Verworrener Sachverhalt vor dem Amtsgericht

In Altena Zuflucht gefunden

Justitia musste sich mit PartyLite beschäftigen.

Altena/Lüdenscheid – Was die Firma Tupper für die Plastikdosen, ist PartyLite für Duftkerzen und andere Wohnaccessoirs. Im Angebot sind Dinge wie Teelichtboxen in exotischen Geruchsrichtungen oder Dreidochtduftwachsgläser in den Richtungen Cabernet-Karamell, Saphirblauer Lorbeer und Verschneiter Pfefferminz.

Auch PartyLite pflegt den Vertriebsweg über die persönliche Ansprache bei einem festlichen Zusammensein mit Freunden und Bekannten. Doch irgendwann zwischen dem 22. Juli und dem 2. August 2017 ging nach einer solchen Party-Verkaufsveranstaltung etwas derart schief, dass ein 25-Jähriger und seine 23-jährige Partnerin sich im Amtsgericht Lüdenscheid einer Anklage wegen Betruges gegenübersahen.

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, dass sie Waren für rund 420 Euro auf einen falschen Namen bestellt und dazu noch ein fremdes Konto angegeben hatten. Angeblich sollten diese beiden Personen die bestellte Ware an sie weitergeben. Wirklich schlüssig war der Vorwurf schon in sich nicht. „Ich habe damit nichts zu tun, und ich weiß nicht, warum ich in diese Sch… reingezogen werde“, wies die 23-Jährige den Vorwurf zurück. Sie wurde letztlich freigesprochen. Anders lief es bei ihrem Gefährten. Er gab zu, falsche Angaben bei der Bestellung gemacht zu haben. Das Ganze habe aber nicht etwa der persönlichen Bereicherung gedient: „Alles, was der Mensch nicht braucht“, fasste der Angeklagte das Duftkerzen- und Accessoire-Angebot zusammen. Deshalb habe er auch nichts bestellt und nichts bekommen, sondern nur die falschen Daten für die Bestellung zur Verfügung gestellt. Der 25-Jährige hatte zusammen mit seiner Partnerin ein ganz anderes Problem: drohende Obdachlosigkeit. Deshalb waren die beiden bei Bekannten in Altena untergekommen, die auf irgendeine Weise von solchen Bestellungen profitieren sollten. „Ich habe nicht darüber nachgedacht“, erklärte der 25-Jährige. „Ich habe das nur gemacht, damit die Gastgeber Bestellungen bekommen. Ich war einfach froh, dass ich einen Schlafplatz hatte.“

Eine Zeugin erklärte das PartyLite-Vertriebssystem: Sie berichtete von Sammelbestellungen nach solchen Partys, von Provisionen für die Veranstalter und vielen Ungereimtheiten beim Ausfüllen der vorliegenden Bestellungen. Sie bestritt, dass es ein Mindestvolumen bei den Umsätzen gebe und behauptete, dass sie den Angeklagten eine Tüte mit Ware übergeben hatte. Daraufhin brach im Gerichtssaal ein kleiner, aber heftiger Disput aus, der durchaus in eine Fernsehgerichtsverhandlung gepasst hätte. Überhaupt war die Stimmung durchweg sehr munter, denn die beiden kleinen Kinder, die die Angeklagten mitgebracht hatten, wollten sich nicht mit langem Schweigen zufrieden geben. Dazu kamen erhebliche Schwierigkeiten in den zu rekonstruierenden Ereignissen: „Der Sachverhalt ist ein wenig verworren“, fasste Richter Andreas Lyra die Unklarheiten zusammen. Da der 25-Jährige aber selbst bestätigt hatte, dass er falsche Angaben in der ausgefüllten Bestellung gemacht hatte, nahm er wegen „Beihilfe zum Betrug“ eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro aus dem Gerichtssaal mit.

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