Kreis löst das Problem über Online-Notarztbörse

St. Vinzenz-Krankenhaus ist zahlungsunfähig

[Update, 17.15 Uhr] Altena - Das St. Vinzenz-Krankenhaus ist zahlungsunfähig und überschuldet. Deswegen wurde am Dienstag das Insolvenzverfahren eröffnet. Ziel sei es, zumindest Teile des Betriebes wie das Pflegeheim und die Innere fortzuführen, sagte am Mittwoch, 21. Dezember, der Insolvenzverwalter Thomas Thiele.

Geschlossen wird mit sofortiger Wirkung die Chirurgie. Damit setze er lediglich einen Plan um, den bereits die alte Geschäftsführung gefasst habe, betonte Thiele. Den Notarzt für den Rettungsdienst in Altena kann das Haus damit nicht mehr stellen. Die Kreisleitstelle des Märkischen Kreises wurde am Montagabend (19. Dezember) darüber informiert, dass im St. Vinzenz ab Dienstag (20. Dezember), 7.30 Uhr, kein als Notarzt qualifizierter Mediziner mehr tätig ist. 

Der Vorgang sorgte beim Kreis für erhebliche Aktivitäten – schließlich haben auch die Bürger in Altena und Nachrodt Anrecht auf eine notärztliche Versorgung. Da der Kreis als Träger des Rettungsdienstes dafür zuständig ist, tagten am Dienstagmorgen sofort die für den Rettungsdienst zuständigen Fachleute. 

Vertrag mit Notarztbörse läuft bis Juli 2017

Mit dabei: Dr. Jutta Schürmann-Lippsch aus Menden, die ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes im Märkischen Kreis. Den Fachleuten gelang es, das Problem innerhalb weniger Stunden zu lösen. Über eine Online-Notarztbörse wurde entsprechend qualifiziertes Personal verpflichtet, schon am Dienstagmorgen trat ein vom Märkischen Kreis bezahlter Notarzt seinen Dienst an.

Er ist in Altena stationiert. Wie der Kreis auf Anfrage mitteilte, handelt es sich zunächst um eine zeitlich befristete Lösung; Mit der Notarztbörse wurde ein Vertrag geschlossen, der bis Juli 2017 läuft und bis dahin sicherstellt, dass rund um die Uhr ein Notarzt in der Burgstadt tätig ist. Im Moment hat er für einsatzfreie Zeiten ein Zimmer im Krankenhaus. 

Lösung kostet 300 000 Euro im Jahr

Für den Fall, dass das nicht mehr möglich sein sollte, habe man bereits eine Alternative in petto, deutete Kreispressesprecher Hendrik Klein gestern an. Nach seinen Angaben kostet die jetzt gefundene Lösung etwa 300 000 Euro im Jahr. Auf einer Mitgliederversammlung des Krankenhaus-Fördervereins wurde am Dienstagabend erstmals über diese Entwicklung berichtet. Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein lobte dort ausdrücklich den Märkischen Kreis für sein schnelles Handeln. 

Thiele informierte am Mittwoch die Mitarbeiter des Krankenhauses über die neuesten Entwicklungen. Gegenüber unserer Zeitung sagte er, dass er gut 30 Mitarbeiter freigestellt habe – unter ihnen auch die ehemalige Geschäftsführerin Andrea Arnold. Damit verbleiben noch deutlich über 100 Beschäftigte. Der Insolvenzverwalter berichtete von Gesprächen mit potenziellen Investoren: „Die Zwischenstände sind befriedigend“. 

Ermittlung wegen Verdacht auf Insolvenzverschleppung aufgenommen

Auf einer Sitzung des Fördervereins für das Krankenhaus wurde am Dienstag bekannt, dass am gleichen Tag allen Mitarbeitern des Gesundheitszentrums dessen Schließung zum Jahreswechsel mitgeteilt wurde. Es gehört nicht zu den Lenne-Kliniken, sondern zum Krankenhaus Plettenberg, das einen neuen Miteigentümer hat. Der habe offensichtlich kein Interesse an den Kassenarztsitzen, die mit dem Gesundheitszentrum verbunden sind. Problem jetzt: Diese Sitze sind jetzt noch sechs Monate für Altena geschützt und können danach in andere Städte abgezogen werden.

 „Für Altena wären sie dann unwiderruflich verloren“, warnte der ehemalige St. Vinzenz-Chefarzt Dr. Rüdiger Balbach. Er machte – wie viele andere auch – vor allem den ehemaligen Geschäftsführer Michael Kaufmann für den Niedergang des Hauses verantwortlich. Sein Handeln sei von „Ignoranz und Arroganz“ bestimmt gewesen. Die Staatsanwaltschaft Hagen bestätigte gestern auf Anfrage, dass bei ihr inzwischen eine Strafanzeige eingegangen ist. Sie ermittelt jetzt wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

Mehr zum St. Vinzenz-Krankenhaus lesen Sie hier.

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Kommentare

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Kommentare

B. DielAntwort
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Ich glaube, dass sie die Aktion mit den Schafen missverstanden haben - die Aktion zielte darauf ab, dem Bischof seine Verantwortung für seine Schafe klar zu machen.
Und nochmal: was hätte "der Rat" denn machen _können_? Welchen "mutigen Schritt" hätten der BM und "wir" machen sollen?

altenativlosAntwort
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Wenn ich bedenke, welcher Aufwand zur Bloßstellung und Diffamierung der kath. Kirchengemeinde, hier vor Ort, betrieben wurde, ich sehe noch die grinsenden Fratzen einiger Ratsherren gut vor mir, die einem vermummten Bischofs-Wolf hinterher krakelten, ein kath. BM als (Mit)-Initiator der Posse, dann vermisse ich in der jetzt gerade abgelaufenen Situation schon einige, greifende, Aktivitäten!
Nur ein "strenges" Wort von Herrn Scholz im Rat, ist da schon weniger als wenig, ebenso das ewige Gejammer des Herrn Held (Held ?) der Bischof, das Bistum müssen nun wieder finanziell eingreifen, entspricht schon (fast) einer Lachnmmer. Also ich wiederhole, der Rat war in keinster Weise aktiv, und wenn doch, dann ganz, ganz leise, hinter stabilen Türen.
Übrigens, das Krankenhaus wurde nicht von der kath.Kirche"vor die Wand gefahren" , schon gar nicht der Gemeinde. Zugegeben, es gab eine Krisenzeit, da war es ein Pflegefall, der aber wurde in vorbildlicher Weise gelöst; das Krankenhaus, soweit mir bekannt, (s. auch etliche Beiträge dazu im AK) wurde in einem Top-Zustand , Auftrags (Patienten)-Stand, Ausstattung, Technik, hervorragendes Personal, super Gebäude, gute Akzeptanz usw.usw. an die DKU übergeben.
Die Zeit danach war nicht die Beste für das hiesige Haus.Da schon hätte der BM, mit SEINEM Rat einen mutigen Schritt gehen müssen, hat er aber auch nicht.Der jetzige Abstieg war lange zu sehen, Reaktionen, in Wort und Schrift sind mir nicht bekannt.
Jetzt aber auch Ihnen, besinnliche und frohe Weihnachten !

lesenderAntwort
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Kann es sein, dass sie einer der wenigen sind, die nicht wissen, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt? :-)