Urlaub in Deutschland boomt - Reisebüros gehen fast leer aus

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Beliebtes Reiseziel: Cuxhaven und weitere Orte an der Nord- und Ostseeküste. Die Ferien dort buchen allerdings die wenigsten Menschen im Reisebüro.

Altena - Die Coronakrise hat vielen Reiseplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Inwiefern Auslandsreisen zu einem späteren Zeitpunkt möglich sind, ist noch unklar. Die Alternative: Urlaub in Deutschland.

Sowohl im Reisebüro Zöller, und im Holiday Land als auch bei der Allgemeinen Reiseagentur (ARA) wird mehr nach Reisen im eigenen Land gefragt. „Nicht nur für die eigentliche Saison, auch kurzfristig über Pfingsten oder noch im Mai für einzelne Tage. Viele Kunden, die darauf gewartet haben, dass es wieder losgeht, stehen in den Startlöchern“, sagt Markus Tenne, Inhaber der ARA. Beliebt seien Nord- und Ostsee, aber auch Harz und Mosel. „Es sind vor allem Kunden, die im Frühjahr verreisen wollten, aber wegen Corona nicht konnten“, sagt er.

Einige Kunden, die aufgrund der weltweit geltenden Reisewarnung bis zum 14. Juni ihren Urlaub nicht antreten können, würden ihre Flugreisen aber auch erstmal auf einen späteren Zeitpunkt umbuchen – Kunden ohne Kinder auf September, Familien auf die Herbstferien.

Allerdings fangen die Buchungen für Deutschland-Reisen bei weitem nicht den Verlust der Reisebüros auf. „Es gibt zwar mehr Buchungen für Deutschland, aber es ist nicht mal ein Bruchteil von den Auslands-Buchungen für den Sommer, sondern ein verschwindend geringer Anteil“, sagt Thomas Eltzner, Inhaber des Reisebüros Zöller. Tourismus innerhalb Deutschlands werde heutzutage kaum noch im Reisebüro geplant und gebucht. Und die Auslandsreisen seien großteils storniert worden, da ungewiss ist, wann eine Reise wieder möglich ist. Kunden, deren Reise weiter in der Zukunft liegt, rät er, Informationen des Reiseveranstalters abzuwarten, denn davon sei eine kostenlose Stornierung abhängig.

Eine ähnliche Beobachtung bezüglich Deutschland-Reisen macht Peter Rohe, Inhaber von Holiday Land. „Es gibt Vereinzelte, die zur Nordsee oder nach Bayern wollen. Der Deutschland-Tourismus geht aber immer etwas an uns vorbei“, sagt er. Zudem seien Campingplätze und Ferienhäuser gefragter als Hotels. Denn: Trotz diverser Absagen von Gruppenfahrten erhöhen Hotels die Preise enorm, zum Beispiel auf Norderney. „Bei uns gibt es langjährige Verträge und fixe Preise“, sagt er. In Einzelfällen gab es auch bei gebuchten Ferienhäusern in Dänemark Umbuchungen auf Deutschland.

Er merkt, dass sich die Kunden derzeit in Deutschland am sichersten fühlen. Daher müsse man erst sehen, ob sie auch wieder ins Ausland reisen, wenn es möglich wird. Er vermutet, dass dies nach dem 15. Juni wieder möglich ist und als erstes Reisen nach Kroatien stattfinden können. Das sei zum einen darin begründet, dass man das Land mit dem Auto erreichen könne, zum anderen seien die Vorbereitungen in Kroatien weit fortgeschritten. Danach, glaubt er, kommen Griechenland und Spanien. Und auch die Türkei sei bemüht um einen schnellen Start des Tourismus’. Dort gibt es viele große Hotels, in denen die Anforderungen sogar besser umzusetzen seien. Bisher verzeichnet jedoch auch Peter Rohe mehr Stornierungen als Umbuchungen, da diese vielen zu unsicher seien. Lediglich gebuchte Kreuzfahrten würden häufig um ein Jahr verschoben, da das Programm schon ein Jahr im Voraus feststeht und somit identisch ist. Am Donnerstag konnte Rohe eine erste Neubuchung verzeichnen – für eine Kanaren-Kreuzfahrt.

Null Umsätze bedeuten 100 Prozent Kurzarbeit

„In 40 Jahren hatte ich noch nie Kurzarbeit“, sagt Peter Rohe, Inhaber von Holiday Land. Doch derzeit seien die Umsätze gleich null, da es nur Stornierungen gebe. Das Ostergeschäft ist komplett weggebrochen. Und teilweise müssen auch Provisionen zurückgezahlt werden. Seine acht Mitarbeiter sind alle zu 100 Prozent in Kurzarbeit, da er sie ohne Einnahmen nicht bezahlen kann. Daher werden sein Büro in Altena und ein weiteres in Letmathe nur von ihm und seiner Frau und zu unterschiedlichen Zeiten betreut. Den Lohn für die erste Neubuchung am Donnerstag bekommt er erst, wenn der Kunde im November wirklich die Reise antritt. Mit einer Besserung der Situation rechnet er frühestens zu Ostern 2021 oder 2022.

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