Anette Wesemann spricht über „Urbact“ und die Lerneffekte

Urbact: Diese Europa-Idee hat Altena umgesetzt

+

Altena - Wie kann man junge Freiwillige für bürgerschaftliches Engagement begeistern? Um diese Frage ging es jetzt bei einem Urbact-Treffen, das in Altena stattfand. Thematisiert wurden unter anderem die Arbeit des Stellwerks und der neue TauschRausch-Laden in der Fußgängerzone.

Wie können sich Städte und Gemeinden mit schrumpfender Bevölkerung besser für die Zukunft aufstellen? Eine Frage, die nicht nur in Deutschland angesichts der demografischen Entwicklung ein Dauerthema ist. In Europa haben viele große und kleine Kommunen ähnliche Probleme. Da setzt das von der Europäischen Union (EU) aufgelegte Programm „Urbact – Volunteering Cities“ an.

Vor zwei Jahren ist Altena diesem Arbeitskreis beigetreten. Die Vorgehensweise: europaweit durch Besuche, Seminare und den Austausch von Konzepten voneinander lernen. Die Burgstadt gehört als einzige deutsche Stadt zu diesem finanziell geförderten Arbeitskreis. Die weiteren Teilnehmer kommen aus Zypern, Portugal, Spanien, Italien, Irland, Kroatien und Polen. Altena war kürzlich Gastgeber für Vertreter aller Partner-Gemeinden.

Mehr als 40 Frauen und Männer tauschten sich vier Tage lang an der Lenne über Erfahrungen der beteiligten Partner und die in der eigenen Stadt geübte Praxis im bürgerschaftlichen Engagement aus. Danny Becker und Lisa Engstfeld aus der Verwaltung betreuten die Gäste vor Ort. Die Gesamt-Koordination lag in den Händen von Anette Wesemann. Sie zieht Bilanz.

Was konnte Altena den Vertretern aus Zypern, Portugal, Spanien, Italien, Irland und Kroatien sowie Polen mit auf den Weg geben?

Wir haben die Arbeit des Stellwerks vorgestellt. Es ist in Sachen bürgerschaftliches Engagement der Experte in Altena. Da lag es nahe, den Gästen unsere Arbeit vorzustellen. Wie installiert man Projekte?

Wie werden Ideen praktisch in die Tat umgesetzt? Dazu haben wir uns den Generationentreff Knerling angesehen und mit Klaus Löttgers gesprochen. Außerdem wurde der „TauschRausch“-Laden vorgestellt sowie eine Übersicht über alle übrigen Stellwerk-Projekte gegeben.

Es gab bereits zahlreiche Treffen in diesem Urbact-Kreis. War die Auswertung der Ergebnisse dieser Zusammenkünfte ein wesentliches Thema?

Das Projekt Volunteering Cities hat verschiedene Schwerpunkte. Im Mittelpunkt des Treffens in Altena stand die Frage: Wie kann man junge Freiwillige für das Engagement begeistern? Die Treffen bauen daher aufeinander auf, und jede Stadt kann von der anderen lernen.

Natürlich müssen auch Berichte an das Urbact-Sekretariat abgeliefert werden. Diese Treffen dienen auch dazu, diese Dinge zu besprechen. Zu Gast war bei uns eine junge Dame aus dem Urbact-Sekretariat, um Informationen über die Fortschritte im Projekt zu erhalten.

Stichwort Kinder helfen älteren Menschen: Im Stellwerk gibt es dazu erste Ansätze wie den Smartphone-Treff. In Kroatien ist es bereits Praxis, dass Kindergartenkinder Kontakt zu Senioren aufnehmen, um ihnen im Haushalt zu helfen. Kann Altena davon lernen?

Natürlich sind die Gegebenheiten in allen Ländern sehr unterschiedlich, vor allem was die rechtlichen Rahmenbedingungen angeht. Für uns steht die Frage nach der Erreichbarkeit von jungen Menschen im Mittelpunkt des Projekts.

Schließlich besteht das Stellwerk in erster Linie aus Menschen, die bereits aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. Das Stellwerk braucht Nachwuchs. Von daher sind solche Ansätze wie in Kroatien auch für uns sehr interessant. Jetzt gilt es zu überlegen, was wir hier vor Ort daraus machen können.

Was haben die Teilnehmer nach Ihrer Einschätzung konkret voneinander gelernt?

Jede Stadt hat bereits ihre persönlichen Arbeitsansätze und beschäftigt sich mit dem Thema bürgerschaftliches Engagement. In Athey in Irland beispielsweise steht die hohe Arbeitslosigkeit der Bevölkerung im Mittelpunkt, und die Frage, wie freiwilliges Engagement die soziale Not lindern kann. In Radlin in Polen gibt es einen Stadtteil, der von Bergbau geprägt ist und nun sehr verwahrlost wirkt.

Dort steht die Quartiersarbeit im Mittelpunkt. Jede Stadt hat bei den eigenen Treffen Gelegenheit, ihren Schwerpunkt vorzustellen und sich Anregungen von den übrigen Projektteilnehmern zu holen. Deep Dive (tiefes Tauchen) nennt sich diese Methode. Ich finde sie sehr hilfreich.

Auch für bürgerschaftliches Engagement gilt: Ohne Moos nix los. Welche Erfahrungen haben die anderen Nationen mit dem Thema Finanzierung gesammelt? Sind die auf Altena übertragbar?

In vielen Städten ist Sponsoring natürlich auch ein Thema, viele profitieren davon. So wird in dem kleinen Städtchen Athienou auf Zypern beispielsweise die Milch für den Kindergarten von einem landwirtschaftlichen Betrieb zur Verfügung gestellt.

Auch in Altena wird das Stellwerk ja bereits von vielen Unternehmen und Einzelpersonen unterstützt. Vor allem, wenn man an die Spendenbereitschaft bei der Flüchtlingshilfe denkt.

Das Thema Migrationsarbeit nimmt beim Stellwerk einen großen Stellenwert ein. Seit 2015 ist viel passiert. Welche Wege schlagen die Urbact-Partner von Altena ein, um den Geflüchteten eine neue Heimat zu geben und sie zu integrieren?

Integration ist beim Stellwerk ein wichtiges Thema. Daher wollen wir bei der Projekt-Umsetzung in Altena auch die Geflüchteten als potenzielle Ehrenamtliche mit im Blick haben. In den anderen beteiligten Städten ist das Thema aber nicht relevant.

Gibt es weitere Treffen?

Das nächste Treffen findet im März in Irland statt. Gefolgt von einem weiteren Treffen im Frühsommer auf Sizilien. Abschließend geht es im Oktober zum Lead-Partner nach Zypern. Jede beteiligte Stadt richtet einmal eine Zusammenkunft aus. Treffen in Portugal, Spanien, Polen und Kroatien haben mit unserer Beteiligung bereits stattgefunden.

Wo haben die Gäste gewohnt? In Altena?

Wir haben alle Gäste in Altena untergebracht.

Wie lange läuft das Projekt noch?

Als eines von vielen EU-Transfernetzwerken wurde es 2018 ins Leben gerufen. Die Maßnahme endet im Dezember diesen Jahres. Unsere Zwischenbilanz: Es ist nicht alles, was an guten Ideen auf dem Tisch liegt, auf Altena zu übertragen. Beispiel Zypern: Dort gibt es ein ähnliches Konstrukt wie bei uns das Stellwerk.

Unser Hauptfokus liegt weiter, auch wenn das Programm ausgelaufen ist, auf der Fragestellung, wie wir neue, junge Freiwillige gewinnen können. Es bleibt bis zum Ende der Maßnahme spannend zu hören, wie in anderen Städten vorgegangen wird. Ein Blick über den Tellerrand kann niemals schaden.

In Stellwerk-Teamsitzungen haben wir bereits viele Anregungen diskutiert und aufgenommen. Beispiel: Der neue TauschRausch-Laden ist ein greifbares Ergebnis dieses Prozesses.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare