Kallis’ Hasenmord

+
Autorin Kathrin Heinrichs kommt gerne nach Altena, und die Altenaer kommen gerne zu ihr. ▪

ALTENA ▪ Obwohl die Begriffe „Schön“ und „Evingsen“ null Treffer bei Google brachten kommt Kathrin Heinrichs anscheinend gerne ins Altenaer Bergdorf. Im Evingser Gemeindehaus war die Autorin und Kabarettistin am Montagabend bereits zum vierten Mal zu Gast. „Gut und schön“ ist der Titel des neuesten Programms mit Lesung und Kabarett.

122 Eintrittskarten-Vorbestellungen hatten die „Evis“, eine kirchliche Frauengruppe und Ausrichter des Abends, im Vorfeld entgegen genommen und mit 140 Besuchern war das Gemeindehaus fast restlos gefüllt.

Zunächst präsentierte die sympathische Mendenerin ihr neuestes Werk, den neunten Band der Vincent-Jakobs-Krimis „Heimatrausch“. Der gebürtige rheinländische Lehrer und Hobbykommissar muss in diesem Band wegen einer verlorenen Wette das Skifahren lernen und versucht mit Skilehrer „Kante“ ins Gespräch zu kommen. Doch das ihm angeborene „rheinische Smalltalk-Gen“ findet bei „Kante“ kein Echo und er selber möchte nach mehreren gescheiterten Versuchen doch lieber „passiver Skifahrer“ bleiben.

Viel Spass hatte das Publikum auch mit einer Geschichte aus Heinrichs neuem Kurzkrimi-Sammelband „Um die Ecke gebracht“. Wie es der Titel beschreibt hat Herr Schlockmann aus der „Selbstbestimmtes Leben im Alter“-WG die Kaninchen von Mitbewohner Kalli „um die Ecke gebracht“, um den Rasen mähen zu können. Nicht ahnend dass die Langohren wirklich nur um die Hausecke in einen anderen Auslauf gebracht wurden erschlägt Kalli den vermeintlichen Hasenmörder mit dem Spaten. Die demente Mitmieterin glaubt an eine Shakespeare-Aufführung und Betreuer Detlef lässt den Totschlag wie einen Unfall aussehen.

Witzig auch die Alltags-Satiren im neuesten Nelly-Band „Nellys Leben steht Kopf“. Der Besuch mit dem Pflege-Hamster beim Tierarzt und die Kommentare der ebenfalls im Wartezimmer sitzenden Tierliebhaber, ob Mops- oder Huhn-Besitzer, und auch der Bericht über Nellys Diätversuche – Heinrichs gab zu, dass es gewisse Parallelen zu ihrem eigenen Leben mit Mann, drei Kindern und Hund gibt.

Nach der Pause, in der die Evis die Besucher mit Wasser, Wein, Sekt und kleinen Knabbereien bewirteten, betrat Helga Hammer-Gescheidt die Bühne. Ist Kathrin Heinrichs in ihrem Programm mit dem Titel „Schön und gut“ für den zweiten Teil zuständig, so nimmt ihre Figur der Lehrersgattin den Titel „Schön“ für sich in Anspruch. Mit Perücke und Glitzerfummel erklärte die Ehefrau von Lehrer „Bennat“, dass sich mit zunehmendem Alter und der damit verbundenen Gewichtszunahme Kontinentalplatten-Verschiebungen mit Erhebungen und Kraterbildungen am eigenen Körper beobachten lassen. Helga geht mit der Zeit, besitzt ein „Smattfon“ und ist Nutzerin von facebook: „Das ist doch toll, da kann sogar jemand wie mein Mann Freunde finden!“ Tiefgründige Herbstgedichte hat sie geschrieben und macht sich Gedanken, was nach dem Ableben mit ihrem Bernhard geschehen könnte. „Man kann ja aus der Asche Verstorbener einen Diamanten pressen lassen, wie viel Karat gibt das wohl bei Bennat?“ fragt sie das Publikum. „Obwohl, der ist so pragmatisch, der will bestimmt lieber ein Brikett werden!“

Erst nach einer Zugabe über Familienhund Bodo und die Zustände im heimischen Schlafzimmer entließen die überwiegend weiblichen Besucher Kathrin Heinrichs in den wohlverdienten Feierabend. ▪ sis

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare