Ulla Meinecke: Akustische Probleme trüben Auftritt in Burg Holtzbrinck

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„Wir war’n mit dir bei Rigoletto, Boss“ heißt das aktuelle Doppelalbum mit verschiedenen Kompositionen, von dem Ulla Meinecke viele Titel in der Burg Holtzbrinck vorstellte. Ingo York begleitete sie an Gitarre und Bass, Reinmar Henschke an den Tasten.

Altena - Sie kam, und sie fand am Samstagabend an die 60 Fans in der Burg Holtzbrinck: Ulla Meinecke – ein paar Jahre älter als zu ihren großen Zeiten und vielleicht ein bisschen gereift.

So ganz schien die Sängerin, deren „Tänzerin im Sturm“ noch vielen im Ohr ist, allerdings nicht im Reinen zu sein mit ihrem Tingeltangel durch die Provinz. Zu Beginn schilderte sie die Ankunft von drei staunenden Musikern in Altena: „Das also ist das Sauerland“, deutete Ulla Meinecke an, dass sie trotz eines umfangreichen Tourneeprogramms zum ersten Mal in unserer Gegend war. 

Was dann folgte, konnte man als ein gewisses Naserümpfen über die Provinz verstehen: „Das ist ja schon ein langes Tal hier. Vielleicht kann man das ja auch als Geborgenheit empfinden. So etwas kennen wir nicht. Wir kommen aus Berlin.“ Ja, da fahren wir auch immer mal wieder gerne hin. 

Klingelndes Getöse

Erheblich schwerer als die leichten atmosphärischen Störungen zur Begrüßung wogen allerdings die akustischen: Zu laut, schlecht ausgesteuert, unerwünschte Resonanzen? Es war schwer, die Frage loszuwerden, was sich hinter dem klingelnden Getöse versteckte. 

Doch es drang in den ruhigeren Momenten auch einiges durch von der Suche der Ulla Meinecke nach Entspannung – sei es auf Sylt oder in Schottland, Irland oder Wales. „The Star of County Down“ hatte die Sängerin aus Irland mitgebracht – eines von wenigen auf Englisch gesungenen Liedern. Tom Waits’ „One Star Shining“ war ein weiteres. 

Den „untröstlichen Meister des Trosts“ nannte Ulla Meinecke ihn. Mark Cohns schönes „Walking in Memphis“ bereicherte den Reigen der Ausflüge ins Englische. Und empfahl ebenso wie ein Song von Ulla Meinecke das „Schlendern“ – auch oder gerade, weil es Luxus ist. 

Alte Liebe rostet nicht: Mehrere Fans hielten Ulla Meineckes Auftritt in mehr oder weniger bewegten Bildern fest.

Das Lied mit der Zeile „Über mir der Himmel, unter mir der Strand“ nahm den Erzählstrang von der Reise nach Sylt wieder auf. Die Liebe brachte Ulla Meinecke recht robust zur Sprache: „In den Betten ist ja deutlich mehr los, als man glaubt“, versicherte sie und sang von „Süßen Sünden“. Dieser Befund ließ alle Freunde der Sexualität aufatmen. 

Dass es zuweilen Optimierungsbedarf hinsichtlich des oder der Partner gibt, war nichts Neues. Die Erkenntnis schlug sich in einer weiteren musikalischen Leihgabe nieder: „50 Tipps, ihn zu verlassen“. 

Die  „Industrie der Selbstoptimierung“

Zustimmung erntete die Sängerin mit einem Exkurs über die Welt der Kosmetik, Wellness-Oasen, Beauty-Farmen und Anti-Aging-Programme, kurz: die „Industrie der Selbstoptimierung“. Dazu gab es eine klare Botschaft: „Vertraut mir, Mädels – den (Kosmetik-)Topf könnt ihr weglassen. 

Der Geruch kommt nicht aus den Tiegelchen, sondern aus der Vergeblichkeit.“ Für das instrumentale Fundament sorgten an diesem Abend in der Bürgerburg die beiden Begleitmusiker Ingo York und Reinmar Henschke (Keyboards). 

Vor allem Ingo York zauberte immer mal wieder auf Bass und Gitarre und bediente nebenbei Teile eines Schlagzeuges. Es war keine Überraschung, dass die letzte Zugabe der Tänzerin im Sturm gehörte. Jener, die „mit Liebe nur so um sich schmeißt“. Wie fragt sie seit 1983 doch so schön? „Ey, was haben wir beide hier verloren?“

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