Schlafen und wohnen im Schäferwagen:

Urlauben auf sechs mal drei Metern im Tiny House auf Großendrescheid

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Kai Spelsberg demonstriert es: Über eine mobile Treppe gelangen Gäste in den komfortabel ausgestatteten Schäferwagen. Teammitglied Anna Katharina Denkhaus (r.) hat sich schnell in die Zimmerservice-Routine auf kleinstem Raum eingefunden.

Altena - Hirten mussten ihn nutzen, amerikanische Studenten richteten sich aus Bequemlichkeit und Wohnungsnot drin ein und heute ist es einfach Hip, im Schäferwagen Urlaub zu machen. Seit dem 8. Mai steht ein voll ausgestattetes „Tiny House“ auf dem Hof der Familie Spelsberg. Die ersten Übernachtungsgäste lieben das Wohnen auf sechs mal drei Metern.

Peter Lustig duschte mit der Gießkanne in seinem gemütlichen Fernseh-Bauwagen in der Sendung Löwenzahn. „Das müssen unsere Gäste natürlich nicht“, erklärt Kai Spelsberg lachend und öffnet die Tür zum neusten Gästezimmer des Traditionsunternehmens. Darin befindet sich eine komfortable Duschkabine nebst Toilette und Waschbecken. Wenige Schritte davon entfernt ist auf Maß ein zwei Meter langes Bett eingebaut inklusive gemütlicher TV-Ecke mit Flachbildschirm.

Das Frühstück wird an einem Thekentisch mit Barhockern eingenommen, gleich dahinter steht das gemütliche Bett.

Dazwischen ist sogar noch Platz für eine kleine Küchenzeile mit Kaffeemaschine, Kühlschrank und Spülbecken. Den Wasserhahn muss man herunterklappen, um das nach innen öffnende Küchenfenster aufzumachen. „Generell könnte man auch noch eine Kochplatte integrieren, erklärt Kai Spelsberg. „Aber auf so kleinem Raum kriegt man die Küchengerüche kaum raus.

Frühstück aus der Hotel-Küche

Deshalb wird hier Frühstück serviert und wenn dem Gast nach einem warmen Essen ist, dann bereiten wir das gerne in unserer Küche im Restaurant zu.“ Spelsbergs haben für den Komfort-Schäferwagen viel Aufwand betrieben. „Unter die Wiese von unserem Grillplatz haben wir eine Abwasserinfrastruktur legen lassen, sonst hätten wir ja kein Badezimmer einbauen lassen können“, erläutert Kai Spelsberg. Beheizt werden kann das besondere Gästezimmer auf zwei Arten: Einmal über eine reguläre Zentralheizung und zweitens über einen winzigen Kamin, für den das Haus sogar einen kleinen Brennholzverschlag vorhält. „Das ist aber eher ein Gemütlichkeitsfaktor. Im Winter müsste man 24 Stunden lang nachlegen, damit der Raum nicht auskühlt. Dafür ist der Wagen im Sommer schön kühl, der ist richtig gut isoliert.“

Platzsparend sind die Teller, Tassen und Gläser untergebracht fürs Frühstück am Morgen.

Papa Karl-Friedrich Spelsberg hat ihn in Bayern persönlich abgeholt bei der Holzbaufirma Pletz. „Die Heimreise hat zwei Tage gebraucht mit einer Höchstgeschwindigkeit von 73 Stundenkilometern auf der Autobahn, schildert Kai Spelsberg lachend. Die Familie kam durch eine TV-Reportage über amerikanische Tiny Houses auf die Idee, ein solches Fremdenzimmer selbst anzubieten.

Fremdenzimmer

„Der Hersteller unseres Schäferwagens bietet verschiedene Ausstattungsvarianten an und baut alles fertig auf Maß. Wir brauchten wegen der akuten Nachfrage ohnehin ein weiteres Zimmer, da haben wir uns für diese Erweiterungsvariante entschieden“, erklärt Kai Spelsberg. Rein rechtlich betrachtet ist der Schäferwagen ein Fahrzeug, das jedes halbe Jahr bewegt werden muss, um nicht als befestigter Bau zu gelten. Schafe gibt es in unmittelbarer Nähe nicht, aber dafür gibt es in der Umgebung Pferde und Kühe und außerdem kommen gelegentlich die Mini-Ziegen Bibi und Annabell zum Vorplatz. Übernachten können übrigens zwei Personen im Tiny House, das Bett ist geräumig genug dafür. Und es wird natürlich täglich vom Zimmerservice frisch gemacht.

Auf ein Wort: Die Tiny-Haus-Bewegung und -Idee:

Die Tiny House-Bewegung ist ein Trend aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Entwickelt wurde sie aus einem Personenkreis, der sich hinsichtlich der Größe des Wohnraums, der Grundstücksfläche sowie der damit verbundenen Kosten reduzieren wollte. Berufspendler und Studenten, die temporär an einem anderen Standort Wohnraum benötigen, sprangen ebenso auf diesen Zug auf. Mit zunehmender Verbreitung mobiler Wohnstätten wurden Tiny Houses auch als Ferien- und Wochenendhäuser, sowie als Büro und Personalwohnungen genutzt. Während in den USA kaum rechtliche Begrenzungen für die mobilen Wohneinheiten auf kleinstem Raum existieren, gelten in Deutschland eine Reihe von Bestimmungen: Mobile Tiny Houses bedürfen einer straßenverkehrstechnischen Zulassung mit TÜV-Abnahme. Für unbewegte Modelle ist eine Baugenehmigung einzuholen. Eine baurechtliche Ausnahme stellt ein Campingplatz dar. Auf solchen ausgewiesenen Flächen regelt die Campingverordnung der Bundesländer die temporäre und dauerhafte Nutzung.

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