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Ukraine-Krieg: „Soldaten machen mir Gänsehaut“ - Freunde berichten aus Kriegsgebiet

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Von: Ines Engelmann

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Michael Pohl war mit seiner Frau Nicole schon öfter in Russland. Nun macht sich der Altenaer große Sorgen um Freunde in Russland und auch in der Ukraine.
Michael Pohl war mit seiner Frau Nicole schon öfter in Russland. Nun macht sich der Altenaer große Sorgen um Freunde in Russland und auch in der Ukraine. © Pohl

Seit fünf Tagen herrscht Krieg. Fünf Tage mit immer neuen Schreckensmeldungen aus der Ukraine. Ein Altenaer wird hautnah mit Nachrichten versorgt.

Altena – Es gibt schwere Kämpfe rund um die ukrainische Stadt Charkow und Explosionen in Kiew. Michael Pohl aus Altena ist sowohl privat als auch beruflich mit Menschen aus Russland und auch aus der Ukraine befreundet. Er macht sich große Sorgen.

„Es ist einfach schlimm, was da passiert. Es ist ein Verbrechen und ein Bruch des Völkerrechts und die ganze Welt sieht ohnmächtig zu und kann an der Situation nichts ändern“, sagt Pohl. Der Softwareentwickler, der beruflich und privat schon häufig in den beiden Ländern war, ist bei jeder neuen Nachricht vom Ukraine-Krieg in Sorge um seine Freunde.

Ständige Angst: Freunde wegen Ukraine-Krieg im Luftschutzbunker

Eine Freundin (Name liegt der Redaktion vor, soll aber nicht genannt werden) aus Kiew schilderte Pohl über die soziale Medien, wie es ihr am Freitagvormittag ging: „Am Morgen gab es hier Explosionen, aber nun ist es ruhig. Ich habe einen guten Luftschutzbunker im Haus. Es macht natürlich Angst, aber wir bleiben ruhig. Ich schaue mir die Situation im Fernsehen an, wenn ich Zuhause bin.“ Des Weiteren schilderte sie: „Wir sind schockiert. Aber ich sehe, dass Freunde und Nachbarn zusammenhalten. Und ich hoffe, dass das alles schnell und gut endet.“

Ukraine-Krieg: Stimmung auch in Russland bedrückend

Bilder aus dem Bunker wollte die Freundin aber nicht schicken. „Scheinbar ist die Angst zu groß“, vermutet Pohl und äußert großes Verständnis. Die Frau aus der Ukraine gibt die Hoffnung allerdings nicht auf: „Ich versuche positiv zu denken.“

In Russland scheint die Stimmung ähnlich bedrückend zu sein. Auch dort hat Michael Pohl eine Freundin in St. Petersburg. Sie schildert, wie sich der Krieg schon zum Jahreswechsel in Russland ankündigte: „Bei uns sind nach dem neuen Jahr alle Preise gestiegen. Alles ist so teuer... das Gehalt ist gleich geblieben. Ich denke, ich werde bald Nudeln, Grütze, Zucker und Salz für die Zukunft kaufen.“ Die Frau aus Russland ist sich ziemlich sicher, dass das noch nicht alles war. „Alles kann passieren und man muss vorbereitet sein. Das ist kein Scherz mehr. Das macht mir Sorgen.“

Ukraine-Krieg: Freund ist froh über jedes Lebenszeichen

Sie hofft, dass der Konflikt bald beigelegt wird, „aber wie hoch wird der Preis dafür sein“, fragt sich die Freundin von Pohl. Als die Frau am Freitag zur Arbeit in St. Petersburg ging, traf sie auf eine ganze Kompanie von Soldaten. „Diese Soldaten haben mir Gänsehaut am ganzen Körper gemacht, als ob ich das alles schon früher gesehen habe.“

Pohl teilt das Leid seiner Freunden. Er ist in Gedanken bei ihnen und froh, dass es Lebenszeichen von ihnen gibt. Pohl: „Die Leidtragenden sind die Menschen. Gewollt hat diesen Krieg sicherlich keiner.“ Viele Menschen aus Russland und der Ukraine haben Familie und Freunde auf der jeweils anderen Seite der Grenze, weiß Pohl. Diese Einwohner dürfte das Geschehen besonders hart treffen. Der Altenaer geht davon aus, dass Russland die Ukraine binnen einer Woche vollständig eingenommen haben wird. „Und dann ist es keine Entfernung mehr zu den ersten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union“, äußert Pohl seine Sorgen, dass der Ukraine-Krieg noch weitere Folgen haben könnte.

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