Mehr als 20 Jahre musikalisch-literarisch in ganz Europa „auf Tour“ / Wartburg-Treff-Organisator

Der „unbekannte“ und doch „bekannte“ Karsten Wolfewicz

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Karsten Wolfewicz blickte bei einem ungewöhnlich aufwendigen Themenabend auf die Ära der amerikanischen Mondflüge zurückblicken. Dieses Thema reize ihn seit Kindesbeinen

Altena - Braune Lederjacke, etwas wilde, unorthodoxe Frisur, ein Zigarettchen im Mundwinkel und eine Tasse Kaffee auf dem Tisch: Einmal am Morgen macht Karsten Wolfewicz Pause und ist dann in einem Eiscafé anzutreffen. Er genießt diese „Auszeit“ von der Hektik des Tages, spricht mit vielen Menschen, grüßt, lächelt und hält die Augen offen...

Die Augen offen halten? Ja, das ist ein typisches Merkmal des Mannes, der seit vielen Jahren eine Kulturgröße in der Stadt ist. Doch wer ist eigentlich dieser Karsten Wolfewicz? Wo kommt er her? Was treibt ihn um? Warum wurde er an gerade der Lenne sesshaft? „1965 wurde ich in Iserlohn geboren. Aufgewachsen mit zwei Brüdern und einer Schwester bin ich aber im Bergischen“, erzählt der Vater von zwei Söhnen. In Gummersbach legte er seine Abiturprüfung ab und studierte anschließend Theologie. Von Kindesbeinen an aber sei er durch Vater und Mutter mit Altena „ganz besonders der Burg“, verbunden gewesen.

Mittelalterliche Requisiten für einen Vortrag der Reihe "Garten der Geschichte" in Altena.

Und es sprudelt nur so aus dem Mittelalter-Fachmann heraus. Wann, wie und wo er Altena, die Feste, das Umland und die Liebe zum Mittelalter genau hier an der Lenne entdeckte. Er erzählt von Wanderungen, von Exkursionen mit dem Vater, der den Drang des Jungen, sich mit der Geschichte zu beschäftigen, stets unterstützte.

Blasinstrumente

Wolfewicz beherrscht als Musiker alle Blas- und Holzinstrumente, die man sich vorstellen kann. Wenn er wieder regelmäßig üben würde, traue er sich auch wieder an Bachwerke auf der Orgel, so wie früher. Dankbar sei er seinen Eltern für das Geschenk der Reisen. „Als Familie haben wir praktisch ganz Europa bereist. Das hat mir enorm viel gegeben.“ In Altena arbeitet er an der Burg Holtzbrinck als Hausmeister. Dass er nach dem Theologiestudium selbst mehr als 20 Jahre „musikalisch-literarisch“ auf großer Tour war, belegt er an vier eng beschriebenen Seiten seiner Vita, die plötzlich auf dem Tisch liegt.

Kurtzweyl-Ensemble-Mitglied

 „Ich habe ganz Europa, bereist“, sagt Wolfewicz. Und schon das Lesen macht Spaß, lässt Bilder vor dem geistigen Auge aufziehen. So war er Mitglied des vielfach ausgezeichneten Ensemble Kurtzweyl. Das begleitete Pilgerreisen nach Santiago de Compostella ebenso wie den europäischen Sängerwettstreit auf der Wartburg. Da zog Wolfewicz sogar maßgeblich die Organisationsfäden. Ob „Anno Domini“, ein Ensemble, das die höfische Dichtung der Stauferzeit der Öffentlichkeit bekannt machte, oder CDs zu weltbekannten Kompositionen nach Werken von Walther von der Vogelweide:

Gefragter TV-Fachmann

Wolfewicz war und ist ein gefragter Fachmann auf vielen Radio- und TV-Kanälen und Kenner und Interpret der niederdeutschen Sprache, die er ebenso beherrscht wie andere das Englische. Schwerpunkte seiner Reisetätigkeiten waren und sind zudem Produktions- und Denkmalberatungen im In- und Ausland. So gestaltete er die Rubens-Tage in Siegen mit, entwickelte Museumskonzepte auf der Runneburg, in Baubach oder auch in Nürnberg und und und. Die Liste lässt sich (unendlich) fortführen. Doch Altena sei jetzt Anker und Quelle der Kraft auf der Suche nach Antworten auf Fragen wie „Was ist Leben?“ Hier habe er auch erkannt, ein wenig umzuschwenken vom Musiker zum Dichter.

Kunst ist Handwerk

Sich selbst beschreibt er als unstetig, als Suchenden nach Wissen und Möglichkeiten. Alles was er anfasse, geschehe mit Hingabe, mit Inbrunst. Und deshalb ist Kunst für ihn stets nur „Handwerk, eben das, was das Publikum als Kunst begreift.“ Die Burg Holtzbrinck sei Mittelpunkt seines Arbeitens. „Der Dienst dort geht vor“, sagt er und nennt geschicktes Zeitmanagement als den Schlüssel, all die Dinge, die er anfasst, auch regeln zu können. Sponsoring sieht er eher kritisch. Zu oft werde dann versucht, auf ihn Einfluss zu nehmen. „Ich bestimme gerne selbst, wenn es gut ist, auch was Details angeht.“

Die Amis waren auf dem Mond!

Besondere Hobbys oder Leidenschaften, gibt es die noch? „Ich habe mich mit der Mondlandung und dem Apollo-Programm als Gegenpol zum Mittelalter mit viel Liebe beschäftigt. Auch das hat mir geholfen, noch ein Stück souveräner, heiterer und gelassener zu werden.“ Ansonsten gebe es lediglich noch das Katamaran-Segeln. „Aber dazu komme ich kaum noch.“ Eines ist Wolfewicz aber noch wichtig: „Die Mondlandung hat stattgefunden. Das habe ich in den Augen der Astronauten gesehen.“

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