Urteilsvollstreckung des Evingser Femegerichts

Das ganze Dorf auf den Beinen

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Die Schützen von Zug 5 mussten ordentlich ran.

Altena – Die Strafe war hart – sehr hart. Etliche Stunden verbrachten die Evingser Schützen des fünften Zugs damit, sie zu verbüßen. Das Femegericht hatte sie beim vergangenen Schützenfest dazu verurteilt, ein „Holz-V-äller Camp“ auszurichten.

 Es schien, als sei das ganze Dorf auf den Beinen. Immer mehr Evingser kamen nach Elfenfohren. Mit Bussen, mit Autos oder zu Fuß reisten sie an – denn die Urteilsvollstreckung wollte niemand verpassen. Die Strafen, die das Femegericht beim Schützenfest verhängt, sind legendär. Dem fünften Zug wurde vorgeworfen, sich nicht ausreichend für den Erhalt einer Linde eingesetzt zu haben. „Der Baum stand vor unserem Treffpunkt, dem Waldmann. Die Stadt befand, dass er krank sei und fällte ihn“, erklärte Zugführer Timo Manke. Gemeinsam mit den drei anderen Zugführern organisierte und plante er den Tag. „Das Schwierigste war, einen Termin zu finden“, erklärte Manke. Der Rest sei zwar viel Arbeit gewesen, aber gut umzusetzen. Durch ein großes Tor mit dicken Sägeblättern betraten die Besucher das Camp und tauchten ein in eine andere Welt. Hätte es die Gäste nicht besser gewusst, hätten sie auch denken können, sie seien irgendwo in Kanada. Die Verurteilten hatten ihre Strafe mit jeder Menge Liebe zum Detail umgesetzt. Hinzu kam das urige Ambiente des Bauernhofs. Ein riesiger Wegweiser zeigte den Besuchern den Weg. In schier jedem Winkel gab es etwas zu entdecken. Die kleinen Besucher rannten sofort in Richtung Reitplatz. Der in eine Arena verwandelt wurde. Hier gab es Ponyreiten, eine Schminkecke, Seifenblasen und vieles mehr. Im Stall gab es einiges zu sehen und zu hören. Die Zögermusikanten sorgten für Stimmung während des Kaffeetrinkens. Die Line Dancer der Renegades Lüdenscheid brachten Wild-West-Atmosphäre nach Evingsen. In der Scheune wurden die Besucher kulinarisch verwöhnt und im Innenhof zeigten Künstler ihre Arbeit. Laut war es beispielsweise bei Motorsägenkünstler Kai Mathias. Gekonnt arbeitete er mit der schweren Säge kleinste Zeichnungen in dicke Stämme. Ein paar Meter weiter gewährte ein Schmied Einblicke in seine Arbeit. Im Mittelpunkt standen die Wettkämpfe unter den einzelnen Zügen. Beispielsweise gab es eine Sägestaffel. Dabei war Kraft und Geschick gefragt – und auch ein wenig die richtige Säge. Während die einen kämpften, den dicken Stamm durch zu bekommen, glitt die Säge bei den anderen schier Mühelos durch das Holz. Laut erschallten die Anfeuerungsrufe aus dem Publikum. Natürlich darf bei einer Evingser Urteilsvollstreckung Party nicht fehlen. Die Band Oelspur und im Anschluss ein DJ spielten zum Tanz auf. Die Evingser ließen sich trotz der heißen Temperaturen nicht lange bitten – jedoch fielen die dicken Bärte schnell. Unter der aufgeklebten Verkleidung und in den dicken Woll-Holzfällerhemden sowie den Fellmützen wurde es dann doch zu warm – Evingsen liegt halt nicht in Kanada. Die Organisatoren zeigten sich zufrieden, und auch das Femegericht konnte nicht meckern. Die Mitglieder des fünften Zugs hatten ihre Strafe mehr als ordentlich umgesetzt.

Galerie im Internet: Weitere Fotos vom Fest finden Sie unter www.come-on.de

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