Wenn Erziehung scheitert, wird's teuer für die Stadt

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Letzter Ausweg Heim: Dafür nimmt die Stadt viel Geld in die Hand.

Altena – 19 Kinder und Jugendliche sind derzeit in Heimen untergebracht: Das kostet die Stadt 1,2 Millionen Euro - und ist immer der letzte Ausweg.

Knapp zwei Millionen Euro lässt sich die Stadt unterm Strich im kommenden Jahr die Betreuung von Kindern in Kindergärten oder bei Tagesmüttern kosten. Das geht aus dem Teil des Haushaltsplanes hervor, der im Jugendhilfeausschuss beraten und einstimmig verabschiedet wurde. 

Einnahmen, vor allem Landeszuschüsse und Elternbeiträge, in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro stehen 4,5 Millionen Euro an Ausgaben gegenüber. Davon bekommen die Kindergartenträger 3,8 Millionen Euro, 350 000 Euro gehen an Tagesmütter. Aktuell werden etwas mehr als 500 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren betreut.

Deutlich teurer wird es, wenn bei der Erziehung etwas schiefgegangen ist. Für „Hilfe für junge Menschen“ schießt die Stadt nämlich nach einer Übersicht von Abteilungsleiterin Agnes Goniwiecha knapp 3,8 Millionen Euro zu. 

1,2 Millionen Euro für 19 Kinder und Jugendliche

Das liegt auch daran, dass die Einnahmen in diesem Fall eher bescheiden sind. Die Verwaltung kalkuliert mit 93 000 Euro, ausgeben wird sie dagegen voraussichtlich 3,88 Millionen Euro. 

Die Zahlen in den Erläuterungen zum Haushaltsplan sind erschreckend. Beispiel „Erziehung in Einrichtungen“, also die Unterbringung in Heimen: Aktuell gibt es 19 Fälle, für die die Verwaltung für das Jahr 2020 mit Ausgaben von knapp 1,2 Millionen Euro rechnet. 

Der Ansatz musste in letzter Sekunde nach oben korrigiert werden, weil eine massiv verhaltensauffällige Jugendliche in einer intensivpädagogischen Maßnahme untergebracht werden musste. Alleine das kostet 104 000 Euro pro Jahr. 

40 Kinder in Pflegefamilien oder Wohngruppen

Für andere Heimunterbringungen zahlt die Stadt sogar 157 000 Euro im Jahr, manchmal reichen aber auch 40 000 Euro. Pädagogisch wie finanziell ist die Heimunterbringung das letzte Mittel, vorher werden andere Maßnahmen versucht. 

900 000 Euro kostet die Vollzeitpflege für etwas über 40 Kinder und junge Erwachsene, die in Pflegefamilien oder Wohngruppen untergebracht sind. Eingliederungshilfen für sieben seelisch behinderte Kinder schlagen mit gut 75 000 Euro zu Buche.

200 000 Euro gibt die Stadt dafür aus, Mütter mit Kindern unter sechs Jahren in „gemeinsamen Wohnformen“ unterzubringen, wenn sie alleine mit der Erziehung überfordert sind. 

Manchmal reichen auch ambulante Hilfen, zum Beispiel durch die beim Jugendamt angesiedelte sozialpädagogische Familienhilfe. Die kostet voraussichtlich 350 000 Euro. Am besten ist natürlich, wenn es gar nicht erst soweit kommt, dass Kinder von Fremden betreut werden müssen. 

Zu den Hilfen für junge Menschen zählen deshalb auch Ausgaben für Prävention und Beratung. Mit 80 000 Euro bezuschusst die Stadt die Erziehungsberatungsstelle der Caritas, 25 000 Euro gehen nach Lüdenscheid zur Beratungsstelle gegen Kindesmissbrauch. Das Programm „Altena – früh am Ball“ kostet 30 000 Euro.

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