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Ukraine-Krieg: Dankbare Flüchtlinge im Bergheim – zwischen Angst und Hoffnung

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Von: Ines Engelmann

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Bessere Tage und deutlich mehr Gäste: Im Bergheim übernachteten 2020 deutlich weniger Gäste als üblich.
Im Bergheim in Mühlenrahmede wurden die ersten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine untergebracht. (Archivbild) © Spies

Die Lage in der Ukraine spitzt sich weiter zu: In Altena sind die ersten Flüchtlinge angekommen. Sie bieten ihre Hilfe an, obwohl sie selbst noch Unterstützung brauchen.

Altena – Russland setzt den Ukraine-Krieg fort. Immer mehr Menschen fliehen aus den umkämpften Gebieten. Einige Flüchtlinge sind mittlerweile im Bergheim Mühlenrahmede angekommen – und teilweise sogar schon weiter gereist.

Insgesamt zehn Flüchtlinge haben aktuell im Bergheim eine Unterkunft gefunden. Darunter sind Mütter mit ihren Kindern oder Jugendliche, die ihre Familie zurücklassen mussten. Spätestens am Dienstag sollen noch zehn Weitere in der Tagungs- und Freizeitstätte ankommen, berichtet Marc Krätzig, Leiter des Bergheims. „Eigentlich sollten auch noch zehn weitere Flüchtlinge hier ankommen, aber die hatten in Nürnberg eine Autopanne und konnten dann dort eine Unterkunft finden.“

Dankbare Flüchtlinge im Bergheim zwischen Angst und Hoffnung

Für Krätzig und sein Team ist es selbstverständlich, den Kriegs-Flüchtlingen eine Herberge auf Zeit anzubieten. „Wir helfen gerne. Wenn wir irgendwie helfen können, dann machen wir das auch“, sagt Krätzig. Bereut hat er diese Entscheidung bisher nicht. Im Gegenteil. „Die Ukrainer sind so liebe Leute. Die sind wie du und ich“, erklärt Krätzig. Soweit er beurteilen kann, scheinen die geflüchteten Mütter und Kinder nicht traumatisiert zu sein, obwohl sie teilweise aus direkten Kriegsgebieten fliehen mussten. Und obwohl sie sich große Sorgen um Angehörige machen, die sie zurücklassen mussten, bieten die Flüchtlinge bereits ihre Hilfe im Bergheim an. „Das sind so dankbare und bescheidene Menschen. Sie bieten ihre Hilfe zum Beispiel beim Putzen und auch bei der Blumenpflege an.“

Ein großes Problem ist bisher die Sprachbarriere. Denn laut Krätzig sprechen die wenigstens Englisch und noch weniger Deutsch. Aber eine Bergheim-Mitarbeiterin spricht russisch, und Pastor Dima Matsela (der auch regelmäßig Flüchtlinge ins Bergheim bringt) spricht ukrainisch. Letzter berichtete Krätzig, dass die Flüchtlinge auch mit den Aussagen von in Deutschland lebenden Russen Probleme haben, die Putins Handlungen unterstützen. „So was stößt natürlich auf Unverständnis bei den Flüchtlingen und verletzt sie sehr. Das kommt leider häufiger vor, als uns allen lieb ist. Das belastet die Menschen“, so Krätzig.

Dankbare Flüchtlinge im Bergheim: Welche Spenden gebraucht werden

Besonders bemerkenswert findet der Heimleiter, dass die Familien bisher nur mit kleinen und kaum gefüllten Rucksäcken ankamen. „Die Menschen haben vielleicht noch einmal Wechselkleidung dabei und ein Handy. Manchmal tragen sie noch eine Jacke in der Hand. Mehr nicht,“ so Krätzig. Deshalb sind die Geflüchteten nach wie vor auf Spenden angewiesen. In Kooperation mit der Hilfsorganisation ADRA erhalten die Flüchtlinge die Möglichkeit, sich im dazugehörigen Second-Hand-Shop in Lüdenscheid kostenlos einzukleiden und sich die notwendigsten Gebrauchtwaren auszusuchen. „Aber die Menschen brauchen mehr“, weiß Krätzig. Neben Geldspenden benötigen die Flüchtlinge im Bergheim auch Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Mehl und Öl. Aber auch alkoholfreie Getränke und vor allem Damenhygieneartikel wie Binden und Slipeinlagen werden dringend benötigt. Spenden von Windeln, Toilettenpapier, Küchenrollen, Kinderwagen und Buggys nimmt das Bergheim-Team ebenfalls gerne an. „Wer davon etwas abzugeben hat, kann einfach bei uns am Kalkofenweg 32 vorbei kommen. Wir sind immer da“, erklärt Krätzig. Wer ukrainisch oder russisch spricht oder Unterkünfte und Ideen für Freizeitaktivitäten anbieten kann, kann sich ebenfalls einfach im Bergheim melden.

In Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation ADRA soll die Stätte bald auch offiziell eine Anlaufstelle für Flüchtlinge in NRW werden. 25 bis 30 Flüchtlinge könnte das Heim längerfristig aufnehmen, „aber wir haben natürlich keine Daueraufenthaltsgenehmigung, da wir eine Beherbergungsstätte sind“, erklärt Krätzig. Maximal drei Monate können Flüchtlinge deshalb vorerst dort unterkommen. Insgesamt kann sich Krätzig vorstellen, 50 bis 80 Flüchtlinge auf Zeit aufzunehmen und ihnen eine Unterkunft anzubieten.

Dankbare Flüchtlinge im Bergheim: Hilfe steht im Vordergrund

Wie viele Flüchtlinge bisher insgesamt in Altena angekommen sind, ist laut Bürgermeister Uwe Kober noch nicht überschaubar. „Einige sind bei Familien und Bekannten untergekommen. Es wird noch etwas dauern, bis wir da einen Überblick haben.“ Doch das liegt derzeit nicht weit oben in der Prioritätenliste. Die Hilfe steht erst einmal im Vordergrund. „Wir schauen nun mit einem Ukraine-Krisenstab, wo wir Wohnraum für die Flüchtlinge schaffen können. Zudem sichten wir private Hilfsangebote“, so Kober.

Wie viele Flüchtlinge noch in Altena eintreffen könnten, ist derzeit noch zu früh zu sagen, betont Kober. „Wir wissen noch nicht, wo das enden wird. Die Lage ist dramatisch. Aber wir werden versuchen, jeden aufzunehmen, der kommt.“ Grund zur Hoffnung gibt Kober vor allem das Wissen, dass die Menschen den neuen Flüchtlingen deutlich positiver gegenüber gestimmt sind als 2015 den Flüchtlingen aus Syrien. Kober: „Denn es handelt sich diesmal um einen Krieg innerhalb der EU. Vor allem Frauen und Kinder suchen Zuflucht und wir müssen ihnen helfen.“

Dass Russen und Ukrainer miteinander auskommen können, zeigt eine deutsch-russische Familie, die zwei Ukrainerinnen mit ihren Kindern bei sich aufgenommen hat.

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