Unvollendet und bald endgültig unbrauchbar

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Dipl.-Ing. Stefan Höber im Inneren des Stollens. Ganz hinten ist im Lichtschein die gemauerte Wand einer Kammer zu erkennen.

ALTENA ▪ Der Luftschutzstollen am Schwarzenstein wird bald Geschichte sein. Die Firma Feldhaus Bergbau aus Schmallenberg hat damit begonnen, die Anlage aus dem Zweiten Weltkrieg zu „verfüllen“, wie das fachlich heißt. Mit Beton, Zement und so genanntem Dämmer wird der einstige Schutzraum endgültig unbegehbar gemacht und die Hohlräume ausgegossen.

Er war 1943 als so genannter Werkschutz-Stollen in den Felsen getrieben worden, um die Belegschaft des VDM-Werkes am Schwarzenstein im Falle von alliierten Luftangriffen zu schützen.

Weil ein bergtechnisches Gutachten ergeben hatte, dass die Gesteinsstatik am Schwarzenstein offenbar nicht die sicherste ist, wird hier nun im Rahmen einer vorbeugenden Gefahrenabwehr gehandelt. Vor Ort ist Diplom-Ingenieur Stefan Höber mit der Bauleitung betraut. Seit dem 20. Oktober sorgt er dafür, dass von den Hohlräumen auch in Jahrzehnten keine Gefahr ausgehen kann. Für die Arbeiten hat er insgesamt sechs Wochen Zeit. Dazu werden in Abschnitten so genannte Kammern gemauert und anschließend über zuvor verlegte Kunststoffleitungen vergossen. Höber berichtet, dass der Stollen insgesamt 86 Meter lang ist. Er führt U-förmig in den Fels hinein. Der ehemalige Schutzraum ist an den weitesten Stellen vier Meter breit und hat eine maximale Höhe von 3,5 Metern.

Anders als andere Anlagen hat der Schwarzenstein-Stollen nur einen Ein- und Ausgang. Nach Ansicht von Höber deutet das darauf hin, dass die Arbeiten an der Schutzanlage damals nicht zu Ende gebracht wurden. Höber, der sich auch im Hobby mit Bunkern beschäftigt, berichtet, dass in den alten Anlagen des öfteren mal Stahlhelme und Munition gefunden werden. Der Stollen am Schwarzenstein war jedoch kaum ergiebig – es fanden sich alledrings ein Dutzend uralter Apfelsaftflaschen. Die ehemaligen Sitzbänke in der Nähe des Eingangs sind morsch in sich zusammengefallen.

Auch jüngere zivile Schutzräume aus der Zeit des „Kalten Krieges“ werden nicht mehr gebraucht. Räume in Schulen und anderen Gebäuden, die für den Fall eines militärischen Angriffs in Westfalen bereitstanden, werden nach einem Ministeriumserlass von den Bezirksregierungen Arnsberg, Detmold und Münster „entwidmet“. Sie dürfen damit ab sofort für andere Zwecke genutzt werden.

Noch bis in die 1980er Jahre wurden Schutzräume in Gebäuden für die Zivilbevölkerung mit öffentlichen Geldern gefördert. ▪ tk

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