Verwirrende Argumente

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Kontroversen: Aufzugsgegmer Michael Busch von „Altena innovativ“ im Gespräch mit Aufzugsbefürworterin Ulrike Hücking.

ALTENA - Eines habe ich in den ersten Tagen meiner Tätigkeit in Altena schnell mitbekommen – die ganze Stadt kennt offenbar nur ein Thema: den Burgaufzug. Mir scheint, die Stadt ist in zwei Lager – die Befürworter und die Gegner – gespalten. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht, zu welcher Gruppe ich mich zählen soll. Und eigentlich könnte es mir ja auch egal sein, denn schließlich wohne ich nicht in Altena.

Ganz egal ist es mir aber nicht, was die Leute an meinem neuen Arbeitsort denken, und deshalb mache ich mich auf den Weg zum Stapel-Center. Dort haben sich die Gegner des Aufzugs postiert, um Unterschriften für ihr Bürgerbegehren zu sammeln, mit dem sie das Sechs-Millionen-Euro-Projekt stoppen wollen. Nur kurz bleibe ich stehen, um auf dem Plakat nachzulesen, um was es geht, als mich schon Michael Busch anspricht, einer der Vertretungsberechtigten des Bürgerbegehrens. Ob ich auch unterschreiben wolle, fragt er mich. „Erklären sie mir erstmal, um was es geht. Ich bin ganz neu in Altena“, gebe ich ihm die Vorlage, aus seinem Fundus der Argumente gegen den Aufzug zu schöpfen.

Kostengünstig

So erfahre ich, dass es angeblich kostengünstigere Alternativen zum Aufzug gebe. Vor allem aber, betont Busch, seien die Folgekosten für die Stadt bedenklich. Er macht eine Rechnung auf, nach der Altena jährlich 150 000 Euro aufwenden müsse, um das Defizit des Aufzugsbetriebes abzudecken. Geld, mit dem man auch marode Straßen erneuern könne, meint Busch. Wirklich nachvollziehen kann ich die Rechnung nicht. Die Zahlen scheinen mir willkürlich, keine Ahnung, ob sie seriös ermittelt worden sind. Davon kann mich Michael Busch nicht überzeugen, ich muss es glauben – oder auch nicht.

Doch was passiert, wenn sich die Aufzugsgegner tatsächlich durchsetzen? Was passiert dann mit dem dafür eingeplanten Geld? „Das ist dann natürlich weg“, gibt Busch unumwunden zu, dass es für Altena dann nicht mehr zur Verfügung stünde. Kein Geld für den Burgaufzug bedeutet also keineswegs, dass damit andere Projekte finanziert werden könnten. Das habe ich verstanden.

Man muss also unterschreiben, wenn man den Erlebnisaufzug nicht haben will? Ja, gibt mir der Mann von der Bürgerinitiative zu verstehen und überrascht mich dann mit der Aussage, dass auch die Befürworter ihren Namenszug auf die Liste setzen sollten. Das verstehe ich wiederum nicht. Busch klärt mich auf: „Dann kommt es zum Bürgerentscheid, bei dem alle wahlberechtigten Altenaer über den Aufzug abstimmen können. Und dann zeigt sich, ob es dafür wirklich eine Mehrheit gibt.“ Das hört sich logisch an, ist aber doch nicht die ganze Wahrheit. Was der Mann verschweigt, ist die Tatsache, dass der Stadtrat nach einem erfolgreich durchgeführten Bürgerbegehren entscheidet, ob es noch zum Bürgerentscheid kommt, oder ob er die Idee vom Burgaufzug sofort beerdigt. Zugegeben, die zweite Variante ist nicht sehr wahrscheinlich, aber immerhin denkbar. Es wäre also möglich, dass Aufzugbefürworter mit ihrer Unterschrift unter das Bürgerbegehren genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich wollen. Und warum soll man überhaupt gegen etwas unterschreiben, das man eigentlich befürwortet, nur, um sich dann später noch einmal dafür aussprechen zu können?

Kein Wunder

Kein Wunder, dass eine solche Argumentation in der Grauzone den einen oder anderen Altenaer verwirrt. Wohl auch deshalb fragt einer der Passanten, ob er denn jetzt für oder gegen den Aufzug unterschreiben könne. Ein anderer beschimpft Busch, mit dem Bürgerbegehren Altenas Zukunft zu zerstören, ein dritter unterschreibt das Bürgerbegehren wortlos und geht weiter. Ich unterschreibe natürlich nicht, schließlich wohne ich nicht in Altena. Außerdem weiß ich immer noch nicht, ob ich für oder gegen den Aufzug sein soll. Und eigentlich, denke ich, kann ich ganz froh sein, dass ich diese Entscheidung nicht treffen muss. Aber weiter verfolgen werde ich die Diskussion dennoch.

Volker Griese (45) aus Balve ist seit vielen Jahren Redakteur im Märkischen Zeitungsverlag und seit Monatsbeginn in der AK-Lokalredaktion tätig. Sein Schwerpunkt ist die Berichterstattung aus Nachrodt-Wiblingwerde.

vonVolker Griese

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