Mietpreise teilweise weit unter MK-Schnitt

Viel Wohnung für wenig Geld: Darum ist Wohnen so günstig in Altena

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Günstig wohnen ist unter anderem in der Siedlung am Knerling möglich, wo die Baugesellschaft etliche Häuser in ihrer Hand hat.

Altena - Im Kreis lässt es sich schon billig wohnen. In Altena sind die Mietpreise im Durchschnitt noch günstiger. Der neue Chef der Baugesellschaft kennt die Gründe und findet, Altena wird als Wohnort unterschätzt.

Im Märkischen Kreis zu wohnen ist vergleichsweise günstig. Rund 6,40 Euro Bruttokaltmiete zahlt ein Märker im Schnitt pro Quadratmeter. Das geht aus einer Übersicht hervor, die das Statistische Landesamt Information und Technik NRW (IT.NRW) veröffentlicht hat. 

In Altena liegt der Mietpreis mit teilweise 4,80 Euro pro Quadratmeter sogar noch weit unter dem Kreisdurchschnitt. Manfred Haupt, neuer Geschäftsführer der Altenaer Baugesellschaft, hat sich im Vorfeld seiner Entscheidung, nach Altena zu kommen, viel mit der Burgstadt und ihren Strukturen befasst, sagt er. 

Firmen gehen - und mit ihnen die Angestellten

Er sieht die historische Entwicklung der Stadt als einen Grund für die günstigen Mieten. „Früher gab es in Altena noch mehr Industrie als heute. Deshalb errichtete man regelrechte Arbeitersiedlungen.“ Zum Beispiel am Knerling. Durch den Weggang großer Arbeitgeber – und damit auch Angestellter – sei nach und nach ein Überangebot an Wohnungen entstanden. 

Und Angebot und Nachfrage bestimmen letztlich den Preis. „In Altena ist das Angebot sehr groß, die Nachfrage dafür aber gering. 9,5 Prozent der Wohnungen stehen leer. Da bestimmt der Mieter den Preis für seine Wohnung quasi selbst.“ Genau aus diesem Grund sei der Wohnraum verglichen mit dem Durchschnitt des Märkischen Kreises sehr günstig. 

Ein ähnliches Bild zeichnet sich übrigens auch in den Nachbarstädten Werdohl und Plettenberg ab. Hinzu komme, dass einige Häuser durch ihre teils alte Bauweise auf den ersten Blick unattraktiv wirken. 

Kritik am Stadtmarketing

Auch das Imageproblem sei ein Grund für den niedrigen Wohnwert der Stadt. „Es gibt kein vernünftiges Stadtmarketing und es wird auch sonst zu wenig Werbung gemacht.“ Dadurch fliege die Burgstadt gewissermaßen unter dem Radar. „Das ist schade, weil das Wohnen hier eigentlich sehr komfortabel ist“, betont Haupt.

Er hat selbst vor wenigen Tagen eine Wohnung in Altena bezogen. „Ich habe kurze Wege zur Arbeit, und von meinem Balkon aus blicke ich direkt auf die Burg.“ Auch sonst gefällt dem 57-Jährigen die Struktur in der Burgstadt. „Es gibt sehr gute und schöne Schulen, Kindergartenplätze und auch viele frisch sanierte Sporteinrichtungen.“ 

Außerdem herrsche ein Klima des Miteinanders. Das habe Haupt als gebürtiger Düsseldorfer in seiner bisherigen Zeit in Altena besonders wahrgenommen. „Man sagt uns Rheinländern ja immer nach, dass wir offener als die Sauerländer seien. Die wahnsinnig schöne Willkommenskultur, die ich in Altena erlebt habe, toppt meine Erfahrungen aus Düsseldorf aber bei Weitem.“ 

Burgstadt braucht IC-Anbindung

Für die Zukunft sieht Haupt vor allem in einer möglichen IC-Anbindung Chancen. Die scheitert derzeit aber noch an den Streitigkeiten zweier Verkehrsverbände. Mit dem Burgaufzug und der Gastronomie am Lenneufer habe die Stadt durchaus Attraktionen zu bieten, die auch für Menschen von außerhalb interessant sind. „Und mit demLennepark, der bald gebaut wird, wächst das Angebot weiter“, sagt Haupt und freut sich bereits auf die Umsetzung des Projektes. 

Die Altenaer Baugesellschaft setzt zudem auf Wohnraumsanierung und den gezielten Abriss leer stehender Häuser, um das Überangebot etwas einzudämmen. Gerade erst wurde ein ganzer Zug an der Memeler Straße abgerissen.

Künstler locken

„Die dadurch frei werdenden Grundstücke bleiben in unserem Besitz. Sie könnten für Menschen interessant werden, die sich in Altena ansiedeln wollen. Die Grundstückspreise sind niedrig. Und obwohl die Grundsteuer hoch ist, ist das Wohnen in Altena vergleichsweise günstig“, sagt Haupt. 

Der ABG-Chef beobachtet, dass es viele Künstler nach Altena zieht, die sich in der Burgstadt verwirklichen möchten. Die Ladenlokale in der Fußgängerzone und die günstigen Mietpreise ebnen ihnen den Weg. „Junge Menschen, die sich hier etwas aufbauen möchten, haben gute Chancen. Und Künstler können die Entwicklung in der Stadt vorantreiben. Altena hat so viel Potenzial“, sagt Haupt. „Ich vergleiche die Stadt mit einer Schneekugel. Sie ist wie ein kleines verschneites, verschlafenes Dorf, das nur darauf wartet, aus seinem Dornröschenschlaf geweckt zu werden

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