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Flutschäden: Stadt darf jetzt auch private Ufer reparieren

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Von: Thomas Bender

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Geröllbremse Bachlauf Fertigteil
Wo der Bach im Rohr verschwindet, soll ein Metallgitter Steine und Schwemmgut zurückhalten. Bisher gab es dazu in Altena recht primitive Konstruktionen, die fast alle vom Hochwasser zerstört wurden. Wie man’s richtig macht, kann an der Baustelle für das neue Pflegeheim am Linscheider Bach besichtigt werden. Dort wurde der Bach freigelegt. Wo er wieder im Rohr verschwindet, steht dieses Bauwerk. © Bender,Thomas

Nach vier Informationsveranstaltungen für die Bewohner der von der Flut besonders betroffenen Seitentäler verteilt Olaf Schwarz vom Planungsbüro C und E gute Noten für die Altenaer: „Im Vergleich zu den Bewohnern anderer Kommunen, die wir betreuen, sind sie sehr geduldig und verständnisvoll“, lobte der Diplom-Ingenieur, dessen Büro mit dem Projektmanagement beauftragt wurde und nun nach und nach die Beseitigung der Schäden koordinieren soll.

Altena – Am Montag kamen Anwohner von Linscheider Bach und Hegenscheider Weg in die Burg Holtzbrinck. Dort gab’s Neuigkeiten: Nach weiteren Gesprächen mit dem Land hat das zuständige „Ministerium für Bauen, Heimat und alles Mögliche“ (O-Ton Schwarz) grünes Licht für eine etwas andere Vorgehensweise bei der Beseitigung von Schäden an den Gewässern gegeben. Hieß es bisher, die Anwohner seien zuständig, so gilt jetzt, dass die Stadt die Baumaßnahmen in Abstimmung mit den Eigentümern der Grundstücke in Auftrag geben und abrechnen darf, wenn sie eine wasserwirtschaftliche Verbesserung zur Folge haben. Das hat den Vorteil, dass statt vieler kleiner ein großer Auftrag vergeben werden kann, was die Sache für die Unternehmer attraktiver macht. Nach wie vor sei es schwierig, Firmen für solche Arbeiten zu finden, klagte Bürgermeister Uwe Kober – „die sagen uns, wir sollen Ende 2023 noch mal anrufen“.

Das  Ministerium für Bauen, Heimat und alles Mögliche.

Olaf Schwarz

Bevor es an die Ufer geht, muss das Bachbett geräumt werden – in dieser Hinsicht sei bisher noch nichts passiert, klagten insbesondere die Anwohner des Hegenscheider Wegs. Zuständig ist auf jeden Fall die Stadt, weil es sich um Gewässerunterhaltung handelt. Auch dafür wird sie Firmen finden müssen, die dann ein Problem haben dürften: Mit Baggern und Lastwagen kommt man an vielen Stellen nicht ‘ran an den Bach.

Informationsveranstaltung  Linscheider Bach und Hegenscheider Weg nach Jahrhundrthochwasser Altena
Auch zur vierten Informationsveranstaltung kamen viele Bewohner - diesmal vom Linscheider Bach und vom Hegenscheider Weg. © Bender,Thomas

Das gilt natürlich auch dann, wenn das Gewässer überbaut oder verrohrt ist, was in diesem Bereich an vielen Stellen der Fall ist, was den Experten erhebliches Kopfzerbrechen bereitet. Noch gebe es keinen genauen Plan, wie man das Geröll aus diesen Überbauungen herausbekommen soll, gab Kober zu. Das gilt vor allem für den Bereich Kölscher Joe, wo das Gewölbe für den Bach so fragil ist, dass die Stadt ein Betretungsverbot verhängt hat.

Wenn schon Mauern, dann besser aus Naturstein

Stichwort Mauern: Nach Möglichkeit sollen sie nicht wiederaufgebaut werden, sondern durch Böschungen ersetzt werden, damit der Bach mehr Platz bekommt. Und wenn es unbedingt eine Mauer sein muss, dann besser keine aus Beton, riet ein Vertreter der Unteren Wasserbehörde. Aus Naturstein aufgeschichtete Mauern seien langlebiger, ökologisch besser und trügen wegen ihrer rauhen Oberfläche auch dazu bei, die Fließgeschwindigkeit des Bachs zu verringern, was auch dem Hochwasserschutz zuträglich sei.

Natürlich hat das alles auch mit der Kyrill- und Käferproblematik zu tun

Uwe Kober

Was tun, um weitere Tragödien dieser Art zu verhindern? Olaf Schwarz tat sich schwer mit einer Antwort auf diese Frage aus dem Publikum: Altenas Topografie mit den sehr steilen Hängen berge bei Starkregenereignissen ganz grundsätzlich große Gefahren, weil kaum Retentionsraum geschaffen werden könne. Darunter versteht man Flächen, die großflächig überflutet werden können. „Natürlich hat das alles auch mit der Kyrill- und Käferproblematik zu tun“, ergänzte der Bürgermeister und wies auf kahle Waldflächen hin, auf denen der Boden kaum noch Wasser zurückhalte. Hilfreich sei es vielleicht, wenn noch vor der Bebauung Einbauten, wie man sie aus den Alpen kenne, das Geröll zurückhalten würden, sagte Schwarz.

Gegen so viel Wasser ist kaum etwas zu machen

Klar sei aber auch: Niederschläge wie die am 14. und 15. Juli 2022 seien auf jeden Fall eine Überforderung für kleine Gewässer wie den Hegenscheider und den Linscheider Bach. Man könne nur darüber nachdenken, wie das Wasser in solchen Fällen auf anderen Wegen – beispielsweise über die vorhandenen Straßen – so abgeleitet werden könne, dass möglichst wenig Schäden entstünden. Das sei Gegenstand von Untersuchungen beim Märkischen Kreis, erklärte Schwarz – „vielleicht reicht es ja schon, wenn man den Bordstein etwas höher legt“. Das wäre sicher im Sinne der Anwohner der Wixbergstraße. Ihnen flutete nicht der hinter ihrem Haus verlaufende Bach die Keller, sondern das Wasser, das vor den Häusern über die Straße schoss.

Weitere Veranstaltungen angedacht

Ursprünglich war vorgesehen, es bei vier Informationsveranstaltungen für die Täler von Rahmede, Nette, Brachtenbeck und Linscheider Bach zu belassen. Inzwischen denken Stadtverwaltung und Projektmanagement über ein fünftes Treffen für Bürger nach, die an anderen Stellen des Stadtgebietes Schäden erlitten haben.

Außerdem gebe es Überlegungen, im kommenden Jahr Informationsveranstaltungen zu Themen wie zum Beispiel den vorbeugenden Hochwasserschutz für Privatleute anzubieten, erklärte Schwarz nach dem Treffen am Montag.

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