Im Untergrund der Nette: Pillings alter Bierkeller

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Stumme Zeitzeugen der Jahrhunderte waren zwei Mühlen, die Familie Brillert fand. Das rechte Modell war selbst vom Mühlenmuseum nicht zuzuordnen. Das gusseiserne Gerät lässt sich auseinander nehmen, wofür es verwendet wurde, ist unbekannt.

Altena - Es ist eine schmale Hühnerleiter, die in die „Katakomben“ des Hauses Pilling führen, doch Patrick Hochstein genießt den mehrfachen täglichen Abstieg. Er ist eine schöne Abkühlung im Arbeitsalltag am Gasherd, denn unter der Nette herrschen auch an Tagen mit 39 Grad Außentemperatur noch erfrischende fünf Grad Celsius.

Franz-Georg Brillert lacht: „Nein, natürlich sind es keine Katakomben, denn Leichen haben wir nicht entdeckt, als wir das Haus übernahmen.“ Aber das noch von Anneliese Pilling eingebaute Kühlagregat-Zimmer im Untergeschoss nutzt der Wirt bis heute.

„Wir mussten es nur 1998 einmal komplett sanieren lassen nach einem Wasserschaden. Da stand uns das Wasser brusthoch hier unten und unser Bierkeller war ganz schön ramponiert."

Franz-Georg Brillerts in seinem Getränkelager.

Ohne das Untergeschoss, auf das von der Nettestraße aus nur eine unscheinbare Bierklappe hindeutet, könnte Haus Pilling nicht als Gastwirtschaft existieren. „Wir haben weder im Schankraum, noch in den Sälen oder in der Küche Platz für die Lagerung und Kühlung der Biefässer und Getränkekisten. Darüber hinaus lagern wir hier Gläser, Geschirr und Dekorationsartikel. Alles, was nicht im täglichen Betrieb gebraucht wird.“ 

Von der Kultwirtin Anneliese sind noch ein paar wenige Relikte übrig geblieben. Als Familie Brillert 1996 übernahm, entdeckte sie eine Kiste mit von ihr in Auftrag gegebenen Handzetteln, Teller mit dem alten Gaststättenlogo und zwei rätselhafte Mühlen. „Eine davon ist so merkwürdig konstruiert, dass mir selbst das Mühlenmuseum keine Auskunft darüber geben konnte“, erklärt Franz-Georg Brillert. 

Patrick Hochstein vor der Bierklappe.

Er hat ihnen einen Ehrenplatz in der Gaststätte eingeräumt neben der uralten Reidemeister-Figur, von der verbrieft ist, dass sie das älteste Exponat im Hause ist. Öffentlich zugänglich ist der Pilling-Keller heute nicht.

„Darüber habe ich mir auch nie Gedanken gemacht, bis Torsten Dreyer seine Erlebniswanderungen in Altena startete. Da sind zum ersten Mal seit Jahren wieder andere Menschen außer Getränkelieferanten diesen Geheimweg unter der Nette gegangen“, berichtet Franz-Georg Brillert. Optisch gibt er wenig her, trotzdem ist er ein exklusives Erlebnis.

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