Ursula Buschmann erbt Familiengeschichte

„Bruno, kannst du uns die Madonna machen?“

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Im großväterlichen Nachlass hat Ursula Buschmann viele detailgetreue Zeichnungen entdeckt. - Fotos: Ina Hornemann

ALTENA - Kurz vor Weihnachten hat Ursula „Ülle“ Buschmann ein Stück Familiengeschichte geerbt: Der Nachlass ihres Großvaters Bruno Dornhegge birgt einen Schatz, den Freunde der Kirchenkunst bestimmt schon einmal gesehen haben.

Von Ina Hornemann

Der aus Nordkirchen/Capelle stammende Kirchenmaler war verstärkt im Münsterland aktiv. Das Künstler-Gen trägt seine Enkelin noch heute in sich.

Kennengelernt hat Ursula Buschmann ihren Großvater nicht. Er starb 1951. Seinen Betrieb hat die Enkelin dennoch in- und auswendig gekannt: Sie übernahm ihn später von ihrem Vater Josef Bönninghoff, der 1951 in die Familie eingeheiratet hatte.

Gemeinsamkeit von Opa und Enkelin

Großvater und Enkelin teilen bis heute eine Gemeinsamkeit: Für die Familie ließen beide die schönen Künste ruhen: Als Bruno Dornhegge seine erste Frau heiratete und eine Familie gründete, gab er die Kirchenmalerei auf und machte seinen Malermeister, um ein sichereres Einkommen zu erwirtschaften. Ursula Buschmann ging es später ähnlich: Die Vernunft siegte, als es ihrem Vater schlecht ging. Mit 15, kurz nach der Mittleren Reife, sprang sie ein, absolvierte die Malerlehre und ließ das Talent für bildende Kunst in sich ruhen. Erst als ihre eigenen Kinder flügge wurden, nahm sie das Kunststudium auf und gründete ihr eigenes Atelier in der Lennestraße.

Das war Bruno Dornhegge...

Dort stehen nun die Kisten mit Großvaters Vorlagen. Handgeschnittene Schablonen, detailverliebte Entwürfe und Portraits sind darin zu finden. Und Briefe mit der schönen geschwungenen Handschrift Bruno Dornhegges.

Dessen Eltern hatten einst andere Pläne für ihren um 1870 geborenen Sohn: Der Bauernspross sollte katholische Theologie studieren und Priester werden. „Aber mein Großvater verliebte sich einfach immer wieder. Da war das Studium der Kirchenmalerei der einzige Kompromiss, den er eingehen konnte“, gibt Ursula Buschmann die Erzählungen ihrer Großmutter Anna wieder. Die war Novizin im Kloster und war ebenso für ein geistliches Leben vorgesehen, wie Bruno Dornhegge. Als er Anna kennenlernte, war er schon Witwer und stand mit vier Kindern allein da. Die angehende Nonne entschied sich um und heiratete in die Familie ein. Vier weitere Kinder kamen im Laufe dieser Ehe hinzu. Und im Malerbetrieb in Nordkirchen/Capelle gingen immer wieder mal Anrufe ein: „Bruno, kannst Du kommen und uns die Madonna machen?“ Einsätze im gesamten Bundesgebiet folgten solchen Hilferufen. „Großvater war aber wohl ein Gruppenmensch. Er malte gern in der Kolonne. Und er war für seine Gewissenhaftigkeit bekannt“, schildert Ursula Buschmann.

... und das war seine zweite Frau Anna, Ursula Buschmanns Oma.

Den vom Großvater gegründeten Betrieb führte sie nach dem Tod ihres Vaters 1974 noch zwei Jahre eigenständig als Meisterin weiter. Erst, als sie ihre eigene Familie gründete, zog sie aus ihrem Geburtsort Capelle fort und der über drei Generationen fortgeführte Malerbetrieb wurde geschlossen. Nun wird der Haushalt nach dem Tod der Mutter aufgelöst. Drei Malergenerationen haben dort ihre Spuren hinterlassen. Mit der Durchsicht des großväterlichen Nachlasses schließt sich ein Kreis für die Enkelin. Der Kunst des Opas hat sie in ihrem Atelier einen Platz eingeräumt. Und obwohl sie ihn nie kennengelernt hat, hat Bruno Dornhegge auch einen festen Platz in ihrem Herzen.

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