Unterricht im Kinosaal statt im Klassenzimmer

Standen den jungen Leuten Rede und Antwort: Michael Neuhaus (Becker & Partner), Uwe Scholz, CDU-Fraktionschef, Edwin Maringer (Wertpapierhandel Sparkasse), Kai Hagen (Sparkassen-Vorstandschef) und Christel Vossbeck-Kaiser, CDU-Stadtverbandsvorsitzende.

ALTENA - Kinosaal statt Klassenzimmer. Das erlebten gestern 50 Zehntklässler der Richard-Schirrmann-Realschule. Auf Einladung der örtlichen Jungen Union (JU) und des CDU-Stadtverbandes Altena sahen sie sich im Apollo-Kino den Film „Wall Street – Geld schläft nicht“ mit Michael Douglas an.

Der 136-Minuten-Streifen war quasi das Auftakthäppchen zu einem besonderen Sozialkunde-Unterricht, den dann im Kinosaal Sparkassen-Chef Kai Hagen, sein Mitarbeiter Edwin Maringer, Michael Neuhaus von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Märkische Revision Becker & Partner sowie die beiden CDU-Ratsmitglieder Uwe Scholz und Christel Vossbeck-Kaiser durchführten.

„Wir wollen versuchen, die Finanz- und Wirtschaftskrise auf Altena herunter zu brechen“, sagte Christel Vossbeck-Kaiser und stellte gleich die provokante Frage: „Ist Altena, ist die Sparkasse die Wallstreet und stimmt der Satz aus dem Film ,Gier ist gut?‘“

Kai Hagen konterte humorig, „dann wären die Gehälter sicherlich höher, aber Spaß beiseite“, um die Rolle der heimischen Bank in der Krise der Jahre 2008/2009 dezidiert zu beleuchten. Kernpunkt seiner Analyse: „Alle haben unter den Auswirkungen gelitten, alle haben das Leiden gehabt.“ Sein Institut habe einiges zu verkraften gehabt, „aber wir haben still gehalten, oft die Tilgungen ausgesetzt, denn wir sind Partner der Gewerbetreibenden in der Region.“ Obwohl die Zeiten besser werden, sorgt sich Hagen dennoch. Nach seiner Einschätzung geht es zu schnell wieder nach oben. „Wer schnell steigt, kann auch schnell wieder fallen.“

Seiner Einschätzung schloss sich auch Michael Neuhaus an, der den jungen Leuten in anschaulichen Vergleichen die Krise auf Altena herunterbrach. „Privatanleger haben ihr Geld verloren. Wir hatten nicht nur ein Bankenproblem.“ Spätestens bei seinen Stichworten Entlassungen, Kurzarbeit, Insolvenz war er dann auch wieder an der Lenne angekommen.

Speck an die Knochen

„Die Industrie vor Ort müsse wieder Speck an die Knochen bekommen“, meinten das Politiker-Duo Uwe Scholz und Christel Vossbeck-Kaiser. Sie zeichneten ein realistisches Bild der „fatalen Auswirkungen“ auf den Ort. „Wir haben auf Pump gelebt, wir müssen die Verschuldung drücken und waren vor der Krise auf einem guten Weg“, meinte Scholz. Auch wenn der zum Teil schmerzlich gewesen sei, etwa mit der Schließung des Freibades am Ort. Dann sei die internationale Blase geplatzt. „Jetzt geht es aufwärts. Ich denke mal, wenn es anhält, sind wir 2012, 2013 so weit, wie wir Ende 2007 waren. Und dann heißt es zu allererst Schulden abbauen.“

„Wall Street - Geld schläft nicht“ – inspiriert vom Streifen und den dort agierenden gierigen Brokern fragten Jugendliche auch nach Bonizahlungen am Ort. Hagen: „Das gibt es nicht“, und der Sparkassenboss klärte die jungen Leute auf, was für ihn ein gerechtes Lohngefälle ist. „Ein gutes Gehalt, aber kein Fixum von 10 Prozent und dann gigantische 90 Prozent Boni.“ Das verleite dazu, nur auf den Punkt zu handeln und nicht langfristig zu denken und mit Augenmaß.

CDU verfolgt Idee weiter

Lehrer Marcel Rau und Direktor Heribert Hertel waren für die CDU-Idee Schülern konkrete Politik zu vermitteln, sofort zu haben. Die CDU selbst, das sagte auch JU-Chef Alexander Stein, werde diesen Weg 2011 fortsetzen. Deshalb gab es schon Gespräche mit allen Schulleiterin der weiterführenden Schulen.

von Johannes Bonnekoh

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