Nettenscheid: Stadt hat viele Fragen

Hochhäuser Nettenscheid
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Gerodet wurde in den Außenanlagen der Nettenscheid-Häuser zu einer Zeit, wo das nicht erlaubt war .

Unübersichtlich bleibt die Lage im alten, nahezu leer stehenden Hochhaus-Komplex an der Blackburner Straße auf dem Nettenscheid. Ercan Topal, der sich dort Ende August als Verwalter vorgestellt hatte, sagte im Gespräch mit dem AK nun, dass er Eigentümer von 59 Wohnungen in dem Komplex werde, der immer mehr verfällt und ein Schandfleck ist.

Altena – Der Eigentumsübergang sei aber „noch nicht vollzogen“. Viele der gegenwärtigen Eigentümer seien froh, wenn sie die Wohnungen abgeben könnten, sagt der Geschäftsführer der Firma Immoeuro23 aus Ostfildern bei Stuttgart. Diese kümmert sich laut eigenem Internetauftritt um die Wertermittlung von Immobilien und die Erstellung von Verkehrswert-Gutachten.

Natürlich wirft man auch in der Stadtverwaltung ein Auge auf das, was auf dem Nettenscheid geschieht. „Wie viele Wohnungen Herrn Topal gehören, kann ich zurzeit nicht verifizieren“, sagt Ulrike Anweiler, Leiterin des Ordnungsamts. Man sei dabei, die Angelegenheit durch das Amtsgericht prüfen zu lassen – und zwar durch Einsicht ins Grundbuch.

Rechtssicherheit ist im Moment das Wichtigste.

Ulrike Anweiler

Die zuständige Mitarbeiterin des Amtsgerichts müsse sich durch dicke Akten arbeiten. „Rechtssicherheit ist im Moment das Wichtigste“, so Ulrike Anweiler. Es gehe dabei auch darum, zu prüfen, ob Topal auf legale Weise zum Eigentümer und/oder Verwalter geworden sei. „Wir wissen momentan noch nicht, woran wir sind. Das ist alles, was ich sagen kann.“

Jüngst hatte das Ordnungsamt Arbeiten an den Grünanlagen rund um die heruntergekommenen Gebäude gestoppt, weil dabei gegen Vogelschutzauflagen verstoßen wurde. „Ab dem 30. September ist das wieder erlaubt, dann machen wir weiter“, kündigt Ercan Topal an.

Die Substanz der Häuser hat in den vergangenen Jahren stark gelitten..

Nicht zum ersten Mal beschäftigt das Thema Hochhauskomplex Nettenscheid Stadtverwaltung und Kommunalpolitik. Im Jahr 2011 gab Stadtplaner Roland Balkenhol dem Rat einen Überblick über die komplizierte Situation: Es gibt dort insgesamt 120 Wohnungen, die 83 verschiedenen Inhabern gehörten. Etwa 75 Prozent der Besitzer seien insolvent, hatte Balkenhol geschätzt. „Das Elend begann in den 1990er Jahren, als die Investoren Heinrich Rösch und Heribert Jackels den Hochhauskomplex kauften. Sie hatten große Pläne: Aufwertung, Aufteilung in Eigentumswohnungen, Verkauf mit Vermietungsgarantie“, schrieb das AK im Dezember 2011. „Dutzende von Käufern, fast alle weit entfernt von Altena lebend, schlugen zu – und erlebten ein finanzielles Fiasko, als Strom- und Gasrechnungen nicht mehr bezahlt wurden und die Mieter daraufhin in Scharen die Wohnungen verließen. Gegen Rösch und Jackels ermittelte später der Staatsanwalt – ohne Erfolg, die Geschäftsmänner wurden in zwei Instanzen freigesprochen. Eine Betrugsabsicht könne ihnen nicht nachgewiesen werden, meinten die Richter.“

Ein weiteres Kapitel der unrühmlichen Geschichte

Nun folgt also ein weiteres Kapitel in der Geschichte Hochhaus-Komplex Nettenscheid: Ercan Topal kündigt an, dass er am kommenden Freitag für einen weiteren Termin auf dem Nettenscheid sein werde. Dabei gehe es um die statische Überprüfung der dortigen Tiefgarage. Topal hatte bereits zuvor erklärt, seine Wohnungen im Komplex renovieren und dann wieder vermieten zu wollen. Sein Ziel: „Eine ganz normale Wohnanlage, wie sie das früher auch war.“

Der Verwalter soll bei einem Gespräch mit Vertretern der Stadt, bei dem neben Stadtplaner Roland Balkenhol auch Ratsherr Ulrich Biroth (SDA) zugegen war, von einer Investition in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro gesprochen haben. Damals hatte es geheißen, er besitze 41 Wohnungen.

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