Unfallflucht: Jeder Zweite wird ermittelt

Polizeihauptkommissar Hans-Günter Schreiber ist Unfallflüchtigen auf der Spur.

ALTENA - Die Bilanz ist nüchtern. Genau 117 Fahrerfluchten haben die Beamten der Polizeiwache im vergangenen Jahr im Stadtgebiet von Altena aufgenommen. 117 Mal wurden sie gerufen, weil Autofahrer nicht zu ihren „kleinen Fehlern“ standen, anderen nicht nur Ärger und Probleme hinterließen, sondern auch noch oftmals ein beträchtliches Schadenssümmchen bescherten. Von Johannes Bonnekoh

Deshalb zuerst die gute Nachricht: „Rund 50 Prozent dieser Unfallfluchten konnten wir aufklären“, sagt nicht ohne Stolz Polizeihauptkommissar Hans-Günter Schreiber. Er bildet gemeinsam mit seinem Kollegen Detlef Winkler das „Ermittlungsteam Unfallflucht“ und kennt die Tricks und Ausreden von getürmten Unfallfahrern genau.

„Es ist wichtig, dass wir zügig gerufen werden, denn das Aufnehmen frischer Spuren bietet die besten Chancen, Unfallflüchtige zu ermitteln“, sagt der Polizist. Ihm und seinem Kollegen helfen dabei Lacksplitter, Scherben oder Glasreste. „Ganz besonders hilfreich sind Zeugenaussagen,“ Schreiber und sein Partner greifen dann mit ihren Spurenansätzen auf polizeiinterne Datenbanken bis zum Landeskriminalamt zurück und werden tätig. „Wenn ein Geschädigter allerdings nur sagen kann, ich glaube, neben mir hatte ein roter Golf geparkt“, dann wird es schon schwieriger“, so Schreiber. „Davon gibt es allein im Märkischen Kreis wohl einige tausend Autos.“

Mit Fotokamera, oft auch mit einer Zeichnung des Unfallherganges und natürlich dem obligatorischen Zollstock, gehen die Beamten zu Werk. „Alles wird dokumentiert, festgehalten“, erzählen sie aus ihrem Alltag. Und dann beginnt ihre Kleinarbeit. Lack ins Labor, um die Farbe zu bestimmen, Autoglas erkennen und damit den Fahrzeugtyp definieren und so weiter. Das sei schon viel Kleinarbeit, aber letzten Ende will wohl niemand für etwas zahlen, was er nicht verursacht hat.

Schreiber: „Wenn sie ein Auto touchieren oder wenn etwas passiert, sie müssen warten. Es genügt nicht, einen Zettel hinter den Wischer zu klemmen und sich zu ihrem Malheur zu bekennen. Wenn Sie sich entfernen, ist das Unfallflucht. Wir raten immer: Warten, Zeugen suchen, wenn es vor dem Einkaufszentrum passiert ist, ausrufen lassen, am Eingang auf den oder die Fahrerin warten oder die Polizei rufen. Dann ist man immer auf der sicheren Seite.“ Die Schadenshöhen bewegen sich in der Regel im drei- maximal kleinen vierstelligen Bereich, so die beiden Beamten. Und fügen dennoch an: „Unfallflucht ist eine Straftat. Das kann den Führerschein und eine saftige Geldstrafe kosten und bis zu Gefängnis führen. Keine Bagatelle also.“ Wenn‘s mal kracht, knackt, scheppert: Am besten die Polizei rufen, denn Fehler passieren – selbst dem gewieftesten Autofahrer. Nur dazu stehen sollte man, schon aus Fairness. Johannes Bonnekoh

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