Werkfeuerwehr genießt im Unternehmen einen hohen Stellenwert

VDM-Wehr Altena schult ABC-Spezialisten

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21 Lehrgangsteilnehmer bedeutet auch, dass für die Ausbildung 21 solcher Vollschutzanzüge benötigt wurden. Sie sind bei Chemieunfällen Pflicht.

Altena - VDM Metals lässt sich ihre Werkfeuerwehr in Altena und Werdohl richtig was kosten: Knapp zwei Dutzend Mitarbeiter waren in den vergangenen acht Tagen von ihrer normalen Tätigkeit freigestellt, um an einem ABC-Lehrgang im Werk Linscheid teilzunehmen. 

Mit dabei waren auch Mitarbeiter der Firma Hexion in Letmathe, die ebenfalls über eine eigene Werkfeuerwehr verfügt.

Dass in dem Unternehmen seit etwa eineinhalb Jahren verstärkt für ein Engagement in der Werkfeuer geworben wurde, hat gute Gründe: Von der Bezirksregierung anerkannt werden nur solche Werkfeuerwehren, die immer dann einsatzbereit sind, wenn im Unternehmen gearbeitet wird. 

Weil es in beiden Werken an ausgebildeten Feuerwehrleuten fehlte, war die Anerkennung gefährdet – schlecht fürs Unternehmen, für das eine Werkfeuerwehr durchaus handfeste Vorteile etwa bei den Versicherungen mit sich bringt. Außerdem sei es an beiden Standorten seit Jahrzehnten gute Tradition, dass es eine eigene Wehr gebe, erklärte Unternehmenssprecher Philipp Verbnik.

Prüfer unter sich: Arnd Guetschow, Alexander Grass und Michael Halbasch.

Das Werben um neue Mitglieder führte zum Erfolg: Im Frühjahr wurde eine Grundausbildung durchgeführt, jetzt folgte eine ABC-Ausbildung – in beiden Werken wird viel mit Chemikalien gearbeitet, sodass es nur gut sein kann, wenn für Störfällegut geschulte Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. 

Das dafür erforderliche Material ist da: In beiden Werken gibt es einen Gerätewagen Gefahrgut. In Altena ist dass ein ausgemusterter Unimog der kommunalen Wehr, der aber bald durch ein neues Fahrzeug ersetzt wird. In Altena stehen vier Fahrzeuge und ein großer Anhänger, Werdohl hat sogar fünf Autos. Beiden Wehren stehen etwa 60 Feuerwehrleute zur Verfügung.

60 Mann stark

Die Grundausbildung im Frühjahr erfolgte durch die VDM-Wehr selbst, für die sehr spezielle ABC-Ausbildung mussten externe Fachleute engagiert werden. Zwar können die Angehörigen der Werkfeuerwehren auch an Lehrgängen des Märkischen Kreises teilnehmen – 21 ABC-Ausbildungen auf einen Schlag wären dort aber kaum möglich gewesen. 

VDM-Wehr schult ABC-Spezialisten

Deshalb wurde mit der Firma RuhrProtect aus Meschede ein Unternehmen verpflichtet, das sich den betrieblichen Brandschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Es erstellt unter anderem Brandschutzkonzepte und Gefährdungsanalysen, kann aber auch Ausbildungsaufgaben für die Werkfeuerwehren übernehmen. Acht Tage, etwa 890 Stunden – es dauert, bis ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau sich mit dem Titel „Einheiten im ABC-Einsatz“ schmücken kann.

Aus dem Tankwagen tropft es: RuhrProtect hat für die Ausbildung sogar einen speziell präparierten Übungsanhänger mitgebracht.

Nackte Zahlen zeigen, dass der Lehrgang kein Zuckerschlecken ist: 21 Vollschutzanzüge wurden für den Lehrgang benötigt, knapp 200 Atemluftflaschen mussten anschließend neu befüllt werden. 

Während solcher Lehrgänge lernen die Teilnehmer, wie sie sich bei Einsätzen mit Gefahren durch radioaktive Stoffe und Materialien (A–Einsatz), biologische Stoffe und Materialien (B–Einsatz) und chemische Stoffe und Materialien (C–Einsatz) zu verhalten haben und lernen, Stoffe zu erkennen, von denen bei Herstellung, Verwendung, Lagerung und Transport besondere Gefahren ausgehen können. 

Natürlich steht auch das richtige Verhalten bei einer Havarie auf dem Lehrplan. Was sie alles gelernt haben, das zeigten die Teilnehmer bei der Abschlussprüfung am Mittwoch. Dort stand zunächst der theoretische Teil an – ausgewertet wurden die Fragebögen nicht nur von Michael Halbasch, dem Leiter der VDM-Werkfeuerwehr, sondern auch von Altenas Wehrführer Alex Grass und von einem Mitglied der Werkfeuerwehr von Thyssen-Krupp in Duisburg.

Praktische Prüfung

Spannend dann die praktische Prüfung auf dem Gelände des VDM-Werks Linscheid: Bei der Anlieferung von Chemikalien ist einen Unfall passiert. Chlorwasserstoffsäure läuft aus einem Tank aus, ein bewusstloser Arbeiter mus geborgen und versorgt werden. Einsatzkräfte in absolut wasser- und luftdichten Vollschutzanzügen nähern sich dem Tank, um herauszufinden, um welche Stoffe es sich handelt. Andere schauen aus sicherer Entfernung in Listen und im Laptop nach, wie damit umzugehen ist.

Eine gute Ausrüstung ist VDM wichtig.

 Am Ende werden die Risse im Tank mit speziellen Dichtkissen verschlossen und die Träger der Vollschutzanzüge können sich zur inzwischen aufgebauten Dekontaminierungsstelle begeben, wo die Chemikalien abgespült werden – natürlich wird das dabei verwendete Wasser zum Schutz der Umwelt aufgefangen. Am Rande der Übung zeigten sich die Mitarbeiter von RuhrProtect erstaunt über die enge Zusammenarbeit der VDM-Werkfeuerwehr mit den kommunalen Wehren. 

Dieses Miteinander liege dem Unternehmen sehr am Herzen, sagte Verbnik. In Altena bedeutet das zum Beispiel, dass das Thema Gewässerschutz komplett bei VDM beheimatet ist, nur dort gibt es eine Ölsperre, die über die ganze Lenne reicht.

Zusammenarbeit mit der kommmunalen Wehr

Die kommunale Wehr ist zwar auch für ABC-Einsätze ausgerüstet, VDM verfügt aber über deutlich mehr Schutzanzüge. „Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, sind die Gerätewagen Gefahrgut bei uns und bei der kommunalen Wehr praktisch identisch aufgebaut“, erklärt Bernd Duske, der stellvertretende Leiter der Altenaer VDM-Wehr. Sogar mit Einsatzkleidung können sich die Einheiten untereinander aushelfen – „so eine enge Zusammenarbeit ist wirklich die absolute Ausnahme“ staunt Arnd Guetschow von Ruhrprotect.

Stichwort:

Den letzten realen Feuerwehreinsatz im Werk Altena gab es im April – bei Flexarbeiten war ein Container mit Metallspänen in Brand geraten. Die werkseigene Sirene (die nur vom Pförtner ausgelöst werden kann) rief die VDM-Wehr zum Dienst, die im Nu vor Ort war und genau wusste, was da brannte – das ist gerade in solchen Fällen wichtig, weil sich daraus ergibt, welches Löschmittel eingesetzt werden muss. Größerer Schaden konnte damit vermieden werden. Auf kommunaler Ebene half die VDM-Wehr in diesem Jahr unter anderem bei den Waldbränden am Wixberg. 

2017 half sie aus, als ein Teil der Altenaer Wehr durch eine Übung gebunden war und am Nettenscheid ein Haus im Vollbrand stand. Umgekehrt war Altena Feuerwehr zuletzt im November 2011 auf dem VDM-Werksgelände im Einsatz, als nach einer Verpuffung die sehr heiß gewordene Dachkonstruktion in einer Werkshalle gekühlt werden musste.

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