Verwaltung droht die Überalterung

Stefanie Hensel wird Chefin des Bürgerbüros.

ALTENA ▪ Der Blick zurück ist beliebt, wenn es um den Stellenplan geht – um 41 auf 146 hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Verwaltungsmitarbeiter reduziert, dementsprechend sanken auch die Personalkosten. Darauf ruht sich die Verwaltung allerdings nicht aus.

Sie riskiert jetzt auch einen Ausblick. Tanja Jäker, Bereichsleiterin Interner Service, präsentierte dem Hauptausschuss jetzt eine Prognose für den Zeitraum bis 2020 – und die ist stellenweise alarmierend.

„Wir haben ein demografisches Problem“, stellte Jäker fest. Schon jetzt ist über die Hälfte der Mitarbeiter über 50 Jahre alt, das Durchschnittsalter wird in den nächsten zehn Jahren von jetzt 47 auf 54 Jahre steigen. Es wird dann so gut wie keine unter 50-Jährigen mehr geben.

42 Mitarbeiter werden bis 2020 altersbedingt ausscheiden, hat Jäker errechnet und sich auch Gedanken darüber gemacht, was dann zu tun ist. Vier Stellen betreffen die Feuer- und Rettungswache. Sie müssen neu besetzt werden, um die Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten. 17 Reinigungskräfte werden ausscheiden, ihre Aufgaben werden der schon lange geübten Praxis folgend an Privatunternehmen vergeben. Bleiben 21 Stellen in der Kernverwaltung – die dort ausscheidenden Mitarbeiter sollen durch „interne Umbesetzungen“ ersetzt werden.

Was darunter zu verstehen ist, verdeutlichte der Bürgermeister wenig später: Wie berichtet, scheidet Wolfgang Schnapka Anfang 2011 aus. Seine Nachfolgerin wird Stefanie Hensel, die sich bislang im Rathaus um Nais, Stellwerk und ehrenamtliches Engagement kümmert und damit eine so genannte „Stabsstelle“ bekleidet. Die werde nicht neu besetzt, kündigte Hollstein an – ein Teil dieser Aufgaben soll Hensel auch als Bereichsleiterin im Bürgerbüro noch erledigen, den Rest müsse „das Team“ eben mit übernehmen.

Der Bürgermeister machte aber auch deutlich, dass es so auf Dauer nicht mehr gehen wird. Es sei „wirklich ein sehr theoretischer Ansatz“, sämtliche bis 2020 wegfallende Verwaltungs-Stellen zur Disposition zu stellen. „So viele Stellen hat die Verwaltung nicht über“, warnte der Bürgermeister.

Spätestens hier landet die Verwaltung in der Zwickmühle: Ausbildung wird im Rathaus nicht gerade groß geschrieben. Weil frei werdende Lehrstellen im Baubetriebshof und in der Bücherei nicht wieder besetzt werden, gibt es bald nur im Bäderbetrieb einen Auszubildenden. In der eigentlichen Verwaltung wird schon länger nicht mehr ausgebildet, es fehlt damit an jungem Personal, das gezielt auf Aufgaben in der Stadtverwaltung vorbereitet werden könnte.

Deshalb wird die Verwaltung in den nächsten zehn Jahren um Neueinstellungen nicht herumkommen. Vorher müsse aber auf jeden Fall geprüft werden, welche Effekte durch die angestrebte Zusammenarbeit mit der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde möglich würden, sagte Hollstein. ▪ ben.-

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