Verlängerung des Lockdowns

Gastronom sauer: Politiker „machen mit uns, was sie wollen“

Reinhold Thun in der Küche seines Hotel-Restaurants Alte Linden in Altena-Dahle
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Reinhold Thun in der Küche seines Hotel-Restaurants Alte Linden in Altena-Dahle

Gastronom Reinhold Thun ist enttäuscht. Er hätte sich vom Bund-Länder-Gipfel deutlich mehr für seine Branche erhofft. Er kann einige Entscheidung nicht nachvollziehen - und hat klare Forderungen.

Altena – Eine Öffnungsperspektive ist es, die sich das durch den Lockdown so hart getroffene Hotel- und Gastgewerbe zwingend wünscht und einfordert. „Wir müssen einfach wissen, woran wir sind und wann es weitergehen kann. Wir brauchen einen Zeitplan. Es muss mal etwas Konkretes gesagt werden“, betont Gastronom Reinhard Thun.

Sein Hotel-Restaurant Alte Linden in Dahle liegt wegen der Pandemie so gut wie brach. Der Außer-Haus-Verkauf von freitags bis sonntags wird zwar gut angenommen, ist aber mit Blick auf den Umsatz natürlich kein Vergleich zu „normalen“ Zeiten.

Hotelbetrieb: „Februar ist ganz tot“

Und auch der Hotelbetrieb – im Haus befinden sich 15 Zimmer – läuft auf Sparflamme, seitdem Übernachtungen nur noch für Monteure oder Geschäftsreisende erlaubt sind. „Im Januar hatten wir noch ein paar Übernachtungen von Geschäftsleuten und Handwerkern, der Februar ist aber jetzt ganz tot, was auch am Wetter liegt“, sagt der 70-Jährige, der lieber heute als morgen wieder öffnen würde für seine Gäste im Restaurant und Hotel.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat mit Vertretern zahlreicher Branchen am Dienstag (16. Februar) in einem digitalen Wirtschaftsgipfel über die derzeitigen Corona-Nöte, Wirtschaftshilfen, mögliche Öffnungsperspektiven sowie über die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz gesprochen. Kurz vor dem Gipfel hatte Altmaier vor den Folgen einer möglichen dritten Corona-Welle gewarnt und damit die Hoffnungen auf Lockerungen gedämpft.

Lockerungen ab Inzidenz von 35 stößt auf Unverständnis

Dass bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Öffnungsperspektive für das Gastgewerbe gar nicht erst diskutiert wurde, stieß dem Wirt aus Dahle wie so vielen seiner Kollegen bitter auf. „Ich hatte mir natürlich wesentlich mehr erhofft. Wir in der Gastronomie sind vom Lockdown mit am längsten betroffen und brauchen Perspektiven“, grummelt Thun, der sich angesichts einer sinkenden Inzidenz wenigstens einen Stufenplan für Lockerungen gewünscht hätte.

Bei einer Inzidenz von 50 sollten von Bund und Länder Corona-Beschränkungen gelockert werden, seit vergangener Woche weiß aber auch Reinhold Thun, dass nun ein Inzidenzwert von 35 als neuer Corona-Maßstab gilt. Die 35 ist also die neue 50. „Dazu fällt mir wirklich gar nichts mehr ein. Die machen mit uns, was sie wollen“, grantelt der Dahler Gastronom.

Novemberhilfe angekommen

Immerhin: Die staatliche Novemberhilfe für das Hotel-Restaurant Alte Linden ist komplett ausbezahlt worden, auch eine Abschlagszahlung für die Dezemberhilfe ist eingegangen. Reinhold Thun aber kennt Gastronomiebetriebe, die die Novemberhilfe noch nicht komplett erhalten und wegen fehlender Liquidität große bis existenzielle Probleme haben, weil die Fixkosten auch ohne Einnahmen weiter laufen.

„Die Hilfen hätten deutlich schneller da sein müssen“, meint Reinhold Thun, der nun über seinen Steuerberater die Überbrückungshilfe III beantragen wird. Viel lieber wäre ihm aber, er könnte nach langer Corona-Zwangspause wieder öffnen und seine Gäste – natürlich mit Hygienekonzept – wieder verwöhnen und verköstigen.  Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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