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Emotionale Momente: Mann aus Altena hilft an der ukrainischen Grenze Kriegsflüchtlingen

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Von: Ines Engelmann

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Feldbetten für Flüchtlinge: In einem Flüchtlingslager an der polnisch-ukrainischen Grenze, kommen viele Menschen vorerst unter.
Feldbetten für Flüchtlinge: In einem Flüchtlingslager an der polnisch-ukrainischen Grenze, kommen viele Menschen vorerst unter. © Schwendke

Immer mehr Flüchtlinge versuchen dem Ukraine-Krieg zu entkommen. André Schwendke, der ehemalige Altenaer, fährt zur Unterstützung bis an die ukrainische Grenze.

Altena – Der Ukraine-Krieg tobt nun schon fast drei Wochen. Sehr viele Menschen setzen sich für die Opfer ein, vor allem für die Flüchtlinge. So macht es auch André Schwendke, der in Altena aufwuchs und inzwischen nach Dillenburg gezogen ist. Er wagte sich nun erstmals gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen bis zur Grenze und schildert seine Eindrücke.

„Ich will Menschen helfen, aus dem Grenzgebiet der Ukraine zu fliehen“, sagt Schwendke und lässt seinen Worten Taten folgen. Gemeinsam mit Gleichgesinnten wie Karsten Ebert, der unter anderem seinen Firmenwagen für die Fahrt zur Verfügung stellte, sammelte der ehemalige Altenaer Spenden und machte sich von seiner neuen Wahlheimat Dillenburg auf den Weg nach Dresden. Dort lernte er weitere Helfer kennen, mit denen er im Konvoi fünfzehn Stunden bis zur ukrainischen Grenze fuhr.

Emotionale Momente: Mann aus Altena hilft an der ukrainischen Grenze Kriegsflüchtlingen

„Wir waren am Freitag erst einmal vier Autos da. Am nächsten Tag sind dann noch mal 15 Autos losgefahren“, erklärt Schwendke und ist froh, dass sich viele Menschen für die Kriegsflüchtlinge einsetzen. „Auf dem Weg zur Grenze haben wir immer mehr Militär gesehen. Große Kanonen waren auch dabei. Da haben wir zum ersten Mal gemerkt, wo wir sind. Die Euphorie verschwand und es wurde ernst.“ Denn die Menschen und das Militär kamen laut Schwendke aus allen Teilen der Welt und waren auf dem Weg nach Polen. Dort kommen auch die meisten Flüchtlinge auf der Suche nach Hilfe und Schutz.

Am ersten Flüchtlingslager an der ukrainischen Grenze angekommen, wunderte sich der 34-Jährige dennoch über die hohe Präsenz und die Aktivitäten des Militärs.

„Irgendwie kam es mir vor wie auf einem Streetfood-Festival. Denn es standen dort viele Wagen, die die Menschen mit dem Nötigsten versorgten.“ Riesige provisorische Küchen – genannt „Worlds Kitchen“ – wurden aufgebaut, um vor Ort für die Flüchtlinge zu kochen. „Es war alles irgendwie ein großes Chaos, aber dennoch gut organisiert“, schildert André Schwendke seine Eindrücke an der ukrainischen Grenze.

Flüchtlinge sind dankbar: André Schwendke aus Altena hilft an der ukrainischen Grenze Kriegsflüchtlingen

Von der Sparkasse in Dillenburg erhielt der ehemalige Altenaer eine große Tasche gefüllt mit gespendeten Spielsachen und Schokolade für Kinder. Diese verteilte er und erlebte dabei die unterschiedlichsten Reaktionen: „Die haben sich so sehr gefreut über eine Tafel Schokolade. Einige haben vor Freude geweint, andere haben mich umarmt. Ein älterer Mann hat mir fast die Rippen gebrochen, als er mich als Dankeschön umarmte. Das einzige deutsche Wort, das er kannte, war danke“, berichtet Schwendke, der schnell merkte, wie bescheiden und freundlich die Flüchtlinge sind.

Nachdem die Helfer ihre mitgebrachten Spenden verteilen konnten, ging es für sie weiter zum nächsten Flüchtlingslager. Dieses war etwas größer als das erste, auch gut organisiert, aber im schlechteren Zustand, so Schwendke. „Bei Minus sieben Grad lagen die Leute teilweise auf dem blanken Boden. Sie wärmten sich an kleinen Feuerschalen“, schildert Schwendke. Vor Ort lief es strenger ab als im ersten Lager. Und das hat auch einen guten Grund: „Uns wurde gesagt, dass die Kinder verschleppt werden.“ Und tatsächlich begegnete André Schwendke sogar einer Mutter, die mit einem Foto in ihrer Hand nach ihrem Kind suchte. Für den zweifachen Vater waren diese Szenen nur schwer zu ertragen. Mehr Militär und strengere Regeln sollen der Verschleppung entgegenwirken.

Ohne Flüchtlinge zurück nach Deutschland: André Schwendke äußert Verständnis

Auch für Helfer gab es viel zu beachten. Schwendke: „Wir mussten uns beim Militär registrieren und durften zum Beispiel nicht einfach so Fotos und Videos machen.“

Besonders bemerkenswert empfand der 34-Jährige die Organisation. „In einer Art Sternen-Center wurden verschiedene Bereiche eingerichtet. Markierungen auf dem Boden zeigten den Weg zu verschiedenen Ländern in ganz Europa.“ So konnten sich Helfer und Flüchtlinge orientieren, wo sie geeignete Ansprechpartner finden.

Den Helfern um Schwendke gelang es an dem Wochenende nicht, Flüchtlinge mit nach Deutschland zu bringen. „Es war dort wirklich schwer, Mitfahrer zu finden, weil wir in unserem Auto zwei Männer waren und die meisten Frauen und Kinder waren. Zudem war es schon 23 Uhr, die Leute waren so müde“, sagt Schwendke und äußert Verständnis für die Skepsis mit Blick auf die Verschleppungen. „Natürlich waren wir etwas geknickt, dass wir niemanden mitnehmen konnten, aber wir konnten wenigstens Kontakte knüpfen. Und es tat gut, dass wir den Kindern wenigstens für einen kleinen Moment ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnten.“

Im Zeichen der Solidarität: André Schwendke aus Altena plant weitere Fahrten

Mit dieser ersten Fahrt wollen sich die freiwilligen Helfer nicht zufriedengeben. Sie haben bereits weitere Pläne. Schwendke: „Wir werden am Samstag wieder nach Polen fahren und Spenden hinbringen.“ Diesmal soll es in ein Lager in Opole gehen, wo die Flüchtlinge nicht so gut versorgt werden, wie an der ukrainischen Grenze. Und Schwendke will noch etwas erreichen: Die Tasche mit den Süßigkeiten und Spielsachen für die Kinder soll bei der nächsten Tour wieder prall gefüllt dabei sein. Alle Helfer, denen der ehemalige Altenaer begegnet, sollen darauf unterschreiben. Diese Tasche soll dann versteigert werden.

Unterstützung für die Ukraine: Spendenmöglichkeit

Schwendke nimmt bei seiner nächsten Tour an die ukrainische Grenze wieder Sachspenden mit. Mit Unterstützung von Denny Goletz aus Altena sammelt er Spenden an der Lennestraße 63. Die Ware wird im Keller von Kai Finkernagel zwischengelagert.

Gebraucht werden vor allem Konservendosen, Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeuge, Desinfektionsmittel, Medikamente von der Kopfschmerztablette bis hin zu Morphium, Spezialnahrung für Menschen, die nicht selbstständig essen können, sowie Babynahrung und Windeln. Von Kleiderspenden bitten die Organisatoren abzusehen, da an der Grenze bereits mehr als genügend davon angekommen ist.

Wer etwas spenden möchte, kann sich bei Denny Goletz unter Tel.: 02352/3449810 oder 0176/92696116 melden. Auch Schwendke ist unter 01590/6596856 für Unterstützer erreichbar.

In Altena bereiten sich derweil die Verantwortlichen auf Flüchtlinge vor.

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