Hohe Strafe für Erpressung und Menschenraub

Erpresser drohte Unternehmer aus dem MK: Geld her oder Finger weg

Der Iserlohner Erpresser beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger Andreas Trode.
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Der Iserlohner Erpresser beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger Andreas Trode.

Im Prozess gegen einen 46-jährigen Räuber und Erpresser hat sich die Hoffnung von Verteidiger Andreas Trode auf eine nennenswerte Minderung der Haftstrafe für seinen Mandanten aus Iserlohn nicht erfüllt.

Altena – Das Landgericht verurteilte den Angeklagten wegen eines versuchten Einbruchdiebstahls sowie wegen erpresserischen Menschenraubes und einer versuchten räuberischen Erpressung zu einer Haftstrafe von neun Jahren und neun Monaten.

In der Verhandlung hatte der Angeklagte erstmals zugegeben, dass er am 11. Dezember 2016 gemeinsam mit einem Mittäter in die Wohnung eines jungen Altenaer Unternehmers eingebrochen war. Als die Einbrecher den dort vermuteten Tresor und die erwartete Beute nicht fanden, setzten sie den jungen Mann nach seiner Rückkehr vier Stunden lang massiv unter Druck. Er sollte ihnen eine sechsstellige Summe überweisen. Als das scheiterte, bedrohten sie ihn in den Tagen danach immer wieder und verlangten die Zahlung eines „Schutzgeldes“.

Im Landgericht Hagen wurde der 46-Jährige nach einem Indizienprozess zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. Dieses Urteil hob der Bundesgerichtshof in Karlsruhe wegen eines Fehlers in der Urteilsbegründung auf. Deshalb musste nun erneut verhandelt werden.

Richter folgten dem Antrag des Staatsanwaltes

Mit ihrem Urteil folgten die Richter dem Antrag des Staatsanwaltes, der das erstmals abgelegte Geständnis des Angeklagten immerhin mit einem Strafnachlass von drei Monaten honorieren wollte. Anlass für eine weitere Minderung der Strafe sah er nicht, da die Straftaten des Angeklagten im ersten Urteil bereits festgestellt und vom Bundesgerichtshof bestätigt worden waren. Das späte Geständnis des 46-Jährigen müsse aber einen kleinen Niederschlag im Strafmaß finden: „Die Einsicht in das Unrecht der Tat muss honoriert werden.“

Verteidiger Andreas Trode empfand diese Minderung der Strafe als einen „Schlag ins Gesicht“ seines Mandanten. Er hätte nach der Aufhebung des ersten Urteils das ganze Paket gerne noch einmal aufgeschnürt und nicht nur Detailfragen zur korrekten Strafzumessung geklärt. „Es war ein Fehler, das Urteil so aufzuheben, wie es aufgehoben worden ist“, erklärte er.

Verteidiger hoffte auf milderes Urteil

Dass sein Mandant mit seinem Geständnis nunmehr Verantwortung für die räuberische Erpressung in Altena übernimmt, müsse viel deutlichere Konsequenzen für die Strafzumessung haben. Wegen der erheblichen Alkoholisierung seines Mandanten in jener Nacht und der damit verbundenen erheblich verminderten Schuldfähigkeit brachte der Verteidiger nochmals einen minderschweren Fall ins Spiel und beantragte eine Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. Außerdem beantragte er die Verhängung einer Maßregel in einer Drogenentzugsklinik. Diese hatten die Richter allerdings vor gut einem Jahr schon ausgeschlossen. Und auch diesen Aspekt des Urteils bestätigten die Richter des BGH. Verteidiger Andreas Trode kündigte an, das für ihn und seinen Mandanten unbefriedigende Urteil erneut vom BGH überprüfen zu lassen.

Der Fall

Das Landgericht Hagen verurteilte einen heute 46-jährigen Iserlohner am 16. Juli 2019 wegen erpresserischen Menschenraubes und räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von zehn Jahren. Gemeinsam mit einem unbekannten Mittäter drohte er in der Nacht zum 11. Dezember 2016 einem jungen Unternehmer aus Altena in dessen Wohnung unter anderem mit dem Abschneiden eines Fingers, um ihn zur Herausgabe sechsstelliger Geldbeträge zu veranlassen. Weil der Bundesgerichtshof dieses Urteil zum Teil aufgehoben hatte, musste eine andere Kammer erneut über die Sache verhandeln.

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