkeit. Offensichtlich glaube die Bevölkerung endlich wieder an das Krankenhaus, ergänzte Rentemeister. Nach schlechten Belegungszahlen im ersten Quartal sei die Auslastung jetzt gut. „Man findet keinen Parkplatz mehr“ – das war das, was Dr. Stephan auffiel.

Die katholische Kirche werde im St. Vinzenz-Kankenhaus auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, kündigten Wurth und Stephan an. Sie kümmert sich um die Seelsorge, in der Kapelle werden weiterhin Gottesdienste gefeiert und auch die Ordensschwestern bleiben. Einen Aufsichtsrat wird es – weil nicht vorgeschrieben – nicht mehr geben, trotzdem suche man auch weiterhin das Gespräch und den Gedankenaustausch mit den bisherigen Aufsichtsratsmitgliedern. Ein erstes Gespräch sei bereits terminiert.

Von Thomas Bender

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