Unterwegs mit Förster Franz-Josef Stein / Insbesondere die Fichte kommt ans Limit

Wald leidet unter Trockenheit und tausenden Buchdruckern

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Mit dem Schäleisen hat Förster Franz-Josef Stein ein Stück Rinde von einem Fichtenstamm abgenommen. Nach den Schädlingen muss er nicht lange suchen.

Altena - Übertreibungen oder Dramatisierungen sind eigentlich seine Sache nicht. Aber Förster Franz-Josef Stein spricht von einer „Katastrophe“, wenn er auf die Fichtenbestände in seinem Revier blickt.

Der sehr trockene Sommer hat dafür gesorgt, dass so gut wie alle Bäume Schwierigkeiten haben, aber die Fichten hat es ganz besonders hart erwischt. Die auch als „Brot-und-Butter-Baum“ beschriebene Pflanzengattung aus der Familie der Kieferngewächse kämpft vielerorts ums Überleben - für zahlreiche Bäume ist es aber bereits zu spät. Zu sehen ist das – auch – am Wixberg. Die Kronen oder der ganze Baum sind braun, keine Lebenszeichen mehr. Neben dem Wassermangel setzen der Fichte Schädlinge wie der Borkenkäfer und der Buchdrucker massiv zu. Sehr kleine Tierchen eigentlich, und doch braucht es nur etwa 150 von ihnen, um einen großen Baum zum Absterben zu bringen, berichtet Stein. Vitale Bäume könnten sich durchaus gegen die Schädlinge wehren, in dem sie einen kräftigen Harzfluss in Gang setzen – für die durch Trockenheit geschwächten Fichten aber ist das keine Option mehr. Allein, die Schädlinge haben durch die Witterung ideale Bedingungen vorgefunden. „Alles was wir tun können, ist größtmögliche Schadensbegrenzung“, sagt Stein. Forstarbeiter werden in die Bestände geschickt, um die befallenen Bäume zu schlagen. Allein das sorgt für einen großen Kostenaufwand, dazu kommt noch, dass es schwer ist, die notwendigen Fachkräfte zu bekommen – und etliche der „Baustellen“ müssen zwei oder drei Mal aufgesucht werden, weiß der Förster.

Um diese Fichtengruppe steht es schlecht. Zwar gibt es – noch – eine grüne Krone, aber andere Bäume sind abgestorben.

Natürlich kommt der Befall und der dadurch notwendige Einschlag zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: „Der Holzmarkt ist ziemlich kaputt“, sagt Stein, „es fließt nichts ab.“ Das ganze Ausmaß der Käfer-Kalamität könne man vielleicht erst 2020 beurteilen, meint der Forstfachmann. Klar sei aber: „Um die Fichte steht es schlecht!“ Eine Sache, die vielen nicht bewusst sein wird: Wenn es einen kalten, trockenen Winter geben sollte – und früh einsetzende Frühlingstemperaturen – dann ist das für Buchdrucker & Co nahezu ideal. „Wir könnten es dann mit einer Invasion zu tun bekommen“, sagt Franz-Josef Stein. Ein einziges weibliches Exemplar stehe nämlich unter guten Bedingungen für bis zu 13000 Nachkommen. Ein weiterer derart trockener Sommer werde dann sogar schnell „existenzbedrohend.“

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