Endlos-Thema Windkraft: Verwaltungsgericht verhandelt Klage gegen den MK

+
Das Verwaltungsgericht verhandelt heute in Sachen Kohlberg.

Altena - Es ist eine brisante Mischung: Potenzielle Geldgewinne und Steuereinnahmen, damit einhergehende private und öffentliche Interessen und nicht zuletzt Umweltpolitik, sprich Klimaschutz durch erneuerbare Energien und damit CO2-Einsparungen.

Das mit sechs Windenergieanlagen überplante Areal auf dem Kohlberg (angelegt für 30 Jahre) sorgt seit Jahren für beschäftigte Planer, Anwälte, Richter und organisierte Bürger. Juristen werden nun entscheiden. 

Die Investoren sind sich dabei sehr sicher, dass sie bauen werden, die Gegner sind sicher, dass es nichts wird mit der Windenergie auf dem Kohlberg. 

Windkraftanlagen auf Neuenrader Stadtgebiet – das hat schon eine gewisse Tradition: Wer auf dem Kohlberg steht, sieht Windräder auf der Kracht und im Bergland Altenaffelns. Und Altenaffeln lag dabei durchaus – zumindest offiziell – lange im Fokus der Stadtverwaltung. 

So gab es dort mal eine Vorrangfläche, für die es allerdings eine Höhenbegrenzung gab. Gleichwohl hatte dieses Gebiet ein Investor aus Dortmund für sich entdeckt und plante dennoch dort zu bauen. Denn eine Vorrangfläche mit Höhenbegrenzung ist nichts wert. Einen Prozess hätte der Investor zweifellos gewonnen. 

Es gab vehemente Proteste der Anlieger; sogar eine digitale Visualisierung gab es, die Entsetzen bei den Neuenrader Zuschauern auslöste angesichts der Größe der Anlagen. Wie auch immer: Den Neuenradern gelang es, das Vorhaben abzubiegen, mit Hinweis auf Mindestsicherheitsabstände „für Funkfeuer“ und „den Schwarzstorch“. 

Zeitgleich wurde mit Hilfe von Gutachtern die Suche nach einer alternativen Vorrangfläche forciert. Die Fläche auf dem Kohlberg kristallisierte sich dabei heraus und ist mehrheitlich in Besitz der Stadt. Die Planungshoheit behalten und eine Verspargelung Neuenrades verhindern, das war der Plan der Neuenrader. 

So wurde das Verfahren zur Nutzbarmachung des Kohlberg für Windenergie von Verwaltung und Rat eben im Frühjahr 2015 auf dem Weg gebracht. Es gab durchaus ein halbes Dutzend weiterer Flächen auf Neuenrader Stadtgebiet, die möglicherweise in Frage gekommen wären. 

Denen fehlte allerdings das Merkmal „substanziell“, also die Option, möglichst viele Windräder auf einer Fläche unterzubringen. Dabei gab es zum Thema Windenergie schon früh durchaus gewisse Vorstellungen bei der Verwaltung: Wenn schon Windenergie auf dem Stadtgebiet nicht zu vermeiden sei – dann solle der Bürger wenigstens etwas davon haben: In Form eines Bürgerwindparks. 

„Regionale Wertschöpfung gehört zur Energiewende“, hieß es zum Beispiel bereits 2012 von Bauamtsleiter Marcus Henninger. Der Sitz des Windpark-Betreibers wäre in Neuenrade, die Stadt würde profitieren. Die SL-Windenergie zog sich schließlich die Vorrangfläche auf dem Kohlberg an Land. Das Unternehmen ging dann früh und optimistisch an die Öffentlichkeit. 

Dabei wurde deutlich, um wie viel Geld es geht: Rund 36 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen für die sechs Anlagen auf dem Kohlberg, sagte der Gladbecker Investor Klaus Schulze Langenhorst in einem Gespräch, auch die Kreditanfrage für 15 Prozent Eigenkapital sei bei einem örtlichen Kreditinstitut hinterlegt. 

Noch Ende 2016 zeigte sich der Investor optimistisch: „Das Projekt wird sicher realisiert“, sagte er. Und der Kohlberg sei ein windreicher Standort. „Die Wirtschaftlichkeit ist gegeben.“ Der Investor warf damals schon das Thema Klimaschutz in die Waagschale: 45.000 Tonnen CO2 – pro Jahr – würden mit den sechs Windkraftanlagen eingespart werden, behauptet Schulze-Langenhorst. 

Ob die Herstellungskosten dabei schon herausgerechnet wurden, war nicht zu erfahren. Die sechs Enercon-Anlagen (Stand 2016) haben eine Nabenhöhe von 149 Metern und einen jeweilige Rotordurchmesser von 115 Metern. Die Nennleistung pro Anlage soll 3000 Kilowattstunden (kwh) betragen. 

Den Energieertrag aus dem projektierten Windpark bezifferte der Investor mit 60 Millionen Kilowattstunden jährlich. Damit könnten rund „17 000 Drei-Personen-Haushalte pro Jahr versorgt werden“ – behauptet Schulze Langenhorst. Allerdings ist da noch die Lebensdauer: Die Anlagen stehen nicht für immer auf dem Kohlberg. Nach 25 bis 30 Jahren werden sie wieder abgebaut.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare